Stuttgart - Sex-Aufklärer Oswalt Kolle will Rentnern zu mehr Gelassenheit bei der körperlichen Liebe animieren: "Die Lust wird im Alter nicht weniger. Viele alte Menschen trauen sich nur nicht, sich mit Präparaten wie Viagra helfen zu lassen", sagte der Publizist den "Stuttgarter Nachrichten".
Kolle sprach sich dafür aus, dass Alterssexualität in der Gesellschaft akzeptiert wird. "Viele Alte setzen sich selbst unter Druck. Die Frauen denken, sie sind nicht mehr attraktiv genug, die Männer sehen Sex als Leistung", sagte er.
Doch auch die jüngere Generation mache das Thema zum Tabu. Der Publizist riet jüngeren Menschen ebenfalls zu mehr Gelassenheit. Viele hätten Probleme damit, wenn ihre Eltern und Großeltern sexuell aktiv seien, sagte er.
Wenn es nach ihnen ginge, sollten Oma und Opa auf einer Parkbank versonnen Rilke zitieren, so Kolle, dessen Autobiografie "Ich bin so frei - Mein Leben" am Montag im Rowohlt Verlag erscheint.
Kolle, 1928 als Sohn des Psychiaters Kurt Kolle in gutbürgerlichen Verhältnissen groß geworden, machte nach dem Krieg Karriere als Boulevard-Journalist. In den sechziger und siebziger Jahren wurde er durch Aufklärungsbücher und Filme zum Wegbereiter der sexuellen Revolution. Am 2. Oktober feiert er seinen 80. Geburtstag.
jjc/AP/ddp
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