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Letizia von Spanien: Die Eisprinzessin

Aus Madrid berichtet

Letizia von Spanien: Bitte lächeln! Fotos
REUTERS

Ausgerechnet eine Bürgerliche ist dem Volk fremd geblieben: Als moderne, junge Frau sollte Prinzessin Letizia den spanischen Hof durchlüften, doch sie gilt als unterkühlt und überheblich. Gelingt ihr als Königin die Imagepolitur?

Vielleicht hätte Letizia Ortiz selbst über die Abdankung des spanischen Königs berichtet, wenn sie sich nicht verliebt hätte. Sie war Fernsehjournalistin, als sie vor elf Jahren Spaniens Thronfolger Felipe kennenlernte. Ihre Karriere endete mit der Hochzeit, und damit begann ein anderes Leben in der Öffentlichkeit. Eines, in dem es nicht nur darum geht, die Zuschauer zu fesseln, sondern die Herzen der Bürger zu wärmen. Und genau darin liegt das Problem.

Prinzessin Letizia gilt als unterkühlt, fast arrogant. Ihr Mann Felipe wird am Donnerstag zum Monarchen ausgerufen, spätestens ab diesem Zeitpunkt wird sie an ihrer beliebten Schwiegermutter Sofía gemessen werden, der bisherigen Königin. Sofía wirkt warmherzig, ihr Lächeln echt. Sie nahm ihre Pflichten gegenüber den Bürgern ernst und füllte ihre Rolle als Landesmutter eisern aus, selbst wenn König Juan Carlos immer wieder den Don Juan gab.

Letizia, 41, hatte keine außerehelichen Affären, sie hat keine Gelder veruntreut wie ihr Schwager, sie hat keine Elefanten gejagt wie ihr Schwiegervater. Sie ist - sehr zum Stolz der Klatschpresse - schön und elegant. Sie könnte so perfekt sein, seufzen die bunten Blätter, wäre da nicht diese kalte Ausstrahlung, die Letizia bei öffentlichen Auftritten umgibt: "Warum kann sie nicht so ein sonniges Gemüt haben wie Máxima?"

Selbst die Tageszeitung "El Mundo" bescheinigte ihr vor Kurzem eine "Aura der Überheblichkeit". Als dieselbe Zeitung im Januar nach der Beliebtheit der Mitglieder des Königshauses fragte, landete Letizia auf dem vierten Platz - noch hinter König Juan Carlos. Nur die Hälfte der Befragten gab an, sie zu mögen.

"Lass mich mal ausreden"

Dabei begann alles so vielversprechend. Als Thronfolger Felipe seine neue Freundin 2003 der Öffentlichkeit vorstellte, jubelten viele über diese erfrischende junge Frau. Sie war 31 Jahre alt, berufstätig, selbstbewusst, erfolgreich.

Letizia hatte als Reporterin über den Untergang der "Prestige" vor der galizischen Küste berichtet und über die Invasion im Irak. Sie präsentierte die Abendnachrichten für den Sender TVE. Sie war die Prinzessin aus dem Fernsehstudio, die zugleich die Sorgen der normalen Bürger kannte. Sie hatte keine Eliteschulen besucht und fuhr einen Gebrauchtwagen.

Prinz Felipe schmachtete seinen Eltern von dieser Frau vor und setzte die Beziehung mit der Geschiedenen gegen den Widerstand seines Vaters durch. Was für eine Romanze!

Als Letizia damals mit Felipe vor Fernsehkameras über ihre Verlobung sprach, fuhr sie ihm über den Mund: "Lass mich mal ausreden." Bei einem Empfang stöckelte sie zu einem Klatschreporter und fuhr ihn an: "Sieh mir in die Augen! Sehe ich etwa traurig aus?" Großer Aufschrei, so was darf doch eine künftige Königin nicht.

Aber Letizia war eben nicht devot. Dass Selbstkontrolle fortan zu ihrer neuen Rolle gehören sollte, musste sie lernen. Permanent beobachtet zu werden, habe ihr zugesetzt, sagen Vertraute über diese erste Zeit. Ihre Hosenanzüge musste sie gegen Kleider und Kostüme tauschen, ihren Wohnsitz in das Gästezimmer der Königsresidenz verlegen, wo sie bis zur Hochzeit die Geschichte der Bourbonen und Benimmregeln büffelte.

