Von Hasnain Kazim, Islamabad
Dicke Wolken hängen über den Margalla Hills, den Ausläufern des Himalaya. Südlich dieser rund 1000 Meter hohen Berge liegt Islamabad, die pakistanische Hauptstadt. Seit zwei Tagen regnet es nahezu ununterbrochen, es in Monsunzeit, der Bergkamm der Hügel ist in Wasserdampf gehüllt.
Am Mittwochmorgen gegen 9.30 Uhr ist der Jet, ein Airbus 321, in diese bewaldeten Berge gekracht. Zunächst teilten die Behörden mit, es handele sich um eine "kleine Maschine, wahrscheinlich ein Leichtflugzeug". Woher diese Information stammt, bleibt unklar. Wenige Minuten später kristallisierte sich heraus, dass die private pakistanische Fluggesellschaft Air Blue ein Flugzeug vermisst: eine Maschine, die aus Istanbul kam, in der südpakistanischen Metropole Karatschi zwischengestoppt hatte und nun in Islamabad landen sollte.
"Wir können bestätigen, dass es sich bei der abgestürzten Maschine um ein Flugzeug von Air Blue handelt", teilte ein Sprecher der pakistanischen Flugbehörde CAA mit. Air Blue ist die zweitgrößte Fluggesellschaft Pakistans. Es handelt sich um eine private Airline, die ausschließlich gebraucht gekaufte Maschinen in Betrieb hat. An Bord seien insgesamt 152 Menschen gewesen, hieß es.
"Extrem schlechte Sicht"
Ersten Erkenntnissen zufolge habe die Maschine sich im Landeanflug auf den Benazir-Bhutto-Flughafen von Islamabad befunden, der geografisch gesehen in der angrenzenden Stadt Rawalpindi liegt. Nach Angaben der CAA habe es die Anweisung an die Piloten gegeben, wegen der schlechten Sicht noch nicht zu landen, sondern Höhe aufzunehmen und auf weitere Anweisungen zu warten. Das Flugzeug habe aber kurz vor dem Crash den Funkkontakt zur Flugsicherheit in Rawalpindi verloren. Das Fahrwerk sei zum Zeitpunkt des Absturzes bereits ausgefahren gewesen.
Die Maschine stürzte nahe eines bei Touristen beliebten Aussichtspunkts mit Blick auf Islamabad ab. Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich dort aber wegen der frühen Tageszeit und des schlechten Wetters keine Menschen.
Experten nannten die "extrem schlechte Sicht wegen der sehr tiefen Wolken" als mögliche Absturzursache. Einen Anschlag schloss die Polizei nicht aus, nannte das aber als Grund für die Katastrophe "unwahrscheinlich". "Man muss abwarten, bis wir mehr Informationen haben", sagte der CAA-Sprecher. Feuerwehr, Sanitäter und Helfer der Armee versuchten, den Unglücksort in den Bergen zu erreichen.
Rauchwolken steigen aus den Bergen auf
Rettungswagen rasten die Serpentinenwege hoch, das Militär wollte zunächst Helfer per Hubschrauber am Unglücksort absetzen, stellte diese Versuche jedoch sehr schnell wieder ein. "Das gestaltet sich wegen der extrem schlechten Sicht sehr schwierig", sagte ein Militärsprecher. "Wir versuchen, so schnell wie möglich vor Ort zu sein, um mögliche Überlebende zu retten." Der Absturzort werde weiträumig nach Überlebenden abgesucht, versprach er. Gegen 12 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) versuchten die Hubschrauberpiloten erneut, durch die wolkenverhangenen Berge zum Unglücksort zu gelangen.
Am Flughafen von Islamabad telefonieren die Menschen hektisch, in der Hoffnung, Informationen darüber zu erhalten, ob es Überlebende gibt. Einige Männer und Frauen haben sich an eine Wand gelehnt und weinen. Vorsorglich sind alle Krankenhäuser in Islamabad und Rawalpindi bereits in Alarmbereitschaft.
Gegen 11 Uhr Ortszeit schafften es die ersten Rettungskräfte an den Ort der Katastrophe. Bis zum Abend, zum Abbruch der Bergungsarbeiten, waren mehr als 100 Leichen geborgen worden. Pakistans Innenminister Rehman Malik erklärte, er müsse leider mitteilen, dass alle Menschen an Bord der Maschine ums Leben gekommen seien. Damit korrigierte er frühere Angaben, wonach es fünf Überlebende gebe.
Noch bis zum Einbruch der Dunkelheit steigt Rauch von der Unglücksstelle auf, der sich mit den Wolken mischt. Beim nächsten Morgengrauen sollen die Arbeiten weitergehen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Pakistan | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH