Von Claudia May
Paris - "Balenciaga ist schon lange tot, ebenso wie Coco Chanel, Gianni Versace, Hubert de Givenchy oder Emanuel Ungaro", schrieb das "Handelsblatt" am 25. Januar dieses Jahres. Givenchy? Der Modeschöpfer wäre wohl recht erstaunt gewesen, hätte er die Nachricht von seinem Ableben gelesen. Denn noch ist er ziemlich lebendig - und feiert seinen 80. Geburtstag.
Eigentlich sollte der am 20. Februar 1927 im französischen Beauvais geborene Givenchy Jurist werden, erfährt man auf der Internetseite seines Modehauses. Zum Glück für die Modewelt besuchte er jedoch mit zehn Jahren die Weltausstellung in Paris – und verbrachte Stunden im Pavillon der großen Couturiers. Der Sohn eines Verwaltungsbeamten beschloss Designer zu werden, studierte an der Akademie der Schönen Künste in Paris und eröffnete 1952 seinen ersten eigenen Salon.
Dann folgte der Schock für alle verwöhnten Luxus-Designer: Statt auf teure Materialen wie Seide, Kaschmir und Damast setze Givenchy bei seiner ersten Kollektion auf billige Stoffe. Seine Mannequins defilierten in Abendgarderobe aus Baumwolle über den Laufsteg. Das war keineswegs Kalkül - Givenchy fehlte in jungen Jahren schlicht das Geld.
Das änderte sich bald, denn die illustren Kundinnen zeigten sich von der schlichten Eleganz der Designerstücke begeistert, allen voran die Schauspielerin Audrey Hepburn. "Sie gestand mir, dass sie sich in meine Kleider verliebt hatte", schrieb Givenchy über seine Freundin. Die zierliche Actriz bestand darauf, in ihren Filmen nur noch Kostüme des Couturiers zu tragen. Dafür gab es sogar eine extra Klausel in ihren Verträgen. Auch Grace Kelly und Jacqueline Kennedy trugen den Pariser Chic des Modeschöpfers.
Rekordpreis für das "kleinen Schwarze"
Die wohl berühmteste seiner Kino-Kreationen ist das "kleine Schwarze", das Hepburn in dem Filmklassiker "Frühstück bei Tiffany" trug. Givenchy fertigte es aus schwerem italienischem Satin. Es ist das teuerste Stück französischer Schneiderkunst, das bisher im Londoner Auktionshaus Christies unter den Hammer kam. Rund 600.000 Euro zahlte ein anonymer Telefonbieter letztes Jahr für das 42 Jahre alte Filmkleid. Dazu kamen noch knapp 100.000 Euro Gebühren. Die unbekannte Besitzerin muss grazil gebaut sein - Hepburn trug Konfektionsgröße 34 und hatte einen Taillenumfang von nur 60 Zentimetern.
Für Givenchy war Hepburn nicht nur eine betuchte Kundin, sondern eine enge Freundin. Diese Freundschaft wurde auf die Probe gestellt, als der Schneider femininer Eleganz sein erstes Parfum auf den Markt brachte. Er kreierte es eigens für Hepburn, die sich dann wenig begeistert zeigte, als er den Duft 1957 kommerziell vermarkten wollte. "C'est interdit!" - "Das ist verboten!" soll die Schauspielerin entgeistert gerufen haben. Givenchy machte sich den Ausruf zunutze und nannte sein Parfum "L'Interdit" - "Das Verbotene". Hepburn verzieh ihm.
Givenchy wurde nicht müde, immer neue Kreationen auf den großen Modenschauen vorzustellen. Er liebte klassisches Schwarz, aber auch grelle Farben, schmückte seine eleganten Roben mit Blumenmustern und kreierte übergroße Hüte. 1973 hatte er auch ein Einsehen mit der Männerwelt und stellte seine erste Herrenkollektion "Gentleman Givenchy" vor.
Passionierter Gärtner und Architekt
Der Grandseigneur blieb bis 1996 Chefdesigner und ging erst nach 43 Schneiderjahren in den Ruhestand, auch wenn er bereits 1988 sein Couture-Haus an den französischen Luxusgüter-Konzern Louis Vuitton Moët Hennessy verkaufte.
Der Naturliebhaber widmete sich fortan der Ausgestaltung seiner Anwesen in Touraine und Cap Ferrat. "Er geht nicht viel aus, liebt die Kunst und seinen Garten", sagte der aktuelle Kreativdirektor des Modehauses Riccardo Tisci in einem Interview mit dem Magazin "Vogue". Der Altmeister der Haute Couture soll nach einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" sogar geholfen haben, den Gemüsegarten von Sonnenkönig Ludwig XIV. in Versailles zu restaurieren.
Trotz seiner zeitaufwendigen Hobbys griff Hubert de Givenchy vor wenigen Monaten dann doch noch einmal zum Design-Stift. Diesmal entwarf er allerdings keine Prêt-à-Porter-Kollektion, sondern das neue Design der französischen Valentins-Briefmarken 2007: Fünf Kleine Herzen umschlungen von verfremdeten Zweigen, ganz im Stil der Modernen Kunst. Givenchy bleibt eben auch mit 80 Jahren ein zeitloser und kreativer Künstler.
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