Letzte Ruhestätte Moshammer wird neben seiner Mutter beigesetzt

Rudolph Moshammer soll neben seiner Mutter Else zur letzten Ruhe gebettet werden. Freunde des in seiner Wohnung erdrosselten Modemachers wollen die Trauerfeier in einem Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof organisieren. Derweil befürchten homosexuelle Politiker, der Mord an Moshammer könne eine Schmutzkampagne um Münchens Schwulenszene auslösen.


Rudolph Moshammer: Gewaltsames Ende eines Lebens für die Öffentlichkeit
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Rudolph Moshammer: Gewaltsames Ende eines Lebens für die Öffentlichkeit

München - Die Grabstätte hatte Moshammer 1993 eigens für seine Mutter errichten lassen. Frühestens Ende der Woche soll dort die Trauerfeier für Rudolph Moshammer stattfinden. Nach Informationen der Münchner "Abendzeitung" wollen enge Freunde des Ermordeten die Beisetzung organisieren. Noch heute wollten sie Details besprechen. Ein ehemaliger Bekannter Moshammers sagte dem Blatt: "Es gibt zwar entfernte Verwandte, aber mit denen hatte Mosi gebrochen. Diese Entscheidung respektieren wir und übernehmen deshalb auch die Organisation der Trauerfeier." Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche bereits freigegeben.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll bei der Trauerfeier Moshammers Lieblingsmusik zu hören sein: Der "Pilgerchor" aus Richard Wagners "Thannhäuser" sowie Ballettmusik von Peter Tschaikowsky. Geplant sei ein üppiger Blumenschmuck, der in Moshammers Lieblingsfarbe Rosa gehalten sein werde. Die Leiche des Modeschöpfers soll laut dem Blatt in den nächsten Tagen in der Pathologie einbalsamiert und dann offen aufgebahrt werden.

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Rudolph Moshammer: Trauer um den Modezaren

Wie der Präsident des Amtsgerichts München, Gerhard Zierl, heute mitteilte, hat Moshammer sein Testament beim Amtsgericht München hinterlegt. "Wir haben zwei notarielle Dokumente in amtlicher Verwahrung, die aber noch nicht eröffnet wurden", so Zierl. Die Eröffnung werde sobald wie möglich vorgenommen. "Derzeit wartet das Nachlassgericht, ob nicht noch weitere Testamente auftauchen oder von der Polizei in Moshammers Haus gefunden werden."

Gegen den mutmaßlichen Mörder Moshammers ist derweil Haftbefehl erlassen worden. Wie die Polizei in München mitteilte, wurde der 25-jährige Iraker Herisch A. gestern Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Zuvor hatte der Mann gestanden, Moshammer in der Nacht zum Freitag in dessen Villa in Grünwald bei München mit einem Kabel erdrosselt zu haben. Laut Aussage des Irakers habe Moshammer sich geweigert, die vereinbarten 2000 Euro für seine sexuellen Dienste zu bezahlen. Die Staatsanwaltschaft geht von "heimtückischem Mord aus Habgier" aus. Herisch A. war schon zwei Tage nach dem Verbrechen durch eine DNS-Analyse überführt worden. Er lebt seit 2002 in München, wo er als Koch in einem Münchner Lokal arbeitet. Der 25-Jährige hat nach eigenen Angaben eine Freundin und ist nicht homosexuell.

Der homosexuelle Münchner Stadtrat Thomas Niederbühl befürchtet nach der Klärung des Mordes an Rudolph Moshammer in den Medien eine Schmutzkampagne um die homosexuelle Szene der Stadt. Die Ausbreitung der "dunklen und geheimen Seite" Moshammers werde "viele Vorurteile gegenüber Homosexuellen bestärken", sagte der Vertreter der "Rosa Liste" im Stadtparlament und Geschäftsführer der Münchner Aidshilfe.

Moshammer sei aber "ganz und gar nicht typisch" für die Schwulen in München gewesen, betonte Niederbühl. "Er war eine absolute Ausnahmefigur." Der Ermordete habe sich nie offen zu seiner sexuellen Ausrichtung bekannt und ein Doppelleben geführt. "Ich bedauere es sehr, dass er nicht den Mut gehabt hat, zu seinen Gefühlen zu stehen. Er hätte dann ein einfacheres Leben haben können", betonte der Schwulen-Aktivist.

Gar nicht verstehen könne er aber, warum sich Moshammer seine Sexualpartner am Straßenstrich besorgte. "Stricher sind oft selbst gar nicht schwul, sondern nur hinter dem schnellen Geld her", kritisierte der Aidshilfe-Chef und fügte hinzu: "Wenn sich Moshammer einen professionellen Callboy gerufen hätte, wäre ihm wahrscheinlich nichts passiert." Und auch in der offenen Schwulen-Szene Münchens herrsche kein Mangel an kostenlosem Sex.

Nach Einschätzung Niederbühls leben in München mindestens 80.000 Homosexuelle. Die Stadt habe ihren früheren Ruf als "schlimmster Ort Deutschlands" für Schwule längst abgelegt. Das Klima habe sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. "Heute zählt München bundesweit zu den attraktivsten Städten für Homosexuelle", betonte Niederbühl.



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