SPIEGEL: Frau Berger, Herr Verhoeven, Sie sind seit 41 Jahren verheiratet. Wie erklären Sie sich, dass Sie geschafft haben, woran so viele andere scheitern?
Verhoeven: Wenn wir das wüssten. Ich bin immer erstaunt, dass es schon 41 Jahre sind. Für mich hat die Ehe mit der Senta etwas Selbstverständliches - nicht in dem Sinne, dass sie zur Gewohnheit geworden ist, sondern dass sie zu meinem Leben gehört. Ich hätte gern, dass die Zeit, die uns noch bleibt, viel langsamer vergeht.
SPIEGEL: Wie hat es angefangen, war es Liebe auf den ersten Blick?
Berger: Ja.
Verhoeven: Aber der erste Blick war der zweite, denn wir kannten uns ja schon von früher, von diesen Berlinale-Festen. Unsere Bekanntschaft begann mit einem fulminanten Streit um Fellinis Film "Achteinhalb". Es ging darum, wie gut oder nicht gut wir den Film fanden. Ich mochte ihn sehr, Senta konnte nichts mit ihm anfangen.
Berger: Ich war sehr "gescheitig" damals, würde ich sagen, ein Wort, das ich mir ausgedacht habe für diese Phase, durch die ich damals gegangen bin. Ich kam aus Österreich und hatte eigentlich recht wenig Ahnung, hatte sehr viel Theater gespielt bis dahin, aber kaum Filme gemacht. Aber ich hatte eine sehr dezidierte Meinung zu allem.
Berger: Durchs Fenster, weil die Tür in meinem alten Auto klemmte. Wir haben uns so furchtbar gestritten, dass es förmlich gesprüht hat. Und dass dieses Sprühen und Funkeln auch noch einen anderen Grund hatte, das war mir klar.
Verhoeven: Dir war das klar?
Berger: Ja. Und dann haben wir uns, ich glaube zwei, drei Jahre gar nicht gesehen. Ich habe aber immer bei unserer gemeinsamen Agentin nachgefragt: "Und was macht eigentlich der junge Verhoeven so?" Ich war interessiert, obwohl ich mittlerweile gebunden war an einen anderen jungen Mann, und der Michael war auch gebunden. Dann haben wir uns wieder gesehen am Set, und ich war sehr angezogen von diesem Mann, der überhaupt nicht mein Typ war.
Verhoeven: Du warst schon mein Typ.
Berger: Er hat mich sehr beschäftigt.
SPIEGEL: Was hat Sie angezogen? Die Eigenständigkeit?
Berger: Das hat mich beeindruckt. Es hat mir imponiert, dass da ein junger Mann ist, der ganz genau weiß, was er will, in welche Richtung er geht, der alles dafür macht. Ich wusste bereits aus den Erzählungen, dass er sich mit seiner Familie fast überworfen hatte wegen dieses Medizinstudiums, das er ganz allein finanzierte. Da war diese Zielstrebigkeit, gepaart mit so viel Spielerischem, was der Michael einfach immer hatte und auch heute noch hat. Da war diese Erwartung ans Leben und diese selbstverständliche Gewissheit, das Glück zu finden. Das alles habe ich ganz stark bei ihm gespürt. Und er war natürlich - das ist er heute immer noch - unglaublich charmant und witzig, im Sinne von geistreich.
Verhoeven: Jetzt setzt du mich unter Druck.
Berger: Nein, das ist ja das Peinliche an so einem Gespräch, in dem man zu erklären versucht, woraus sich diese große Wirkung zusammensetzt, die dieser Mann auf mich hat und hatte. Es ist halt nie langweilig mit ihm, ganz im Gegenteil, es ist anstrengend mit ihm.
SPIEGEL: Gehört Streit dazu?
Berger: Ja, auch, natürlich. Was ist überhaupt ein Streit? Ist ein Streit, wenn man sagt: "Du Arschloch!"? Das gibt es bei uns nicht. Da bin ich immer erstaunt, wenn bei lang verheirateten Paaren Kräche so ausarten. Das wäre bei uns vollkommen undenkbar.
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