1977 entführte Lufthansa-Maschine Streit über Rückholung der "Landshut"

Die 1977 entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" soll in einem privaten Museum in Friedrichshafen ausgestellt werden. Nach Informationen des SPIEGEL gibt es jedoch Unmut über das Vorgehen des Auswärtigen Amts.

imago/ Agencia EFE

Um die Rückholung der Lufthansa-Maschine "Landshut" aus Brasilien gibt es Streit. Die 1977 entführte Boeing 737 soll nach dem Willen des Auswärtigen Amts im privaten Dornier-Museum in Friedrichshafen ausgestellt werden.

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Heft 36/2017
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Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wirft jedoch die Stadt Flensburg dem Auswärtigen Amt vor, ein Versprechen für einen offenen Wettbewerb um den besten Standort gebrochen zu haben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der Flensburger Unternehmer Thomas Liebelt hatte sich bereit erklärt, ein "Landshut"-Museum für rund zwei Millionen Euro in der Ostseestadt zu bauen. In E-Mails und Telefonaten sicherte das Auswärtige Amt dem Unternehmer ein transparentes Verfahren zu. Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) berichtet von einem Telefonat, in dem der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, "klipp und klar ein Vergabeverfahren avisiert hat", so Lange. "Der Stadt Flensburg mitzuteilen, es wird einen Wettbewerb geben und ich, die Oberbürgermeisterin, werde den Startschuss dazu mitbekommen, ohne dass es dazu kommt, ist kaum nachvollziehbar", sagte Lange dem SPIEGEL. Das Auswärtige Amt bestreitet den Vorgang.

Auch im Hause von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) werden intern große Zweifel an der Präsentation der "Landshut" in Friedrichshafen geäußert. Das geht aus dem Protokoll einer Besprechung zwischen Vertretern des Auswärtigen Amts, der Kulturstaatsministerin, der Dornier-Stiftung und dem Bonner Haus der Geschichte hervor, die am 8. August in Friedrichshafen stattfand.

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Die "Landshut" in Brasilien: Rostige Reminiszenz

Die Vertreter der Kulturstaatsministerin kritisierten demnach die Pläne des Auswärtigen Amts, das Wrack der "Landshut" sofort nach Ankunft in Friedrichshafen wieder durch Techniker der Lufthansa zusammenzusetzen. Damit würden Fakten geschaffen, so die Beamten, zuerst müsse ein Ausstellungskonzept erarbeitet werden.

Auch wiesen die Abgesandten von Grütters darauf hin, dass die Finanzierung der Ausstellung nicht gesichert sei. Es läge bislang "keine belastbare Unterlage" zum Projekt vor. Vorstellungen des Dornier-Museums, der Bund könne sich an den Kosten der Ausstellung beteiligen, erteilten die Grütters-Vertreter eine Absage. Es sei "keine laufende finanzielle Unterstützung für den Betrieb des Museums möglich".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 82 Beiträge
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ein-berliner 02.09.2017
1. Muss das sein?
Haben wir zuviel Geld für derartige Scherze übrig? Kann die Lufthansa nicht eine alte Maschine gleichen Typs zur Verfügung stellen und das passende Namensschild aufpappen?
artifex-2 02.09.2017
2. Egal
wer letztendlich diesen Schrottvogel bekommt , das Futter bzw. die Pflege desselben wird ein Heidengeld kosten . Selbst in Friedrichshafen gibt es eine nicht geringe Zahl von Stimmen , die gerne auf dieses "Ausstellungsstück " verzichten und es liebend gerne den Nordfriesen zu Hebung des Selbstwertgefühls , überlassen würde.
wolke:sieben 02.09.2017
3. Über solche Artikel
.....kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, als wenn es nichts wichtigeres gäbe als ein Flugzeugwrack nach Deutschland zu holen, egal was in und um dieses geschehen ist.
hannesR 02.09.2017
4. Die haben zu viel Geld in Berlin
Diese uralte Mühle zu transportieren oder gar noch flugfähig zu machen kostet ein irres Geld. Die Landshut war zwar in eine Geschichte verwickelt die aber nicht unbedingt erinnerungswürdig ist. Hier zeigt sich deutlich wie jede noch so kleine Gelegenheit genutzt wird um Steuergeld zu verplempern. Solche Verschwendungsversuche müssen strafrechtlich verfolgt werden.
toskana2 02.09.2017
5. Kultur-Teufel am Werk
Ich frage mich, welcher Kultur-Teufel reitet unsere Kulturschaffenden, eine alte Schrottmaschine als Ausstellungsstück zu präsentieren? Ein Ruhmesblatt deutscher Zeitgeschichte? Eine Heldentat der GS9 zu rühmen? Oder die Erinnerung an die RAF-Zeiten für die kommenden Zeiten hoch leben zu lassen? Keine Ahnung. Kohle für Unsinniges scheint jedenfalls da zu sein. Mit Grüßen aus Friedrichshafen
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