Cannabis in den USA Wenn die Drogen-Labore explodieren

Seitdem Cannabis in einigen US-Bundesstaaten legal ist, häufen sich in Hobby-Laboren Explosionen und Brände. Auch Verletzte gab es schon. Wie die Gerichte damit umgehen sollen, ist noch unklar.

Haus in Puyallup (US-Bundesstaat Washington) nach einer Explosion (Archivbild): Bei der Herstellung von Haschischöl wurde hochentzündliches Butan verwendet
AP/ Central Pierce Fire and Rescue

Haus in Puyallup (US-Bundesstaat Washington) nach einer Explosion (Archivbild): Bei der Herstellung von Haschischöl wurde hochentzündliches Butan verwendet


Nicht jeder hat das Zeug zum Walter White: Wer "Breaking-Bad"-mäßig sein eigenes Drogenlabor im Schrebergarten unterhält, sollte wenigstens ein Mindestmaß an Chemiekenntnissen mitbringen. Dass das nicht bei allen Hobby-Züchtern und Drogenköchen der Fall ist, zeigt die steigende Zahl von explodierten Häusern und brandverletzten Menschen in den USA, die mit der Herstellung von Haschischöl zusammenhängt.

Wie die "New York Times" berichtet, hat sich die Zahl dieser Detonationen im Bundesstaat Colorado innerhalb eines Jahres von 12 auf 32 erhöht. In Colorado ist der Kauf und Konsum von Marihuana seit Anfang 2014 legal, der Staat verdient durch die zusätzlichen Steuereinnahmen seitdem kräftig mit. Auch andere Bundesstaaten wie Florida, Illinois und Kalifornien berichten von ähnlichen Unfällen.

Der Grund für die Brände: Die Freizeit-Köche wollen das psychoaktive und potente Haschischöl produzieren, in dem der Wirkstoff THC besonders hochkonzentriert enthalten ist. Bei der Herstellung werden Hanfpflanzen zerkleinert und in einen Extraktor gegeben, der mit Butangas gefüllt wird. Doch genau das ist tückisch, denn Butan ist hochentzündlich und kann schnell Brände und Explosionen auslösen.

In Colorado haben sich so mehrere Menschen schwer verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden, Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört. Das bereitet Anwälten und Gerichten dem Bericht zufolge Kopfschmerzen, da es aufgrund der neuen Rechtslage noch unklar ist, wie man mit den Schäden und Geschädigten umgehen soll. "Das ist unbekanntes Gebiet", zitiert die "New York Times" den Abgeordneten Mike Foote aus Colorado. "Diese Dinge passieren zum ersten Mal, und daher hat sich damit bislang noch niemand auseinandergesetzt."

Marihuana-Konsum: Amerikas Kiffer-Paradiese
DER SPIEGEL

Marihuana-Konsum: Amerikas Kiffer-Paradiese

Brände durch überheizte Lampen

In Deutschland stehen Herstellung, Erwerb und Verkauf von Haschisch weiterhin unter Strafe. Von Bränden, die im Zusammenhang mit der Herstellung der Droge stehen, gibt es nur vereinzelte Berichte. Diese sind dann mitunter auf Stromprobleme - etwa durch überheizte Lampen oder durchgeschmorte Kabel - zurückzuführen, da die Pflanzen beleuchtet werden müssen, damit sie wachsen.

Ausnahmen gibt es hierzulande nur für eine kleine Gruppe von Menschen: Arzneimittel auf Cannabis-Basis dürfen hergestellt und Schwerkranken von einem Arzt auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben werden. Die meisten Krankenkassen lehnen die Kostenübernahme aber ab, sodass die Betroffenen das Apotheken-Gras meist selber zahlen müssen. Im Jahr 2014 hatte das Kölner Amtsgericht allerdings entschieden, dass es für die Schwerkranken nicht zumutbar ist, so viel Geld auszugeben - sie dürfen Cannabis daher im Eigenanbau herstellen. Gegen das Gerichtsurteil wiederum hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Berufung eingelegt. Die Begründung: Im Eigenanbau könne der Wirkstoffgehalt von Cannabis stark variieren und sei daher das qualitativ mit Abstand schlechteste Arzneimittel.