Die Hipster-Königin

Sie ist, sagen spanische Journalisten, noch immer eine Frau, die deutlich sagt, was sie denkt - nur eben hinter den Palastmauern. In Porträts wird Felipe als ausgeglichen und ruhig beschrieben, sie als leidenschaftlich und spontan. Neulich wurde sie sogar zur "Hipster-Königin" ausgerufen, weil sie Konzerte von Indie-Gruppen besucht. Sie geht ins Kino und trägt Röhrenjeans. Sie setzt eigene Schwerpunkte, engagiert sich für Bildung und Innovation. Vielleicht liegt für die Spanier genau hier das Problem: dass Letizia so viel sein könnte, aber von öffentlichen Auftritten nur der Eindruck der Eisprinzessin bleibt.

Wenn ein Könighaus eine "Firma" ist, wie die britische Queen zu sagen pflegt, könnte Letizia das Produkt für die junge, urbane Zielgruppe sein. Doch das Produkt will sich einfach nicht verkaufen.

Für die PR-Abteilung des Königshauses ist das Problem über die Jahre so groß geworden, dass 2012 ein neuer Kommunikationschef eingestellt wurde - Berichten zufolge mit dem Ziel, die Prinzessin menschlicher erscheinen zu lassen. Seither liest man öfter, dass Felipe und Letizia ihre beiden Töchter gerne selbst zur Schule bringen, dass sie eine "ganz normale Familie" sein wollen und dass manchmal die Omas auf die Kinder aufpassen.

Dennoch hat das Projekt "Letizia neu erfinden" bislang eher mäßigen Erfolg. Nun dürfte es wiederbelebt werden. Denn der Druck steigt mit der neuen Rolle als Königin, die Erwartungen sind hoch. Vielleicht muss sie Volk und Klatschpresse tatsächlich Zugeständnisse machen und: lächeln lernen.

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1. optional
eudaf_hen 18.06.2014
Die Spanier wären gut beraten diese Bourbonen-Mischpoche in diesen schlechten Zeiten zum Teufel zu jagen.
2. optional
eudaf_hen 18.06.2014
Die Spanier wären gut beraten diese Bourbonen-Mischpoche in diesen schlechten Zeiten zum Teufel zu jagen. "ihrer beliebten Schwiegermutter Sofía" Beliebt? Da hörte ich von Spaniern aber etwas anderes.
3. Liegt auch an der Rolle der Monarchie in Spanien
andreu66 18.06.2014
Spanien ist eine noch immer tief gespaltene Nation. Die Institution Monarchie hat hier keine integrierende Funktion, auch wenn z.B. Prinz Felipe recht beliebt ist. Die angesprochene Zielgruppe der jungen und modernen Spanier denkt republikanisch. Diese kann Letizia nicht gewinnen, anderseits darf sie die rechtskonservativen Monarchisten nicht verschrecken.
4. Charakter
karend 18.06.2014
Zitat von sysopREUTERSAusgerechnet eine Bürgerliche ist dem Volk fremd geblieben: Als moderne, junge Frau sollte Prinzessin Letizia den spanischen Hof durchlüften, doch sie gilt als unterkühlt und überheblich. Gelingt ihr als Königin die Imagepolitur? http://www.spiegel.de/panorama/letizia-von-spanien-portraet-der-kuenftigen-koenigin-a-975747.html
Eine "Imagepolitur" ist nur erfolgreich, wenn diese authentisch ist. Letizia wirkt unterkühlt; das mag viele Gründe haben und ist vielleicht nur Teil ihres Wesens, ohne dass sie wirklich unterkühlt sein mag. Solange sie nur eine Rolle spielt, statt diese Rolle in ihr Leben/ihrem Charakter nach zu integrieren, wird es nichts.
5. Vielleicht sollte sie mal diese komische Sonnenbrille abnehmen
kumi-ori 18.06.2014
Zitat von sysopREUTERSAusgerechnet eine Bürgerliche ist dem Volk fremd geblieben: Als moderne, junge Frau sollte Prinzessin Letizia den spanischen Hof durchlüften, doch sie gilt als unterkühlt und überheblich. Gelingt ihr als Königin die Imagepolitur? http://www.spiegel.de/panorama/letizia-von-spanien-portraet-der-kuenftigen-koenigin-a-975747.html
Mit dieser Brille erinnert sie mich irgendwie an einen südamerikanischen Caudillo. Ansonsten haben sich Monarchien überlebt, auch wenn Juan Carlos das große Verdienst zufällt, nach dem Ableben Francos die Demokratie gegen den Willen der Militärs durchgesetzt zu haben.
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Fotostrecke
Spaniens künftiger König Felipe: Rebellische Tante

Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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