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Fotos aus Las Vegas: Im Schatten des Glamours

Casinos, Partys, blinkende Reklame - das sucht man vergebens in diesem Bildband über Las Vegas. Zwei deutsche Fotografen haben die andere Seite der Spielerstadt beleuchtet.

Der Las Vegas Strip ist sieben Kilometer lang, nichts hat das Bild von der Zocker-Metropole inmitten der Mojave-Wüste so geprägt wie dieser Boulevard. Luxushotels und Casinos reihen sich dort so dicht aneinander wie sonst wohl nirgends.

Glücksspiel, Hochzeiten, Neonschilder, spektakuläre Boxkämpfe, exzessive Partys - das sind die Themen, die man mit Las Vegas verbindet. Aber welche Menschen wohnen eigentlich dort, im Schatten des Glamours? Und wie lebt es sich in dieser Stadt der Extreme?

Diesen Fragen sind die Fotografen Daniel Rettig und Hendrik Schneider nachgegangen. Für ihre Bachelorarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign, die als Buch im Verlag Seltmann+Söhne erschienen ist, erkundeten die beiden Deutschen die Stadt abseits des Las Vegas Strips. Herausgekommen ist "Views on Vegas" - ein Blick hinter die Kulissen.

Zane Lamb, 19, wurde in Las Vegas geboren. Vor einem Jahr beendete er die Schule, einen Job hat Lamb seitdem nicht gefunden. Seine Zeit verbringt er in einem Skater-Park - mit seinem BMX-Rad und Freunden. "Ich verstehe nicht, warum Leute so erstaunt darüber sind, dass ich in Vegas aufgewachsen bin", sagt er. "Denn, ehrlich gesagt, kann man hier wirklich nichts machen, bevor man 21 ist."

Mack Smith Jr. kam vor mehr als 40 Jahren nach Las Vegas und eröffnete dort einen Friseursalon. Unterstützt von Supermärkten und Hotels sowie prominenten Boxern wie Mike Tyson und Lennox Lewis sammelt er Nahrungsmittel und Kleidung für Bedürftige. "Ich liebe es, in Las Vegas zu leben", sagt er. "Aber ich wünschte, ich könnte das Vegas zurückhaben, wie es früher einmal war."

Rudalenska, 59, hat schon an vielen Orten gelebt. Sie trat im Pariser Moulin Rouge auf, in New York, Berlin und Monte Carlo. Vor 19 Jahren gründete sie mit zwei Freunden eine Firma, die Läden gestaltet, und ließ sich in Las Vegas nieder. Neben ihrem Job als Dekorateurin und Designerin tritt Rudalenska immer noch als Showgirl und Dragqueen bei Benefizveranstaltungen auf. "Vegas ist keine kosmopolitische Stadt", sagt sie. "Aber es ist ein netter, angesagter Ort."

Auch das ist Las Vegas: Diese Gegend hat so gar nichts mit dem Strip gemein, wo sich Luxushotels und Casinos aneinanderreihen.

Edvin Escobar, 35, wurde in Guatemala geboren und kam im Alter von zwölf Jahren nach Phoenix. Vor sieben Jahren machte er sich auf die Suche nach einem Job in Las Vegas. Früher arbeitete Escobar als Kfz-Mechaniker, jetzt ist er freiberuflicher Zimmermann und Maler. "Ich mag das Leben hier, weil es Arbeit in Vegas gibt", sagt er. "Das ist wichtig im Leben."

Jack Clements, 44, begann seine Polizeikarriere als 21-Jähriger in seinem Heimatbundesstaat Maine. Seit 22 Jahren arbeitet er in Las Vegas nun für das Metropolitan Police Department. "Las Vegas ist nicht nur der Strip", sagt er. "Abseits dieses Bereichs ist es eine normale Gemeinde wie jede andere Stadt." Clements beschreibt Las Vegas als Großstadt mit Kleinstadtgefühl.

Steinwüste: Lediglich die Bäume sorgen für etwas Grün im Bild.

Andrew und Kelly, 32 und 33, trafen sich vor neun Jahren in Las Vegas, verliebten sich ineinander und treten mit ihrer SwingShift SideShow auf. Ihr Repertoire umfasst unter anderem schwertschlucken, feuerspucken und den Auftritt als menschliches Nadelkissen. "Es gibt viele Möglichkeiten, anderen Künstlern und Agenten zu begegnen", sagen die beiden. "Es ist wahrscheinlich die beste Heimat, die wir finden konnten."

Candace Ross, 60, arbeitete als Kunstberaterin und Bildgestalterin in San Diego, dann wurde sie Priesterin. Vor fünf Jahren fand Ross ihren Platz im "Sachmet-Tempel". Dort wird eine Göttin der alten ägyptischen Mythologie verehrt. "Las Vegas ist ein Spielplatz für Erwachsene", sagt Ross. "Diejenigen, die in den Tempel kommen, sind aber weniger zum Spielen hier."

