SPIEGEL ONLINE: Herr Klocke, warum zeigen Sie auf dem aktuellen Tournee-Plakat so viel nackte Haut? Muss jetzt schon Comedy über Sex verkauft werden?
Piet Klocke: Richtig. Comedy ist am Ende. Wir können nur noch über Sex punkten.
SPIEGEL ONLINE: Das Quasi-Nacktfoto gibt ein Geheimnis preis: Ihre Arme sind braun, Ihr Körper ganz blass. Sind Sie zu schüchtern, um ins Freibad zu gehen?
Klocke: Absolut. Ich zeige ungern was von mir. Die Arme sind deshalb so braun, weil ich dienstags und samstags in zwei Hobby-Mannschaften Fußball spiele. Als größenwahnsinniger Fan trage ich dann zum Beispiel Trikots von Zinedine Zidane.
SPIEGEL ONLINE: Piet Klocke im Trikot von Zinedine Zidane: Ist das Comedy?
Klocke: Das ist einfach nur Verehrung. Zidane ist einer der besten Spieler der letzten Jahre. Er ist kein Egomane. Der sieht sich als Teil der Mannschaft und stellt das schöne Spiel in den Mittelpunkt. Ich bin total fußballverrückt, ein großer BVB-Fan. Auch im Fernsehen gucke ich mir jeden Scheiß an. Sogar die Spiele der U 17 in Afrika, wenn ich Zeit habe. Meine Trikots sind übrigens eine ganz eigene Geschichte. Die gehört gar nicht hierhin.
SPIEGEL ONLINE: Doch, doch.
Klocke: Ich frage manchmal Leute mit guten Kontakten, ob sie mir von Top-Spielern ein Trikot mit Unterschrift besorgen. Da war zum Beispiel ein junger Mann von 1860 München, den habe ich auf Zinedine Zidane angesetzt. Der Briefträger hatte mir gerade das Paket gebracht, da wechselte Zidane den Verein. Genau so war es bei D'Alessandro. Als der bei Wolfsburg spielte, habe ich um ein Trikot gebeten. Kaum hatte ich das, ging der Argentinier nach England. Mittlerweile will mir keiner mehr ein Trikot schicken, aus Angst, der Klocke holt denen die besten Leute aus dem Verein.
Klocke: Zweiter deutscher Schülermeister! Gummersbach, letzter Siebenmeter! Dankeschön. Werde ich nie vergessen.
SPIEGEL ONLINE: Litten Ihre schulischen Leistungen unter dem Sport?
Klocke: Ja. Ich konnte mich nie konzentrieren. Außerdem war unser Erdkundelehrer derjenige, der die auswärtigen Turniere organisierte. In Doetinchem. Richtig tolle Sachen, mit Mannschaften aus Schweden und überall her. Die Halle in Doetinchem war eigentlich eine Markthalle für den Viehhandel. Mit Betonboden. Für die Turniere wurden ein paar Linien auf den Boden gemalt. Dann hieß es: Jungs, fangt an! Hier ist die Flöte! Wenn du auf Beton einen Fallwurf machst, prägt das die Knochen für das ganze Leben. Deswegen lache ich mich immer über Fußball kaputt. Auf Rasen zu fallen ist super easy.
SPIEGEL ONLINE: Wurde Ihre Abiturnote den späteren Auftritten als Professor gerecht?
Klocke: Schrecklich! Drei Komma irgendwas. Das war unter aller Kanone. Dabei wollte ich doch Psychologie studieren. Dann hat man mir einen Studienplatz in Gießen angeboten. Ich bin runter gefahren, um mir das mal anzuschauen. Als ich hörte, wie die da sprechen, bin ich gleich wieder nach Hause gefahren. Bald darauf habe ich mich in Bonn für Germanistik und Philosophie eingeschrieben. Einfach nur, damit ich krankenversicherungstechnisch meine Ruhe hatte. Auch die Mensa war lecker, weil da so viele Diplomatentöchterchen herumliefen. Ach ja, das sind alles so Geschichten. Die hat ja jeder auf Lager.
SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Homepage sieht man Sie mit langen, lockigen Haaren. Wem trauern Sie mehr hinterher: den Locken oder der guten alten Zeit?
Klocke: Da bin ich gar nicht nachtrauernd. Ich erinnere mich nur gern an die sogenannte wilde Zeit, in der man sich die Hörner abstößt und Erfahrungen fürs Leben macht. Geblieben ist die Erkenntnis, dass mir nicht viel passieren kann. Ich habe damals wie heute den Humor und die Musik als Arzneimittel gegen die Unbill des Lebens.
SPIEGEL ONLINE: Das neue Bühnenprogramm heißt "Das Leben ist schön - gefälligst!" Warum dieser Befehlston?
Klocke: Seien wir ehrlich: Verglichen mit früheren Programmen wie "HipHop für Angestellte" habe ich diesmal beim Titel versagt. Das können Sie gern schreiben: Gehen Sie nicht hin! Der Titel ist schlecht!
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich gar nicht bemüht?
Klocke: Und wie! Ausgehend von den Fotos in der Häkelwäsche hatte Simone Sonnenschein die geniale Idee, das Programm "SMS to Lagerfeld" zu nennen. Dann sagte mir aber jemand: Du musst den Lagerfeld fragen, ob Du seinen Namen verwenden darfst.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ihn getroffen?
Klocke: Ich kann ja schlecht ins Telefonbuch gucken: Karl Lagerfeld, Rüttger-Schmittke-Weg 5, Paris. Das läuft alles über sein Büro. Eine Freundin konnte die Nummer organisieren. Mein Anruf in Lagerfelds Büro war wieder was zum Verfilmen. Ich musste Englisch sprechen, habe mir einen abgebrochen und gesagt: Ich bin ein Komödiant aus Deutschland. Ist denn der Meister da?
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie durchgestellt worden?
Klocke: Ich hörte nur Gebrabbel, dann kam dieselbe Dame wieder ans Telefon und sagte: Der Meister ist in China. Ich sagte: Haben Sie mein Fax bekommen? Da fing sie an zu meckern: Was ist denn das für Kleidung? Ich sagte: Ja, Komödiant aus Deutschland! Wie sehen Sie denn die Chancen, dass wir das Programm "SMS to Lagerfeld" nennen dürfen? Näh, sagte sie, ich glaube nicht, dass der Meister da zustimmt.
SPIEGEL ONLINE: Und dann kam "Das Leben ist schön - gefälligst!"?
Klocke: Entweder fällt dir ein guter Titel sofort ein oder gar nicht. Länger als zehn Minuten lohnt sich das Überlegen nicht. Das ist ja immer so: Wenn man irgendwas unbedingt will, wird das nix. Wenn ich mir vornehme, heute ganz besonders gut Fußball zu spielen, steht es schon 2:0 für den Gegner.
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Das ist auch meine Meinung. Habe ihn zuletzt im vorigen Jahr bei "Neues aus der Anstalt" gesehen - für mich der dilletantischste Auftritt in der Geschichte dieser Sendung. Lobenswert, daß er im Gegensatz zu vielen [...] mehr...
Piet ist der Größte!Falls er mal geistlichen Beistand brauchen sollte - ich stelle mich ihm sehr gerne zur Verfügung. Joerg-U. - rausgemobbter ehem. Pfarrer mehr...
Als Piet Klocke das erste Mal vor vielen Jahren im Fernsehen bewusst von mir wahrgenommen wurde, war ich sehr skeptisch. Ich mag diese Figur eigentlich gar nicht und doch konnte ich mich diesem Humor nicht völlig entziehen. Das [...] mehr...
....das Interview. Hererfrischend finde ich's Herrn Klocke endlich mal "normal" zu erleben und immer noch sehr sympathisch zu finden. Das ist nicht bei allen so. Aber leider, leider wird er mit dieser Authentizität [...] mehr...
der Mann ist doch töter als tot. Von dem hat man doch seit 10 Jahren nichts mehr gehört (oder 13 Jahre ?). Herrn Klocke aus der Versenkung noch mal hochbringen, neee, damit tut man weder ihm, soch sich einen Gefallen. mehr...
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