Gesägt, getan

Gesägt, getan Der Rasenmäher ist die bessere Harke

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Von , Anne Martin und Benjamin Braden (Video)


Laub im Garten? Sieht vielleicht hübsch aus, macht aber viel Arbeit. Wie entledigt man sich des Blätterteppichs am besten? Beim "Gesägt, getan"-Test zeigt sich, ob Harke, Rasenmäher oder Laubsauger die beste Wahl ist.

Die großen Menschheitsfragen lauten: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und: Warum fällt das Laub im Herbst nicht in den Nachbargarten?

Letzteres ist mir schon diverse Male in den Sinn gekommen, wenn ich mich bei der Laubbeseitigung wie der Garten-Sisyphus fühlte: Immer wenn man gerade das Gefühl hat, die ganzen Blätter sind weg, kommt der Herbst, und die Arbeit geht wieder von vorne los.

Es gibt kein Entrinnen. Bestenfalls kann man versuchen, den Kampf mit dem Laub effektiver zu führen. Aber wie? Im Dienste der Menschheit (okay, der Leute, die sich im Garten mit Laub rumplagen) habe ich versucht, das herauszufinden - und getestet, wie sich Laub am besten aufsammeln lässt. Nach streng subjektiven und unwissenschaftlichen Kriterien, versteht sich. Ich bin schließlich nicht die Stiftung Warentest.

Der Versuchsaufbau

Im Garten habe ich eine Fläche von 100 Quadratmetern abgesteckt und 45 Kilo Laub, verteilt auf vier Säcke, eingesammelt. Je zwei Säcke habe ich gefühlt halbwegs gleichmäßig auf meinem Testfeld verteilt und anschließend in drei Durchgängen eingesammelt: mit der Harke, dem Rasenmäher und dem Laubsauger. (Ein Dank übrigens an das Video-Team Anne Martin und Benjamin Braden. Es gibt bestimmt Interessanteres, als mir beim Laubeinsammeln zuzuschauen. Aber sie haben es getan. Das nenne ich Kollegialität!)

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Laub aufsammeln: Blatt um Blatt

Ich gebe zu, die Versuchsanordnung hatte ein paar Schwächen. Nicht zuletzt die, dass ich unter fast zu guten Bedingungen gearbeitet habe: Die Testfläche ist eben, der Rasen war kurz, es gab weder Regen noch Wind. Und auch keinen Schnee. Dass ich Ihnen die Testergebnisse erst kurz vor dem zweiten Advent präsentieren kann, lag am plötzlichen Wintereinbruch.

Der grundlegende Fehler war allerdings, dass kein halbwegs vernünftiger Mensch eine Testfläche von 100 Quadratmeter genommen hätte, sondern maximal 20. Nun ja. Diese Erkenntnis ist mir erst nach dem ersten Durchgang mit der Harke gekommen, und da war es zu spät.

Die Geräte

  • Harke: der Klassiker. Umweltfreundlich, leise, wartungsarm. Aber auch uncool (kein Motor, keine Räder) und vergleichsweise anstrengend.
  • Rasenmäher: laut, vergleichsweise unhandlich. Dafür ist das Laub gleich kleingeschreddert und im Fangkorb. Und für Mäh-Enthusiasten wie mich bietet die Methode die Gelegenheit, die Saison bis weit in den Herbst hinein zu verlängern. Auch wenn es Leute geben soll, die das nicht so gut finden.
  • Laubsauger: noch lauter, schreddert auch, die Laubfetzen landen im Fangsack. Dennoch das ungeliebte Kind unter den Gartenmaschinen. Wenn alle Gartengeräte in der Schule wären und Zeugnisse bekämen, wäre der Laubsauger (bzw. -bläser) das Problemkind: Betragen ungenügend, macht Krach, stört den Unterricht, produziert nichts als heiße Luft. Dabei will er doch nur dazugehören. Ein missverstandenes Gerät. Und mit Mütze fand ich den Geräuschpegel allemal auszuhalten.

Der Test

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Ich hatte mal ein Kinderbuch, in dem sich Flugzeug, Auto, Zug, Fahrrad und Fußgänger ein Wettrennen lieferten. Das Fahrrad gewann, weil es sich selbstverständlich um ein Energiesparrennen handelte. Mir als beeinflussbarem Kind sollte wohl eingebläut werden, dass die offensichtliche Antwort nicht immer die richtige sein muss.

Genau das gilt auch für die Laubbeseitigung. Wenn man nach der Zeit geht, führt kein Weg am Rasenmäher vorbei. Ich war nach knapp 14 Minuten fertig, vier weniger als mit der Harke - und weniger als halb so lang wie mit dem Laubsauger (32 Minuten).

Andererseits blieb bei der Laubsaugerrunde quasi nichts liegen, auch Bucheckern und kleinere Zweige wurden aufgesaugt. Der seitliche Auswurf beim Rasenmäher war größer. Und mit der Harke müsste man den Rasen schon zehnmal durchkämmen, bis auch wirklich das letzte Blättchen weg wäre - vor allem, weil das Laub nach dem Harken noch nicht im Sack ist, sondern nur auf einem Haufen liegt. Das Befüllen der Säcke ist das Nervigste.

Außerdem war das Harken mit Abstand am anstrengendsten. Nicht so, dass ich hinterher groggy gewesen wäre. Aber so, dass ich als Büroarbeiter zumindest das Gefühl hatte, körperlich etwas geleistet zu haben.

Das Fazit

Sie strengen sich gerne etwas an und legen Wert auf Umweltfreundlichkeit? Die Harke ist das Gerät Ihrer Wahl.

Sie wollen schnell sein und sind nicht allzu pingelig? Starten Sie den Rasenmäher.

Sie mögen es gerne akkurat und haben viel Zeit? Greifen Sie zum Laubsauger.

Zusammengefasst: Machen Sie, was Sie wollen. Womöglich wäre eine Kombilösung eine Möglichkeit. Laub zusammenharken, den Haufen mit dem Rasenmäher einsammeln und die Reste aufsaugen - das Beste aller Welten.

Mein persönliches Fazit lautet indes: Nie mehr verteile ich auf einer frisch geharkten Fläche freiwillig wieder Laub.

  • DPA
    Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.
  • Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.

  • E-Mail an den Autor
Benjamin Schulz auf Twitter:



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29 Leserkommentare
harald441 01.12.2016
Didoxion 01.12.2016
dehager 01.12.2016
helmutsteffan 01.12.2016
mwroer 01.12.2016
tpk 01.12.2016
Litpop 01.12.2016
martin281 01.12.2016
Bundeszentrale 01.12.2016
Hausmeister Bach 01.12.2016
migampe 01.12.2016
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fritze_bollmann 01.12.2016
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derLordselbst 01.12.2016
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Skydrolic 02.12.2016

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