Lebensmittel Gammelfleisch-Skandal erfasst 50 Betriebe und Lager

Nach den jüngsten Gammelfleisch-Funden haben die Länder damit begonnen, sämtliche Kühlhäuser in Deutschland zu überprüfen. Nach Angaben der Bundesregierung stießen die Kontrolleure schon jetzt an 50 verschiedenen Standorten auf verdorbene Ware.


Troisdorf/Berlin - Die Bundesregierung versprach, härter durchzugreifen und das Thema jetzt auch EU-weit anzugehen. In Berlin kündigte der neue Verbraucher- und Agrarminister Horst Seehofer (CSU) an, er wolle mit den Bundesländern eine Verschärfung rechtlicher Vorgaben ausloten. "Ich werde mich ganz, ganz nachdrücklich um dieses Thema kümmern", sagte der Minister bei der Amtsübernahme im Ministerium.

Schlachter bei der Fleisch-Verarbeitung: Bisher keine Hinweise auf kriminelle Netzwerke
AP

Schlachter bei der Fleisch-Verarbeitung: Bisher keine Hinweise auf kriminelle Netzwerke

Seehofers Staatssekretär Gert Lindemann sagte, es sei eine "hundertprozentige Kontrolle" aller Kühlhäuser in Deutschland angelaufen. Nach einer Telefonkonferenz mit Vertretern aus den Bundesländern nannte er die Zahl von "etwa fünfzig" betroffenen Standorten. Dabei handle es sich zum Teil auch um Betriebe, die selbst mit nicht korrekter Ware beliefert worden seien.

In einigen Ländern sei die Kontrolle der Anlagen bereits abgeschlossen, so Lindemann - in anderen werde sie noch bis Ende kommender Woche dauern. Daher sei mit noch mehr Funden von verdorbenem Fleisch zu rechnen. Nicht den üblichen Standards entsprechendes Fleisch werde sofort beschlagnahmt. Eine Gesundheitsgefährdung für die Verbraucher bestehe nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht.

Berlin an Behörden: Bestraft mit voller Härte

Die Länder seien zudem dabei, einzelnen betroffenen Betrieben die EU-Zulassung zu entziehen, was jedoch nicht einfach machbar sei, erklärte Lindemann. Die Länder hätten zugesagt, rasch über neue Fälle zu informieren und für eine enge Koordination mit dem Bund sorgen zu wollen. Eine Übertragung der Fleischkontrollen auf den Bund sei nicht geplant und auch nicht sinnvoll.

Lindemann forderte die kommunalen Behörden sowie die Gerichte auf, bei Betrugsfällen den Strafrahmen für Bußgelder oder gar Freiheitsstrafen auszuschöpfen. Die Vorfälle erforderten keine weiche, sondern eine harte Reaktion. Nach übereinstimmender Meinung der Länder seien für den Betrug mit verdorbenem Fleisch Einzeltäter und nicht kriminelle Netzwerke verantwortlich. Die Fälle müssten aber dennoch ernst genommen werden und seien hoch kriminell, betonte der Staatssekretär.

In Troisdorf bei Köln wurde bereits der Chef eines Handelsbetriebes vorübergehend in Haft genommen, weil in dem Unternehmen falsch deklariertes, verdorbenes sowie verschimmeltes Fleisch lagerte.



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