1977 entführte Lufthansa-Maschine Die schwierige Demontage der "Landshut"

Der 1977 entführte Lufthansa-Flieger "Landshut" soll in einem Museum in Friedrichshafen ausgestellt werden. Doch zuvor muss die flugunfähige Maschine in Brasilien auseinandergebaut werden - mit großem Aufwand.


Die Rückholaktion der früheren Lufthansa-Maschine "Landshut" gestaltet sich komplizierter als erwartet. Als wichtige Etappe konnte nun die linke Tragfläche der flugunfähig im brasilianischen Fortaleza stehenden Boeing 737 abgenommen werden, die vor 40 Jahren von Terroristen entführten worden war.

Seit dem 21. August ist ein Team der Lufthansa Technik vor Ort. Und die Ingenieure stehen vor einer großen Herausforderung: Allein zur Abnahme der Flügel müssen rund 1500 Nieten und Schrauben gelöst werden, jedes abgenommene Triebwerk wiegt rund 1,5 Tonnen.

Zu Beginn musste die Maschine erst einmal mit neuen Bugrädern versehen werden, um die zwischen anderen stillgelegten Flugzeugen stehende Boeing auf das Vorfeld zu fahren, wie Lufthansa-Technik-Sprecher Jens Krüger sagte. "Wir würden die Maschine gerne vor der Bundestagswahl am 24. September nach Hause bringen."

Es hatte vor Beginn der Demontage zunächst einige Tage gedauert, bis rund 8,5 Tonnen an Werkzeug und Flugzeughebern aus dem Zoll herauskamen. Die 1970 in Dienst gestellte Maschine war bis 2008 für verschiedene Eigentümer unterwegs: von 1970 bis 1985 für die Lufthansa, dann als "John Adams" für Presidential Airways in den USA. Später wurde sie zum Frachtflugzeug, flog für TAN Honduras, L'Aéropostale, in Malaysia und Indonesien, bis sie 2002 an die Airline TAF Linhas Aéreas in Fortaleza ging.

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Ehemalige Lufthansa-Maschine: Flügellahme "Landshut"

Aufgrund eines schweren Defekts am 14. Januar 2008 wurde das Flugzeug (letztes Kennzeichen: PT-MTB) nach 38 Jahren Dienst für fluguntauglich erklärt. Das Auswärtige Amt erwarb die "Landshut" Berichten zufolge für rund 20.000 Euro von dem Flughafenbetreiber in Fortaleza - das war vor allem die Summe für die aufgelaufenen "Parkkosten" auf dem Flughafen. Insgesamt können Demontage, Transport und Zusammenbau am Ende einen Millionenbetrag kosten.

Die großen Teile wie die Tragflächen sollen mit einer Antonow-124 und andere Teile mit Seecontainern nach Deutschland gebracht werden. Eine Ausstellung im Dornier-Museum in Friedrichshafen zum 40. Jahrestag der Befreiung der Geiseln im somalischen Mogadischu am 18. Oktober könnte zeitlich schwierig werden.

Am 13. Oktober 1977 hatten vier Palästinenser in Absprache mit der Roten Armee Fraktion (RAF) die "Landshut" mit 91 Menschen an Bord auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt am Main gekapert, um die inhaftierte RAF-Führung in Stuttgart-Stammheim freizupressen. Nach einer Landung im südjemenitischen Aden erschossen die Terroristen den Kapitän Jürgen Schumann. Co-Pilot Jürgen Vietor musste die "Landshut" nach Mogadischu weiterfliegen. Dort stürmte am 18. Oktober 1977 die Antiterroreinheit GSG 9 die Maschine und befreite die Geiseln.

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Die "Landshut" in Brasilien: Rostige Reminiszenz

Es sei ein nationales Interesse, mit dem Flugzeug als Ausstellungsstück an den Deutschen Herbst 1977 zu erinnern, hatte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) gesagt. In Friedrichshafen soll die Maschine dauerhaft als restauriertes Ausstellungsobjekt an das "Landshut"-Drama erinnern. Um diese Entscheidung gibt es allerdings Streit. Die Stadt Flensburg wirft dem Auswärtigen Amt vor, ein Versprechen für einen offenen Wettbewerb um den besten Standort gebrochen zu haben, wie der SPIEGEL berichtete.

wit/dpa

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