SPIEGEL: Wer so gern über Krankheiten nachdenkt, könnte es ja mal mit Vorbeugen versuchen. Treiben Sie Sport?
Schmidt: Nein. Nur Physiotherapie wegen meines Rückens. Ich litt in kürzer werdenden Abständen unter Hexenschuss. Meine Muskeln waren einfach unterentwickelt. Bei Winter-Olympia in Turin sagte mir die Physiotherapeutin des Deutschen Skiverbandes: Wenn ich jetzt nicht anfange, bin ich in zehn Jahren Schrott. Das war kurz, prägnant, sympathisch. Jetzt gehe ich dreimal pro Woche in eine Praxis und übe.
SPIEGEL: Sind Sie der Typ Gesundernährer und Zerealien-Sortierer?
Schmidt: Friss nicht so viel und beweg dich! Mehr ist es nicht. Das habe ich bei den Mayr-Kuren gelernt. Der Mann war österreichischer Arzt. Sein Schlüsselerlebnis beim Flanieren über die Weiden seiner Heimat: Kühe haben nach dem Stuhlgang ein kaum verschmutztes Rektum. Deshalb kann ich SPIEGEL-Lesern nur zurufen: Ihr ernährt euch falsch, wenn ihr nach dem Stuhlgang ein stark verschmutztes Rektum habt!
SPIEGEL: Mayr ist unter Profis umstritten.
Schmidt: Wenn Ihnen einer sagt, dreimal wöchentlich hilft ein heißes Hufeisen im Genick - und es hilft tatsächlich, dann ist doch alles andere egal. Ich bin Mayr-Enthusiast, weil ich die Wirkung an mir selbst gespürt habe. Es ist ganz schlicht. Zum Beispiel: Zweimal in der Woche das Abendessen weglassen und viel frische Luft. Als Erstes lernt man den Unterschied zwischen Hunger und Appetit. Als Büromensch hat man ja keinen Hunger mehr, allenfalls Bock auf was. Aber wenn ich mal Lust auf Speck zum Frühstück habe, dann gönn ich mir auch das. Ich wachse aus dem Vorbeugewahn langsam raus. Mein neues Motto: Lebensqualität geht vor -dauer.
SPIEGEL: Wirkt ein bisschen wie Ihre Fernsehkarriere: Ein exotischer Drehort ist Ihnen heute wichtiger als die chronische Penetration des Publikums aus einem Studio in Köln-Mülheim heraus.
Schmidt: Auch da ist die Parallele: Je gelassener man sich dem Fernsehen widmet, umso länger sendet man. Abgesetzt werden immer nur die Kontrollfreaks und Allesmacher. Ich gehe jetzt entspannter durchs Leben, lässiger und - entschleunigt.
SPIEGEL: Ist Ihr neuer Showpartner Oliver Pocher Symptom einer tiefsitzenden Schmidt-Krise oder deren Therapie?
Schmidt: Er ist die Zukunft. Ein Raab mit schönen Zähnen.
SPIEGEL: Beobachten Sie an sich schon Alterserscheinungen? Bandscheibe, Prostata …
Schmidt: … nichts …
SPIEGEL: … Potenz …
Schmidt: Ho, ho, ho! Ich wäre froh, das würde endlich ein bisschen abebben. Nee, nee. Als 50-Jähriger sind Sie heute ja - Everest-technisch gesprochen - auf dem Sattel zum Gipfel. Allenfalls schon zurück im Basislager. Man weiß es ja selbst nicht so genau. Jedenfalls sehr weit oben.
SPIEGEL: Ihr Lieblingstod ist noch immer ein sauberer Herzinfarkt?
Schmidt: Betonung auf sauber. Bitte keine Rückholung in den Dämmerzustand, wo man dann auf dem Sofa wehrlos Opfer einer zweiteiligen SPIEGEL-TV-Dokumentation wird. Danke!
SPIEGEL: Jemals Selbstmordpläne durchgespielt?
Schmidt: Nein, und ganz egal, was passiert - Suizid wird für mich nie in Frage kommen. Allenfalls die Entscheidung, erfolglose Therapien zu beenden.
SPIEGEL: Haben Sie schon ein Testament?
Schmidt: Ja, mein Testament ist gemacht. Im Erbrecht bin ich mittlerweile außerordentlich firm.
SPIEGEL: Gibt’s ein Leben nach dem Tod?
Schmidt: Für mich auf jeden Fall. Da es gemäß den Zehn Geboten aber nicht erlaubt ist, sich davon ein Bild zu machen, muss ich mich nicht weiter drum kümmern.
SPIEGEL: Herr Schmidt, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führten Norbert F. Pötzl und Thomas Tuma. Das ausführliche Interview lesen Sie im soeben erschienenen SPIEGEL Special "Gesund & Glücklich".
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