Von Dennis Kayser
Los Angeles - Draußen rattert ein Polizeihubschrauber übers Haus, drinnen hockt Britney Spears. Sie hat sich mit ihren zwei Kindern in ihrer Villa verbarrikadiert. Der Vater solle sie nicht bekommen, erklärt sie der Polizei später. Erneut werden so die beiden Söhne Jayden James, 1, und Sean Preston, 2, die eigentlich bei Spears' Ex-Mann Kevin Federline leben und nur ab und an zu Besuch bei ihrer Mutter sein dürfen, zu Leidtragenden eines Konflikts zweier unreifer Erwachsener.
Seit Monaten schon tobt ein erbitterter Sorgerechtsstreit zwischen den einstigen Partnern. Und Spears' Chancen auf ihren Nachwuchs scheinen mit jedem verstrichenen Gerichtstermin, jedem Blechschaden im Delirium oder anderen hochprozentigen wie glitschigen Skandalen kleiner und kleiner zu werden. Was durchaus ein Grund sein mag, weshalb ihr gestern Abend nun alle Sicherungen durchbrannten.
Wie das tmz.com schreibt, hämmerten Cops vom Los Angeles Police Department stundenlang gegen Spears Tür, forderten sie auf, endlich die Kinder herauszugeben. Zwei Rettungswagen bahnten sich ihren Weg durch die versammelten Bewohner der Prominentensiedlung "The Summit" im kalifornischen Studio City. Der Lärm, die Schreie haben die Menschen auf die Straße getrieben, vor Britneys Adresse, wo sich, laut tmz, "eine höllische Szenerie" abspielte.
Sicher glaubten einige der Schaulustigen an das Schlimmste. Erst vor wenigen Wochen noch hatte ein US-Radiosender in einem Höreraufruf, der in puncto Geschmacklosigkeit seinesgleichen suchte, 1000 Dollar Preisgeld versprochen, für denjenigen, der den Tag von Britneys Selbstmord errät. Die öffentliche Hinrichtung der einstigen Pop-Prinzessin ist längst zum medialen Massaker ausgeartet.
Mit ein bisschen bösem Willen, konnte man gar eine Spur Enttäuschung aus den Worten einiger US-Reporter heraushören, die später vom stabilen Gesundheitszustand der 26-Jährigen berichteten. Spears gehe es gut, hieß es. Allerdings, so triumphierte das US-Magazin "People" in seiner Internetausgabe, habe Britney auf dem Weg ins Cedars-Sinai Medical Center befremdlich beseelt von ihrer Trage gelächelt, als stünde sie "unter dem Einfluss einer unbekannten Substanz".
Britney Spears, das wandelnde Desaster, der größte Fettnapf Amerikas, gilt schließlich als zuverlässigste Skandal-Lieferantin der Showbranche. Je aufgedunsener die Britney, desto teurer die Fotos. Mit welchem Genuss auf die Sängerin zum Teil eingedroschen wird, mag unfassbar sein.
Ebenso unbegreiflich scheint jedoch, warum sie so zielstrebig von einer Katastrophe in die nächste taumelt. Trotz Verwarnungen, weil sie ihre Kinder unangeschnallt im Auto fahren lässt, mit Kippe in der Hand, das Fläschen gibt, oder einfach nur desorientiert, saufend, kahlgeschoren durchs Leben wankt. Die "New York Post" ließ sich sogar schon zu der Weissagung hinreißen, Spears wäre nicht einmal geeignet ein Meerschweinchen zu hüten, geschweige denn ihre eigenen Kinder.
"Nach diesem Freakout wird sie ihre Kids endgültig verlieren", ätzte jüngst Promiblogger Perez Hilton im Internet. Und er könnte mit seiner Prognose sogar Recht behalten. Wie das Klatschmagazin "OK!" in seiner Internetausgabe berichtet, erteilte das Gericht Spears ein Ultimatum, nachdem sie vergangenen Mittwoch bereits zum fünften Mal eine gerichtlich angeordnete Anhörung im Sorgerechtsprozess hatte verstreichen lassen.
Ein herber Schlag
Sollte sie noch einmal der Sitzung fernbleiben, so schreibt "OK!", wird Kevin Federlines Anwalt Mark Vincent Kaplan mit Erfolg um das alleinige Sorgerecht für seinen Mandanten bitten. Ein herber Schlag. Obwohl auch diese Drohung Spears kaum merklich beeindruckt haben dürfte. Zwar erschien sie einen Tag später zum anberaumten Termin - jedoch mit zweistündiger Verspätung.
Hat sie denn niemand, der ihr mal den Kopf wäscht?, fragt man sich da. Die Antwort ist einfach: Nein, hat sie nicht. Alle Vertrauten wurden von Spears entweder gefeuert oder vergrault. Vor zwei Tagen legten ihre Anwälte das Mandat nieder, Spears Cousine Allis Simpson, die gleichzeitig als Britneys Assistentin tätig war, nahm ihren Hut, wurde wieder eingestellt, um später erneut die Kündigung zu empfangen. Sprechern, Managern, sogar der eigenen Mutter Lynn, ehemals Spears engste Beraterin, zeigte die Sängerin die kalte Schulter.
Die letzte Freundin an Spears' Seite blieb ihre Schwester Jamie Lynn. Jedenfalls bis vor Kurzem. Angeblich habe auch Britney Spears von der Schwangerschaft der 16-Jährigen, wie jeder gemeine Fan, aus der Zeitung erfahren, was sie sehr getroffen haben soll. Wie "OK!" berichtet, ist nun allerdings endgültig der Ofen aus, da sich nun ausgerechnet ihre Mutter Lynn und Ex-Mann wie Erz-Feind Kevin Federline angeboten haben sollen, den Teenager bei der Erziehung seines Babys zu unterstützen.
Es scheint, als sei der gefeierte Popstar von einst inzwischen eine sehr einsame und unglückliche Frau.
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