Hamburg - Die Wimpern sind stark getuscht, die roten Lippen glänzen. Der glamouröse Sari und der funkelnde Schmuck lenken nicht vom perfekt geschminkten Gesicht der Moderatorin ab. In der "Late Night Show mit Begum Nawazish Ali" interviewt Ali Salim jede Woche prominente Gäste. Der 28-Jährige ist bisexuell, die kokette Witwe Begum Nawazish Ali seit eineinhalb Jahren sein Alter Ego.
Obwohl er mit seiner provokanten Sendung sämtliche Tabus im konservativen Pakistan bricht, wurde Salim nie von islamischen Fundamentalisten attackiert, berichtet die "New York Times". Dabei lehnt der traditionelle Islam gleichgeschlechtliche Beziehungen ab. Schwule und lesbische Pakistanis haben kaum Möglichkeiten, ihre Orientierung auszuleben.
Dass seine Show oft wegen der anstößigen Inhalte kritisiert wird, stört den Fernsehstar nicht. Er plaudert mit den Berühmtheiten Pakistans und Indiens, darunter auch Top-Politiker. "Senatoren fragen sogar an, ob sie in die Show kommen dürfen", sagte er der "New York Times". Mit den männlichen Gästen flirtet Begum Nawazish Ali was das Zeug hält, mit den Frauen wetteifert "sie", wer besser aussieht. Doch egal ob es um Politik, Demokratie oder den neusten Klatsch geht – ihre Fragen sind hartnäckig und bohrend. Offen kritisiert sie zum Beispiel die Rolle des regierenden pakistanischen Militärs.
Eine echte Frau könnte sich niemals erlauben, was Salim sich erlaubt. Auch als verheiratete Frau dürfte er nicht auftreten – deren Tugendhaftigkeit ist für die Familienehre entscheidend. Bei einem als Witwe verkleideten Mann scheint die Sache anders auszusehen. Salims Theorie für seine Popularität: Pakistan ist offener, als alle glauben. Tatsächlich werden im urbanen Teil Pakistans westliche Standards mehr und mehr akzeptiert – obwohl das Fernsehen niemals Nackte zeigen würde. Mit Medieninhalten ist Pervez Musharraf toleranter als alle seine demokratischen Vorgänger. In Salims Show war der pakistanische Präsident jedoch noch nicht.
Salim sagt, er sei stolz darauf, kritische Themen in die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Pakistan habe keinen Nationalhelden mehr: "Wir lassen weder Individuen leben noch Institutionen blühen. Wir sind eine repressive, kranke Gesellschaft und überall herrscht Negativität. Ich stehe für alles Positive", äußerte er vor einem Jahr in einem Interview mit dem pakistanischen Nachrichtenmagazin "Newsline". Doch durch die Talkshow verwirklichte er auch einen lang gehegten Traum. "Seit meiner Kindheit war ich Feminist und glaube, dass Frauen den Männern überlegen sind. Die Begum ist ein Ausdruck von mir als Frau. Sie gehört der Oberschicht an, ist sehr süß, sogar zickig." Als Kind habe er es geliebt, die Kleider seiner Mutter zu tragen. "Sie war mein Rollenbild." Salims Eltern sehen seinen unkonventionellen Beruf gelassen. "Sie wissen: Was auch immer ich tue, ich werde wegen meines Geschlechts damit durchkommen."
jmk
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