MEDIZINISCHES CANNABIS - FRAGEN AN DIE EXPERTIN

hei

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GoaSkin 18.01.2015
1. gibt es denn in Amerika keine Sicherheitsvorschriften?
Irgendwie ist es absurd, dass die Legalisierung von Cannabis zu einem Brandschutzproblem wird. In Deutschland ist vielleicht die Herstellung von Cannbis-Öl verboten, aber die Herstellung eigener Lebensmittel gewiss nicht. Trotzdem kann man sich nicht so einfach sein Salatöl aus dem Grünzeug, das im Garten wächst, mit selbst gebauten, provisorischen Geräten herstellen. Das würde als grob fahrlässig gelten; keine Versicherung im Schadensfall dafür aufkommen und eine saftige Strafe geben, wenn man dabei erwischt wird. Darum räuchert und extrahiert hierzulande auch niemand selbständig, ohne TÜV-geprüfte Geräte zu nutzen und Ahnung davon zu haben, was er macht. Warum ist das in Amerika ein Problem?
Untertan 2.0 18.01.2015
2. Gefahrstoffverordnung
Es ist doch klar: wer ein chemisches Labor betreiben will, muss die nötige Ausbildung vorweisen und sich an die entsprechenden Schutzverordnungen halten. Wer sein Butan in einem nicht explosionsgeschützen Kühlschrank lagert... nun ja...
dborrmann 18.01.2015
3. Die Preise für medizinisches Cannabis
sind in Deutschland exorbitant hoch. Es ist ist zigfach teurer als Cannabis auf dem Schwarzmarkt oder in NL. Insofern sollte Cannabis nun wirklich freigegeben werden, zumal die erheblich schädlichere Droge Alkohol auch frei ist.
p1lle 18.01.2015
4. Mangel an Kompetenz
Ich finde es erschreckend wie wenig sich, allem Anschein nach, der Autor informiert/recherchiert hat. Ich kann bei aller Güte nicht verstehen ,geschweige denn akzeptieren,das die nötigen Chemiekenntnisse zum Meth kochen hier in einen Vergleich gezogen werden mit der Produktion von Haschöl. butangas ist gefährlich!aber wer damit nicht umgehen kann wird auch ein Campingkocher in die Luft jagen. Das extrahieren von Essenzen mithilfe von druck(hier butangas) gehört zu den sichersten,schnellsten und banalsten Methoden. Es ist immer wieder erschreckend wie schnell meine Laune sinkt sobald ich spiegel online Aufrufe. Ich möchte keine "Zeitung" lesen um mich stets aufzuregen. Meth kochen ist etwas komplett anderes. Wir wollen doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, nicht wahr? Liebste Grüße aus dem grauen Berlin
tkwm 18.01.2015
5.
Die laienhafte Aufbereitung von Cannabis mit Butan birgt nicht nur die Gefahr sich hübsch in die Luft zu sprengen - Butan ist schwerer als Luft, sammelt sich selbst bei Durchzug in Bodennähe und kann so noch längere Zeit nach der Extraktion wums machen - Butan ist auch ein ein Ozonkiller. Das Butan welches verwendet wird kommt aus Campinggaskartuschen und ist _technisches_ Gas, d.h. es besteht nur zu 70% aus Butan, der Rest sind hauptsächlich leicht flüchtige Substanzen der gleichen Stoffklasse wie Butan, aber eben auch ein paar nette (Schwer-)Metalle. Nein danke. In industriellem und _legalem_ Massstab wird Butan oder überkritisches CO2, vergleichbar dem entkoffinieren, in geschlossenen Systemen verwendet. Auch die Extraktion mit anderen verfügbaren Lösungsmitteln wie Alkohol oder Benzol sind für den Hobbiesten oder Freizeitchemiker eher uneffektiv, zu aufwendig und gefährlich im Vergleich zu Methoden der physikalischen Extraktion (Sieben) oder Fettextrakten (zB. in Sesamöl). Alles medizinisch natürlich
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.