Absturz bei Abfangmanöver Fatale Linkskurve des Learjet-Piloten

Nach dem Crash eines Übungsjets bei einem Luftwaffenmanöver spricht vieles für einen Pilotenfehler der zivilen Maschine. Ersten Ermittlungen zufolge flog der Pilot eine Linkskurve zu eng. Dabei krachte er von unten in einen "Eurofighter".

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Abtransport von Wrackteilen: Ermittler rätseln über Ursache des Pilotenfehlers
DPA

Abtransport von Wrackteilen: Ermittler rätseln über Ursache des Pilotenfehlers


Berlin - Bei dem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Übungs-Learjet und einem "Eurofighter" der Luftwaffe über dem Sauerland handelt es sich nach ersten Ermittlungen um einen fatalen Fehler des Piloten der zivilen Maschine. Der Mann hatte am Montag laut mehreren mit den Ermittlungen vertrauten Insidern bei einem routinemäßigen Abfangtraining mit dem Learjet eine Linkskurve zu eng geflogen, dabei den Kampfjet von unten gerammt und war dann abgestürzt. Er und ein weiterer Insasse kamen dabei ums Leben.

Bei dem Crash wurde der "Eurofighter" ebenfalls stark beschädigt, verlor einen Flugaußentank, konnte aber trotzdem noch weiterfliegen und sicher landen. Der Pilot eines weiteren Kampfjets beobachtete die Szene aus sicherer Distanz von hinten und ist nun Zeuge für die weiteren Ermittlungen. Über die Details der Ermittlungen, die am Dienstag in Luftwaffenkreisen kursierten, berichtet auch die "Süddeutsche Zeitung". Trotz der recht klaren Hinweise leitete die Justiz gegen die beiden Piloten der "Eurofighter" routinemäßig ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein.

Einen Tag nach dem Unfall, bei dem die beiden Piloten der zivilen Maschine getötet worden sind, haben Ermittler den Vorfall weitgehend rekonstruiert. Die beiden "Eurofighter" flogen mit dem Learjet der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) ein Simulationsmanöver, das den Ausfall des Funks bei einer zivilen Maschine und die Hilfe beim Landen durch die "Eurofighter" nachstellt. Im Fliegerjargon nennt man das "die Identifizierung und visuelle Kontaktaufnahme sowie die anschließende Führung zu einem sicheren Landeplatz".

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Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Learjet kollidierte mit "Eurofighter"
Das Manöver zählt zu den Standards beim Pilotentraining: Einer der Kampfjets fliegt neben die zivile Maschine, gibt ihr mit Flügelbewegungen ein Zeichen, kommt dann dichter heran und leitet den Jet zum nächsten Flughafen. Hintergrund der Übung kann der simple Ausfall des Funkgeräts einer Maschine sein. Geübt wird das Manöver allerdings auch, um bei möglichen Entführungen die Landung eines Passagierjets mit den Kampfflugzeugen zu erzwingen. Spätestens seit dem 11. September gehört das Training des Abfangens deshalb fest zum Lehrplan aller Militärpiloten.

Bei der Übung am Montag war es kurz nach dem ersten Flügelwackeln zu dem folgenschweren Fehler gekommen, als einer der "Eurofighter" dem Learjet nach dem Näherkommen ein Signal für eine Linkskurve gab. Kenner sagten, der Pilot des Kampfjets habe das fatale Manöver des Learjets nicht mehr sehen können und sei von der Kollision überrascht worden. Aufgrund der Beschädigung an der Jet-Unterseite sprachen sie von Glück, dass der "Eurofighter" nicht auch abstürzte. Der Pilot sei geschockt und werde psychologisch betreut.

Bei der Luftwaffe wurde am Dienstag gerätselt, wie dem Piloten des GFD-Learjets ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Die Flugzeugführer der GFD gelten als extrem erfahren, viele von ihnen sind selber bei der Bundeswehr ausgebildet worden, sie kennen sowohl den militärischen als auch den zivilen Flugverkehr. Dass es ausgerechnet bei einer Routineübung wie dem Abfangmanöver zu einem solchen Unfall gekommen ist, kann sich bisher noch niemand erklären. Auch die Piloten der beiden Kampfjets haben nach Angaben der Luftwaffe große Erfahrung mit ihren Maschinen.

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insgesamt 89 Beiträge
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Alternator 25.06.2014
1. Und Quartettspieler sagen:
Der Eurofighter wurde in einer Linkskurve von unten getroffen, in der der Lear Jet ihm folgte. Kenner, die sage, aus dem Eurofighter konnte man den Lear Jet nicht sehen, haben recht. Unten ist der nämlich so oder so fensterlos. Und aus "Mein tolles Quartett der coolsten Buisnessjets" weiß ich, dass der Lear Jet nach oben keine Sicht bietet, der konnte den Eurofighter möglicherweise eerst sehr spät, wenn überhaupt sehen. Das riecht doch glatt nach einer Spur.
josseff 25.06.2014
2. Schuld sind immer die Toten
Zitat von sysopDPANach dem Crash eines Übungsjets bei einem Luftwaffenmanöver spricht vieles für einen Pilotenfehler der zivilen Maschine. Ersten Ermittlungen zufolge flog der Pilot des Jets eine Linkskurve zu eng. Dabei krachte er von unten in den Kampfjet. http://www.spiegel.de/panorama/learjet-absturz-im-sauerland-ermittler-gehen-von-pilotenfehler-aus-a-977282.html
Armselig der Untersuchngsbericht.
ratxi 25.06.2014
3. ...weil wir Menschen sind.
Zitat von sysopDPANach dem Crash eines Übungsjets bei einem Luftwaffenmanöver spricht vieles für einen Pilotenfehler der zivilen Maschine. Ersten Ermittlungen zufolge flog der Pilot des Jets eine Linkskurve zu eng. Dabei krachte er von unten in den Kampfjet. http://www.spiegel.de/panorama/learjet-absturz-im-sauerland-ermittler-gehen-von-pilotenfehler-aus-a-977282.html
Es scheint einfach ein trauriger Fehler zu sein, wie er nicht passieren darf, aber passieren kann; weil wir Menschen sind. Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen der Verunglückten. Und doch ist es grosses Glück im Unglück, dass kein Unbeteiligter zu Schaden kam...
PeBe123 25.06.2014
4. Realitaetsverweigerung
Auch wenn es in der Uebung vielleicht nicht vorgesehen ist, im realen Fall einer Entfuehrung muss man doch immer damit rechnen, dass der Pilot einer entfuehrten Maschine unvorhergesehene Manoever macht und entsprechend viel Abstand halten.
l/d 25.06.2014
5. Glaub ich nicht
Die Darstellung im Spiegel muss falsch sein, es kann nicht sein, dass der Pilot des Eurofighter den Piloten des Learjet durch Querruderfunktion ein Signal gab, eine Linkskurve einzuleiten und danach keine Sicht mehr auf das geleitete Flugzeug hatte. Wäre das der Fall, hätte der Eurofighter sofort ein Manöver fliegen müssen, um aus einem mögliche Bereich der Kollision herauszukommen. Da hat Spon wohl was falsch verstanden, es darf keine Formationsflüge ohne Sichtkontakt geben.
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