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14.09.2007
 

Abstieg eines Superstars

Britneys Tanz auf dem Scheiterhaufen

Mit ihrem schmerzhaft peinlichen Auftritt beim Musiksender MTV erreichte Britney Spears' Karriere einen neuen Tiefpunkt. Die US-Autorin Rebecca Traister analysiert den Abstieg des Ex-Stars und erklärt, warum wir Spears' Debakel so schaurig-fasziniert verfolgen.

Los Angeles - Man möchte kaum glauben, dass es tatsächlich noch etwas über Britney Spears zu sagen gibt. Aber genau so ist es - leider. Spears ist mittlerweile ein Symbol für etwas geworden, das immer wieder seine hässliche Fratze zeigt. An ihrem Beispiel wird die Verachtung deutlich, die unsere Kultur für Frauen ihres Schlages empfindet: Wenn sie jung sind, werden sie gehätschelt und hochgesext, nur um sie wenig später runterzumachen und abzustrafen. Natürlich repräsentiert Spears auch die jugendlich-weibliche Bereitschaft - sei's nun aufgrund von Dämlichkeit oder Manipulation - genau dieser herabsetzenden Erwartungshaltung zu entsprechen.

Am vergangenen Wochenende war bei den MTV Awards zu besichtigen, was mit Spears geschehen ist - und was sie aus sich gemacht hat. Es fiel nicht ganz leicht, sich das anzuschauen. Es war ein fulminantes Beispiel dafür, wie viel boshafte Befriedigung man aus der peinlichen Selbstdemontage eines suchtkranken, unkontrollierbaren, menschlichen Wracks mit postnatalen Depressionen zu ziehen vermag. Genauso traurig ist es allerdings, dass die junge Musikerin nicht das geringste Interesse daran zu haben scheint, diesen Zustand zu beenden.

Seit mehr als einem Jahr dauert die vom Boulevard chronistisch begleitete Abwärtsspirale nun schon an. Dazu gehörten Gerüchte über Alkohol- und Drogenmissbrauch, ein von einer Schädelrasur gekrönter Nervenzusammenbruch, ein paar Reha-Stippvisiten, Besuche vom Jugendamt und jede Menge genitale Entblößung. MTV sah es also an der Zeit, sein jährliches "Video Music Awards"-Spektakel (VMA) mit einer Comeback-Eröffnungsnummer der 25-Jährigen an den Mann zu bringen.

Warum man das für eine gute Idee hielt, übersteigt meinen Horizont. Sicher, einst war dieses Event Schauplatz eines medialen Coups, als eine jüngere, vitalere Spears mit Madonna auf Zunge knutschte - letztere selbst eine VMA-Veteranin, die sich in grauer Vorzeit einen Namen mit Kopulationstrockenübungen in Brautstaffage auf just dieser Bühne gemacht hatte.

Aber jene schlagzeilenträchtigen Auftritte waren eingebunden in perfekt ausgeführte, aufs i-Tüpfelchen inszenierte Musikchoreografien, eigens erdacht, um clevere Popmusik ansprechend zu präsentieren. Hätte es irgendein Anzeichen dafür gegeben, dass es Spears mit einem Comeback ernst ist, irgendeine Verlautbarung, dass ihr neuer Song musikalische Exzellenz aufweist, nur das geringste Indiz, dass sie ausreichend vorbereitet war, auf die Bühne und vor ein Millionenpublikum zurückzukehren - dann wäre dieser Auftritt eine gute Idee gewesen.

Die Zuschauer wollten sehen, wie sich Spears zum Affen macht

Doch jedem, der im Supermarkt die Schlagzeilen von Trash-Magazinen scannt, musste bewusst sein, was Spears in den vergangenen Wochen getrieben hatte: Sie trank, sagte ein Duett mit ihrem Ex ab (dem ungleich erfolgreicheren Justin Timberlake), heulte in aller Öffentlichkeit, lieferte sich Gefechte mit ihren entfremdeten Eltern (die Spears als Kind ins Pop-Fegefeuer schmissen und sich jetzt als ums Wohl der Spears-Söhne besorgte Großeltern gebärden) und hatte Dates mit einem extrem schmierigen "Magier" namens Criss Angell.

Jeder, MTV und Britney Spears inklusive, war sich dieser Tatsachen bewusst. Niemand konnte ernsthaft der Meinung sein, Spears würde das zeigen können, was früher ihren Erfolg ausmachte: eingängigen Pop und einen Live-Auftritt, bei dem sie körpergestählt minutiös getimte Tanznummern lieferte.

Spears wurde von MTV als Lockstoff für Zuschauer angeheuert, die sehen wollten, wie sie sich zum Affen macht. Und sie war willige Komplizin dieser öffentlichen Zurschaustellung: Ganz offensichtlich hatte sie sich nicht vorbereitet, nicht mal den Text ihres Songs auswendig gelernt, nicht die Tanzschritte, die sie ausführen sollte.

Spears' Vorstellung war unterirdisch. Angetan mit einem unvorteilhaften Glitzer-Bikini, stolperte und wackelte sie über die Bühne, guckte dabei orientierungslos und verwirrt drein. Während des Großteils der Performance bewegte sie sich kaum, dann trottete sie zaghaft über die Bühne, um sie herum wirbelten derweil ihre Tänzer. An die Worte des Songs, zu dessen Playback sie die Lippen bewegte, erinnerte sie sich kaum und entschloss sich schließlich, das auch nicht mehr vorzutäuschen.

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Ich bin solidarisch mit BS. Sie ist ein Opfer dieser Welt! Berühmt geworden durch eine ehrgeizige Mutter die ihren eigenen Kindheitstraum nachholen wollte, berühmt geworden über Nacht, ein Weltstar- dann der Sturz ins [...] mehr...

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