Von Marc Pitzke, New York
New York - Der plötzliche Tod des Modells gibt Rätsel auf: Nach einem Bericht des Fernsehsenders CBS wurden im Hotelzimmer in Florida, in dem Smith gestern kollabiert war, illegale Drogen und verschreibungspflichtige Medikamente gefunden. Eine Autopsie soll noch heute Aufschluss über die Todesursache geben.
Die Ermittlungen sind noch nicht mal abgeschlossen - da beginnt hinter den Kulissen der Kampf um den Nachlass. Schon das letzte Jahrzehnt des Lebens von Anna Nicole Smith war eine juristische Seifenoper. Erbstreitigkeiten, Vaterschaftsklagen, Gerichtsermittlungen zum plötzlichen Tod ihres 20-jährigen Sohnes. Doch wer glaubt, die juristische Schlacht um das Ex-Playmate komme jetzt endlich zur Ruhe, der irrt. Wahrscheinlich wird es schlimmer als je zuvor.
Seit 1995 stritt Smith vor Gericht um das Erbe ihres Mannes, des Öl-Milliardärs J. Howard Marshall. Er war nach nur 14 Monaten Ehe im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Vermögen belief sich auf 1,6 Milliarden Dollar.
Smith beanspruchte die Hälfte. Marshalls Sohn E. Pierce Marshall focht das an. Der Fall ging bis zum Obersten US-Gerichtshof. Er verwies ihn im Mai 2006 zurück an ein Bundesgericht, das die Erbsumme zuvor auf 88 Millionen Dollar reduziert hatte.
Der Fall ist dort immer noch anhängig. Auch E. Pierce Marshall starb im vergangenen Jahr - seine Witwe ließ gestern aber ankündigen, sie werde das Verfahren gegen jedweden Erben von Anna Nicole Smith aufrechterhalten.
DNA-Probe von der Toten
Doch wer Anna Nicole Smith beerben und womöglich Anspruch auf die Millionen haben wird, das ist sowieso nicht so einfach zu sagen. Smiths Sohn Daniel starb im September 2006 an einer Überdosis Medikamente. Tochter Dannielynn war erst drei Tage zuvor geboren worden - sie ist jetzt fünf Monate alt und befand sich während des Todes ihrer Mutter auf den Bahamas, angeblich in Obhut einer Freundin von Smith.
Schon für heute ist in Florida eine gerichtliche Eilanhörung anberaumt, um das Sorgerecht für das Baby zu klären. Als Vater in Dannielynns Geburtsurkunde - also auch als rechtlicher Vormund - ist Smiths Lebensgefährte Howard Stern eingetragen: ihr langjähriger Anwalt, dem sie voriges Jahr auf einem Katamaran vor den Bahamas das (legal nicht bindende) Ja-Wort gab. Ein Ex-Freund, der Paparazzo-Fotograf Larry Birkhead, hat aber ebenfalls Vaterschaftsklage eingereicht: Er sei der wahre Vater von Dannielynn.
Bis zu ihrem Tod hatte sich Smith einem Vaterschaftstest verweigert. Am Mittwoch - einen Tag vor ihrem Tod - ordnete ein Richter aber an, dass Smith, Stern und Birkhead DNA-Proben abgeben müssen, um die Vaterfrage zu klären.
Birkheads Anwältin Debra Opti erklärte gestern, die Sache nun verschärft vorantreiben zu wollen. Smiths DNA-Probe könnte bei oder nach ihrer Obduktion entnommen werden.
Wer ist der Vater?
Sollte sich Stern als Vater herausstellen, bekäme er wahrscheinlich das Sorgerecht für Dannielynn zugesprochen. Er wäre damit auch ihr juristischer Vertreter in dem andauernden Marshall-Erbschaftsstreit.
Smiths Schwester Donna Hogan, die nach eigenen Angaben zum letzten Mal "vor zehn Jahren" mit Smith persönlich gesprochen hat, drohte gestern allerdings an, ein Sorgerecht für Stern unter allen Umständen verhindern zu wollen. Er sei ein schlechter Einfluss in Smiths Leben gewesen. Smiths Familie wolle nun das Baby großziehen.
Stellt sich Birkhead als Vater heraus, könnte er gerichtlich das Sorgerecht zugesprochen bekommen - und damit die Verwaltung eines potentiellen Millionenerbes. Offen ist freilich, was geschieht, wenn sich keiner der beiden als der biologische Vater von Dannielynn erweist.
All dies könnte aber sowieso von einem Testament Smiths aufgehoben werden. Bisher ist nicht bekannt, ob Smith überhaupt ein Testament hinterlassen hat. Hinzu kommt die Frage der bisher ungeklärten Todesursache Smiths. Ein Selbstmord oder, schlimmer noch, ein Mord könnte die Geld- und Lebensversicherungsfrage komplizieren.
"Ich habe keinen Zweifel daran, dass jemand das Erbe im Namen des Kindes beanspruchen wird", sagte gestern Eric Brunstad, der Anwalt für die Marshall-Erben. "Die Frage ist, wer."
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