1660 Kilometer bis Bermuda Küstenwache rettet Mann im Hamsterrad

In einem selbst konstruierten Gerät wollte Reza Baluchi von Florida bis Bermuda über den Atlantik - für einen guten Zweck. Doch der Extremsportler kam schon bald vom Kurs ab.

AFP/US Coast Guard/PO3 Mark Bar

Orlando - Er hatte weniger als ein Zehntel der Strecke hinter sich: Der Extremsportler und selbsternannte Friedensaktivist Reza Baluchi ist dabei gescheitert, mit einem selbst konstruierten Gerät namens Hydro Pod über den Atlantik von Florida bis Bermuda zu laufen.

Die US-Küstenwache griff Baluchi auf, nachdem er seinen Notfall-Peilsender aktiviert hatte. Baluchi wurde im Krankenhaus untersucht und ist bei guter Gesundheit. Laut seiner Website wollte der Exil-Iraner die 1660-Kilometer-Reise antreten, um Geld für hilfsbedürftige Kinder zu sammeln und "all jene zu inspirieren, die auf eine bessere Zukunft hoffen".

Der Hydro Pod besteht der Website zufolge aus einer Kugel aus drei Millimeter dickem transparenten Kunststoff. Sie befindet sich in einem Rahmen aus Alu-Stangen, die in regelmäßigen Abständen von Fußbällen gestützt werden. In gewisser Weise sei das Gerät einem Hamsterrad nicht unähnlich, heißt es auf der Website.

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Von Florida bis Bermuda: Gescheiterter Wasserläufer
Baluchis Plan sah vor, morgens zu laufen, während der Mittagshitze im Meer abzukühlen und nachts zu schlafen. Als Verpflegung hatte er selbstgemachte Proteinriegel dabei; zudem wollte er Fische fangen.

Erste Berichte über Baluchi auf See hatte es bereits am vergangenen Mittwoch gegeben. Die Küstenwache fand ihn rund 130 Kilometer östlich von St. Augustine, einem Küstenort in Florida. Baluchi habe einen orientierungslosen Eindruck gemacht, hieß es. Er fragte laut Küstenwache, wo es nach Bermuda gehe. Besatzungsmitglieder hätten ihn vor den Gefahren seines Unterfangens gewarnt und darum gebeten, den Plan aufzugeben, sagte ein Sprecher. Doch Baluchi habe abgelehnt. Erst am Samstag habe er es sich anders überlegt, weil er völlig erschöpft gewesen sei.

Baluchi ist unter anderem um die gesamten USA gelaufen und hat während einer sieben Jahre langen Fahrradtour 55 Länder besucht. Sein erklärtes Ziel ist es, sich für Weltfrieden und Einheit einzusetzen.

2003 bekam er in den USA Asyl, nachdem er in seinem Heimatland Iran wegen sogenannter prowestlicher und antiislamischer Aktivitäten festgenommen worden war. Unter anderem hatte er während des Ramadan tagsüber gegessen. Baluchi war seiner Anwältin zufolge anderthalb Jahre im Gefängnis, weil er sich mit Regimekritikern traf. Laut Küstenwache hat er inzwischen die US-Staatsbürgerschaft.

ulz/AP

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