Garagentor und Wandgemälde sind Farbtupfer.

wit

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Klasse Idee
danreinhardt 13.03.2016
Ich schreibe meine Arbeit dann auf Mallorca abseits vom Ballermann und erkunde die schönen Seiten der Insel. Urlaub am Strand, Tauchen und Klettern inmitten von wunderbarer Natur... Und ganz nebenbei 'ne gute Note einstecken. Wer stellt sich sein Studium nicht so vor? Spektakulär ist das Ergebnis dieser Bachelorarbeit nämlich wirklich nicht. Vielleicht kommt ja dann beim Master was ordentliches hervor.
2. Im Schatten des Glamours?
juliable 13.03.2016
Glamour in Las Vegas? Ich habe ihn gesucht und nicht gefunden. Was ich gefunden habe, waren sturzbetrunkene Amerikaner, die ihre Kleinkinder am Arm durch die ebenfalls sturzbetrunkene Menge zogen, und "Luxushotels" mit dem inzwischen ranzigen Charme vergangener Jahrzehnte. Das ist es doch, was die beiden Fotografen mit ihrer Arbeit vor allem aufgezeigt haben: dass der Glamour von Las Vegas nicht mehr als eine Fata Morgana ist, die man erst dann zu Gesicht bekommt, wenn der Pegel stimmt.
3. Netter Urlaub...
Reza Rosenbaum 14.03.2016
Wo sind da jetzt die Schattenseiten? Las Vegas hat, wie alle anderen Staedte auch, eine funktionierende Infrastruktur und Gemeinschaft, mit Police Department, allen moeglichen Leuten, die alle moeglichen Jobs machen, und natuerlich auch Arbeitslosen, die gerne BMZ Rad fahren. Die Fotos sehen so aus wie ganz normale Touristenfotos von Leuten, die "off the beaten path" reisen, also nicht nur die Toursitenattraktionen abklappern. Das wirkt alles irgendwie sehr beliebig und wenig ueberraschend. Naja, den Spon Leser, der LV nur vom Hoerensagen kennt, wird es vielleicht ueberraschen, dass es in Vegas nicht nur Zocker und Stripper gibt. Aber wer sich mit der Stadt nur ein bisschen auseinandersetzt, weiss eben auch, dass es dort seit etwa 10-15 Jahren zumeist sehr "clean" zugeht. Vegas hat irgendwann in den 90ern die Familien und Konferenzverantstalter als Zielgruppen erkannt, den Strip aufgeraeumt, und setzt heute mehr auf eine Art sauberes Vergnuegungspark-Flair als auf Verruchtheit. Der "glamour" ist laengst woanders hin gezogen. So ist diese Arbeit irgendwie am Thema, bzw. an der Zeit vorbei. Vor 20/30 Jahren waere das mal interessant gewesen. Heute wirkt das einfallslos und "Johnny-come-late"-ish. Die Action geht in den USA heute woanders ab. Wirklich lachen musste ich bei der Bildunterschrift "Steinwueste" - nur ein paar Baeume schaffen etwas gruen... Ja, ja... so sieht es eben aus in der Mojave Wueste - da stehen eher nicht so viele Baeume rum. Ich begruesse das ja, dass jemand sich das mal selbst ansieht, anstatt seine Bildung ueber die Staaten nur aus Karl May Buechern abzuleiten. Aber die Erkenntnis, dass Las Vegas eine Stadt mitten in der Wueste ist, und es da eher nicht so viel Gruen gibt, das ist wirklich ungewollt urkomisch!
4. Gähn!
mansiehtnurmitdemherzengu 14.03.2016
Wieder mal tiefschürfende Erkenntnisse, in Vegas leben also nicht nur Show Girls und High Roller. Vorschlag für Folgeprojekte: "New York abseits des Broadway" oder "Los Angeles abseits des Rodeo Drive". Beschränkter als die deutsche Sicht ist nur die deutsche Erwartungshaltung. Na ja, für den Bachelor reicht's.
5.
outsider-realist 14.03.2016
Zitat von danreinhardtIch schreibe meine Arbeit dann auf Mallorca abseits vom Ballermann und erkunde die schönen Seiten der Insel. Urlaub am Strand, Tauchen und Klettern inmitten von wunderbarer Natur... Und ganz nebenbei 'ne gute Note einstecken. Wer stellt sich sein Studium nicht so vor? Spektakulär ist das Ergebnis dieser Bachelorarbeit nämlich wirklich nicht. Vielleicht kommt ja dann beim Master was ordentliches hervor.
haben sie die Arbeit gelesen, weil sie sich so abfällig äussern oder sind sie nur neidisch weil sie es in ihrem Leben bisher lediglich geschafft haben, einen Kommentar im Forum mit der Welt zu teilen? Hoffentlich kommt beim nächsten etwas besseres heraus. Übrigens hindert sie niemand daran eine Arbeit auf Malle zu schreiben. Ich bezweifel aber das sie mit ihrem gewählten Thema weit kommen werden.
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