SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als Meister der Halbsätze. Woher stammt diese Kunst?
Klocke: Die ist mir schon von meinen Lehrern mitgegeben worden. Vor allem die Lateinlehrer beherrschen das: "Obwohl die Germanen, nachdem die Römer, während..." Das steckt alles dermaßen in mir drin, da brauche ich noch Zeit, um alles zu verarbeiten.
SPIEGEL ONLINE: Vor einem Jahr hat Loriot Sie in einem Interview lobend erwähnt. Ging das runter wie Öl?
Klocke: Da habe ich direkt einen roten Kopf bekommen.
SPIEGEL ONLINE: Wo sind Sie ihm aufgefallen?
Klocke: Er hatte mich bei "RTL Samstag Nacht" oder bei "7 Tage - 7 Köpfe" gesehen und als eine Figur liebgewonnen, die ich in seinen Sketchen hätte sein können. Dann haben wir zusammen beim Tee gesessen. Er war fassungslos, als ich ihm erzählte, dass ich viele Sachen nicht aufschreibe, sondern das meiste einfach so kommt. Oder auch nicht. Das Risiko, scheitern zu können, macht mir Spaß. Denn so ist ja das Leben.
SPIEGEL ONLINE: Beschäftigen Sie trotzdem ein Autorenteam?
Klocke: Niemals. In diesem heutigen Becken der Witzbolde, in dem jeder 800 Autoren im Rücken hat, bin ich völlig altmodisch. Ich würde sofort mit meiner Arbeit aufhören, wenn ich Autoren hätte. Das ist bei mir eine Frage der Ehre. Ich kann mich nicht hinsetzen und fragen: Hat noch irgendjemand einen Witz für mich? Ich funktioniere eh nicht nach Pointe. Bei mir sind die Wege das Interessante.
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie nicht mal bei der RTL-Sendung "7 Tage - 7 Köpfe" die obligatorischen Autoren?
Klocke: Nein. Ich habe am Mittwoch Stichworte bekommen, die am Donnerstag aktualisiert wurden. Anfangs habe ich mich in der Sendung auch nicht unwohl gefühlt. Irgendwann wurde das aber immer stammtischmäßiger. Außerdem merkte ich, dass alle Anderen vier bis fünf Autoren hatten und nur von ihren Zetteln ablasen.
SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es im Fernsehen keine Piet-Klocke-Show? Sat.1 hat doch schon vor Jahren eine Testsendung mit Ihnen produziert.
Klocke: Um Gottes Willen! Ich erinnere mich. Ich seh' mich noch in Paris auf dem Hundefriedhof herumlaufen. Und keiner wusste, was genau wir da eigentlich machen.
SPIEGEL ONLINE: Welche Fernseh-Idee würden Sie denn gern realisieren?
Klocke: Ich habe keine konkreten Ideen in der Schublade liegen. Andernfalls hätte ich die bestimmt schon gemacht. Wenn mich aber jemand in den Presseclub oder in das Philosophische Quartett einladen möchte: Das würde ich sofort machen. Die Frage ist nur, ob das Fernsehen überhaupt einen Typen wie Herrn Klocke braucht, der die Welt erklärt.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist Ihre Antwort?
Klocke: Heute wissen wir doch schon alles. Wir müssen eigentlich gar nicht mehr zur Schule gehen. Wir können googeln und erfahren durch die Medien jede Kleinigkeit, sobald sie irgendwo in der Welt passiert. Das ist alles dermaßen wahnsinnig geworden. Manchmal glaube ich, unsere Großeltern hatten es besser: Die wussten von nix.
Das Interview führte Michael Scholten.
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