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Leichenhandel: Neue Dokumente belasten von Hagens

Dokumente des SPIEGEL belegen, dass er seit mindestens zwei Jahren über Exekutionsopfer in seinem chinesischen Unternehmen informiert war.

  Aussteller von Hagens: Seit Jahren in der Kritik
DPA

Aussteller von Hagens: Seit Jahren in der Kritik

Berlin - Auf seine Bitte, ihm Vorschläge zur Optimierung der Arbeitsabläufe zu unterbreiten, hatte am 6. Februar 2002 ein Mitarbeiter aus der Leichenmanufaktur in Dalian empfohlen, für "Management und Lagerung von Körpern" ein "Verantwortlichkeits-System" einzuführen. Eine "spezielle Behandlung" sei bei "speziellen Körpern" notwendig, wie den "frisch gespendeten und den exekutierten Körpern".

Bei seinem Versuch, den Vorwurf zu entkräften, in seiner Firma seien auch Hingerichtete verarbeitet worden, hatte der Erfinder der Leichenschau "Körperwelten" am vorigen Donnerstag erklärt, er selbst habe solche Leichen nie präpariert. Er könne aber nicht ausschließen, dass dies ohne sein Wissen in seinem chinesischen Präparationsbetrieb geschehen sei.

Ein anderer Vorgang in Hagens' Totenreich widerspricht ebenfalls der These vom angeblich Getäuschten, dem Exekutierte womöglich "untergeschoben" worden sein könnten. Ein Bediensteter, der im Verdacht stand, für ein anderes Unternehmen zu arbeiten, und deshalb gehen sollte, drohte im Sommer 2002 damit, "die Herkunft der frischen Leichen" publik zu machen. Die Anregung eines Abteilungsleiters, dem Abtrünnigen - wie verlangt - noch mehrere Monate Geld zu zahlen, offenbar um ihn ruhig zu stellen, beantwortete Hagens persönlich: "Ich bin absolut einverstanden."

Bei einer erneuten Inventur seines chinesischen Leichenlagers wurden jetzt nach Hagens' Angaben sieben Tote "mit Kopfverletzungen" entdeckt. Auch wenn eine Kugel im Kopf "noch kein Beweis für eine Exekution" sei, will der Schöpfer der "Körperwelten" die verdächtigen Leichname einäschern lassen.

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