Leah Reminis TV-Doku über Scientology Missbrauch, Schläge, Isolation

Unzucht mit Minderjährigen, Misshandlungen, Isolation von Kritikern: In einer achtteiligen TV-Doku über Scientology erhebt US-Schauspielerin Leah Remini schwere Vorwürfe. Auch zur Rolle von Tom Cruise als "Messias" äußert sie sich.


US-Schauspielerin Leah Remini ("King of Queens") ist auf Scientology nicht gut zu sprechen. Sie kann das gut begründen, denn sie war selbst Mitglied der Sekte, bis sie 2013 ausstieg. Seitdem kritisiert sie die Gemeinschaft heftig und ist mit ihr im Rechtsstreit.

Remini hat eine achtteilige TV-Dokumentation über die umstrittene Organisation produziert, deren erster Teil am Dienstag ausgestrahlt wurde: "Leah Remini: Scientology und die Folgen". Darin werden ehemalige Scientology-Mitglieder zu ihren Erfahrungen befragt. Anwälte der Sekte sollen bereits versucht haben, auf Verantwortliche beim TV-Sender A&E Einfluss zu nehmen, um eine Ausstrahlung zu verhindern. Offenbar vergeblich.

Am Dienstagabend lief die erste Folge. Darin wird die Sekte unter anderem mit folgenden Vorwürfen konfrontiert:

  • Es soll in den Reihen der Scientologen zu Fällen von Unzucht mit Minderjährigen gekommen sein, die nicht der Polizei gemeldet wurden. Ex-Mitglied Amy Scobee berichtete, sie sei mit 14 Jahren zu der Sekte gestoßen und von ihrem verheirateten Vorgesetzten missbraucht worden. Die "Kirche" sei darüber informiert worden, habe aber nichts unternommen.
  • Ein ehemaliger Scientology-Sprecher, Mike Rinder, fügte hinzu, die Sekte hege ein tiefes Misstrauen gegen die Justiz. "Scientology redet seinen Mitgliedern ein, dass das Justizsystem korrupt ist, dass es nichts dafür tut, Probleme zu lösen." Nur Scientology könne eine Lösung finden, "sogar für Kinderschänder".
  • Scientology-Chef David Miscavige soll sich Mitgliedern gegenüber aggressiv verhalten haben und übergriffig geworden sein. "Wenn du irgendetwas gesagt hast, was ihm nicht gefiel, ist er auf dich losgegangen. Als Mann liefst du Gefahr, geschlagen, verprügelt, niedergeschlagen oder gewürgt zu werden", sagte Ex-Mitglied Scobee.
  • Scientology setze auf systematische Entfremdung der Mitglieder von Familie und allen Menschen, die der Sekte kritisch gegenüberstehen. Scobee berichtete, sie sei im Jahr 2003 zur sogenannten Rehabilitation Project Force (RPF) versetzt worden - einer Abteilung für renitente und damit problematische Mitglieder. "Dort musst du hart arbeiten. Du must jedermann mit 'Sir' ansprechen. Es gibt keinerlei Kommunikation von außen oder nach außen." Sicherheitskräfte sollen kritische Mitglieder konkret davon abgehalten haben zu fliehen.
  • Prominente würden hofiert, um für Scientology zu werben. "Wir gingen bis zum Äußersten, um Celebrities glücklich zu machen", berichtete Scobee, deren Aufgabe es war, US-Schauspieler Tom Cruise - seit Jahren der exponierteste Vertreter der Sekte in der Öffentlichkeit - mit Scientologen zu umgeben. "Ich musste eine Haushälterin engagieren, ein Dienstmädchen, einen Koch. Sie wollten, dass er zu 100 Prozent bei Scientology ist."

Remini verlangt von Scientology 1,5 Millionen Dollar für den emotionalen und wirtschaftlichen Schaden, den sie während ihrer Mitgliedschaft erlitten habe. Dies könnte nur ein Teil der weitaus größeren Summen sein, die sie selbst in der Vergangenheit in die Organisation "investiert" hat. Bei der Online-Community "Reddit" antwortete "The RealLeahRemini" auf die Frage, wie viel Geld insgesamt sie an Scientology gezahlt habe: "Millionen."

Auf die Frage eines "Reddit"-Users, ob Tom Cruise "wirklich der Messias ist", schreibt Remini: "Für die 'Kirche' schon. Gemeindemitglieder glauben, dass er in Eigenregie den Planeten verändert, weil es das ist, was die 'Kirche' ihnen sagt."

Scientology tat die Forderung Reminis ab als "provokative Masche", um Aufmerksamkeit zu erlangen. Bei der Doku könne ohnehin nicht mehr herauskommen als eine "billige Reality-TV-Show einer Schauspielerin, die den Zenit ihrer Karriere vor zehn Jahren hatte".

Hier sehen Sie die Antwort Reminis auf diese Einschätzung der Scientologen:

ala



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