Von Insa Moog
Das Topmodel-Halbfinale im TV geht in die Werbepause. Da die spannendste Frage - welches der Mädchen fliegt heute raus? - nach fünf Minuten geklärt war, wird die Sendezeit mit einer hastig inszeniert wirkenden Männerversion des Formats gefüllt: Schnellcasting mit männlichen Models.
Zunächst aber: Werbung. "Da ist Alex!", sagt Jiri. Der durchtrainierte Dunkelhaarige, der sich mit einer Kollegin für Shampoowerbung im Sand räkelt, ist ein Kumpel von ihm. "Der ist einer von den Großen. Komisch, dass die den für so einen Spot nur in der Nebenrolle nehmen." Lilo hat noch nie von Alex gehört. "Die Zeit der Topmodels ist eh' vorbei", meint Jiri. "Mit Namen kennt man sich nur noch in der Branche und von Jobs", sagt Jiri.
In der Show dürfen die Mädels zeigen, was sie von Scharfrichterin Klum gelernt haben, sie machen auf Jury, bewerten die männlichen Kollegen. "Und jetzt flirte Jenny an", wird einer aufgefordert. Jennifer lehnt ungelenk am Tisch, flirtwillig sieht sie nicht aus. Der Mann in Hotpants ist unsicher, seine Hand fährt verlegen Richtung Schritt. "Deine Hand ist ja wohl total deplaziert", herrscht ihn die sonst so scheue Christina vom Jurytisch aus an.
"Ist doch nur bei der Prostitution so"
Einige der Männer-Models sind schmalbrüstig, andere überladen mit massiven Muskelsträngen. "Die wollen es richtig, das sieht man denen an", meint Jiri. "Der ist so ein Bulle, in Designer-Anzüge passt der überhaupt nicht mehr." Jiri gibt dem Jüngling aus Bayern keine große Chancen. "Die wirklich Großen würden bei dieser Farce wahrscheinlich sofort 'rausfliegen. Hier geht's ja nur um Drama."
"Fehlende Selbsteinschätzung ist bei den meisten eh' das größte Problem", ergänzt Lilo. "Jungs müssen einfach Typen sein, gutes Aussehen reicht nicht. Cool müssen die sein. Bei Mädels ist es schon so, 90-60-90."
Jiri stimmt zu. "Weibliche Models erkennt man an der Figur, Männer nicht unbedingt." Dabei ist das Model-Business eine der weniger Branchen, in denen Frauen im Vergleich zu Männern mehr als das Doppelte verdienen. "Ist doch sonst eigentlich nur bei der Prostitution so" - Jiri kann damit leben.
Gewicht 55 Kilo: "Für Paris müsste ich abnehmen"
Ob's mit der großen Karriere schließlich klappt, ist nach Meinung der beiden eher Glückssache. Lernen könne man Modeln nicht, das Laufen vielleicht. "Das ist eben gegeben, du musst Glück haben mit dem Aussehen", sagt Jiri. Er sieht Lilo an. "Du bist ja eher der Katalogtyp. In Mailand wirst du nie laufen." Lilo nickt. "Und für Paris müsste ich fünf Kilo abnehmen." Die 18-Jährige wiegt bei einer Körpergröße von 1,76 55 Kilo.
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