Lawine am Mount Everest Gebirgsjäger bergen Leichen von 18 Bergsteigern

Das Erdbeben in Nepal hat eine Lawine am Mount Everest ausgelöst, mehr als ein Dutzend Kletterer wurden in den Tod gerissen. Mehrere Hundert Menschen sind noch auf dem Berg - die Zahl der Opfer könnte steigen.

Bergsteiger in einem Basislager auf dem Mount Everest (Archivbild)
REUTERS

Bergsteiger in einem Basislager auf dem Mount Everest (Archivbild)


Durch das verheerende Erdbeben im Himalaya hat sich auf dem Mount Everest eine Lawine gelöst und mehrere Menschen unter sich begraben. Indische Gebirgsjäger haben nach Angaben eines Militärsprechers die Leichen von 18 Bergsteigern geborgen. Ein Sprecher von Nepals Tourismusbehörde bestätigte den Tod von zehn Kletterern. Er sagte jedoch, dass die Zahl der Unglücksopfer noch steigen könne.

Der US-Amerikaner Daniel Mazur berichtete per Twitter, seine Gruppe sei nach Lawinenabgängen eingeschlossen und das Basislager schwer beschädigt worden. "Bitte betet für alle."

Der Rumäne Alex Gavan schrieb auf Twitter, dass sich auch am Mount Pumori, der ungefähr acht Kilometer vom Mount Everest entfernt liegt, eine Lawine gelöst habe: Auf dem Berg befänden sich "viele, viele" Menschen.

Die Lawine ist laut Angaben eines Mitglieds der Nepal Mountaineering Association zwischen dem Khumbu-Eisbruch, einer rund 600 Meter hohen Abbruchkante, und einem Basislager abgegangen. Offenbar sei das Camp, wo die meisten Bergsteiger ihr Lager aufschlagen, nicht getroffen. In zwei Zelten werden nach Angaben eines Sprechers der Tourismusbehörde Verletzte behandelt.

Derzeit ist Hauptsaison für Bergsteiger, die auf die höchsten Berge der Welt klettern. Tiku Gurung, der Vorsitzende einer Interessenvertretung von Sherpas, sagte der britischen Zeitung "The Telegraph", dass zwischen 700 bis 800 Kletterer am Berg seien. Der Sprecher der Tourismusbehörde geht von rund tausend aus.

Der belgische Bergsteiger Jelle Veyt hat nach eigenen Angaben ein Bild der Lawine aufgenommen, als er zufällig das Basislager am Mount Everest ("Ebc" steht für Everest Base Camp) fotografierte:

Während der Kletter- und Wandersaison im Frühling sind schätzungsweise 300.000 Besucher aus der ganzen Welt in Nepal. Nach dem Erdbeben spricht die Tourismusbehörde jetzt von einer "extremen Krisensituation". Die Zahl der Anrufe von besorgten Freunden und Verwandten, die sich nach ihren Angehörigen erkundigen, sei unüberschaubar.

Es sei schwer abzuschätzen, wie viele Tote es unter den Touristen gegeben habe - vor allem in der Region um den Mount Everest. Die Bergsteiger haben sich Angaben eines Sprechers der Behörde um das Basislager verteilt: "Es ist fast unmöglich, jeden von ihnen zu kontaktieren."

Das Beben um 11.56 Uhr lokaler Zeit habe die Stärke 7,6 bis 7,9 gehabt, sagte Lokbijay Adhikari, Chef des Geologischen Zentrums in Nepal. Die Nachbeben seien bis 5,5 stark gewesen.

Karte des US Geological Survey: Epizentrum nordwestlich von Kathmandu
DPA/ USGS

Karte des US Geological Survey: Epizentrum nordwestlich von Kathmandu

cst/Reuters/AP

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Trainspotter 25.04.2015
1. Wahnsinn
In Kathmandu sind hunderte Menschen bei dem Erdeben ums Leben gekommen, aber die reichen Touristen, die einen Berg besteigen, sind hierzulande wahrscheinlich wichtiger und die größere Katastrophe...
loeweneule 25.04.2015
2.
Zitat von TrainspotterIn Kathmandu sind hunderte Menschen bei dem Erdeben ums Leben gekommen, aber die reichen Touristen, die einen Berg besteigen, sind hierzulande wahrscheinlich wichtiger und die größere Katastrophe...
Nein, das sind sie nicht. Aber es sind ebenfalls Menschenleben. Sie betreiben hier das, was Sie anderen unterschwellig vorwerfen: Selektion.
doulos 25.04.2015
3. Wahnsinn
Zitat: "In Kathmandu sind hunderte Menschen bei dem Erdeben ums Leben gekommen, aber die reichen Touristen.." - ganz ruhig. Die Sache in Kathmandu wird an oberster Stelle berichtet. Jeder kann sich dann raussuchen, was ihn interessiert
kabian 25.04.2015
4. Es stimmt doch!
Zitat von TrainspotterIn Kathmandu sind hunderte Menschen bei dem Erdeben ums Leben gekommen, aber die reichen Touristen, die einen Berg besteigen, sind hierzulande wahrscheinlich wichtiger und die größere Katastrophe...
Leider stimmt ihre Behauptung wahrscheinlich. Wie beim Erdbeben in Thaiti wo vordringlich nach Touristen gesucht wurde, wird es hier wohl genauso sein. Gerade für Nepal ist bezeichnend.
fat_bob_ger 25.04.2015
5. Wenn Touristen
30.000 USD oder noch mehr dafür zahlen, dass sie einen Berg besteigen dürfen, dann sind sie ein Wirtschaftsfaktor und der Gastgeber ist zur Fürsorge verpflichtet. Was sollen den Gebirgsjäger in Kathmandu tun? Mittlerweile machen sich internationale Rettungsteams bereit, um ihren Beitrag zur Rettung zu leisten. Die dortigen Behörden sind momentan sowieso nur eingeschränkt handlungsfähig. PS: Der Tourismus sorgt für Aufmerksamkeit, die dann verstärkte Hilfsanstrengungen auslöst. In Ländern ohne Tourismus wird alleine gestorben, weil es niemanden interesssiert. Der Wiederaufbau wird ebenfalls durch den Tourismus gefördert.
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