Von Julia Jüttner
SPIEGEL ONLINE: Herr Kessler, was ist an Adolf Hitler komisch?
Kessler: Der Bart und Scheitel, seine Sprache, Gestik und Mimik - er war eine Karikatur seiner selbst.
SPIEGEL ONLINE: Über Hitler macht man keine Witze, war in Deutschland lange die Parole.
Kessler: Für mich war immer klar, dass man sich auch über dieses Monster lustig machen muss. Ich spiele ihn als intriganten, bösen und dummen Bürofiesling. Allerdings sind wir bei "Switch Reloaded" sehr vorsichtig beim Schreiben der Texte.
SPIEGEL ONLINE: Können Ihre Eltern über Ihre Hitler-Parodie lachen?
Kessler: Nein. Meine Eltern finden das nicht lustig. Jüngere Leute schon - diese Art von Humor ist eine Generationsfrage.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie Florian Silbereisen parodieren, sind Sie fast besser als das Original. Als Sie beide sich bei Kerner mal gegenübersaßen, reagierte Silbereisen vor der Kamera mit Humor. Hinter den Kulissen auch?
Kessler: Ja, er war ganz entspannt. Lustigerweise ließ er vor kurzem verlauten, ich hätte mich nicht getraut, in seine Sendung zu kommen. Stimmt nicht. Ich wahre zu meinen "Opfern" einfach die nötige Distanz und möchte mich mit ihnen nicht verbrüdern.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist es für Sie, den wahren Jauchs, Plasbergs und Kloeppels zu begegnen?
Kessler: Ich bin da immer etwas nervös. Schließlich wollen wir niemanden wirklich verletzen. Nach dem großen Erfolg unserer Sendung finden mehr und mehr Promis alles unheimlich lustig - aber das kann ich mir nicht vorstellen. Gut, dass wenigstens Super-Nanny Katharina Saalfrank ihre Parodie ganz und gar nicht witzig findet.
SPIEGEL ONLINE: Wurden Sie schon mal für eine Ihrer Figuren gehalten?
Kessler: Beim "Führer" weiß zumindest ein Großteil der Bevölkerung, dass er nicht mehr lebt. Aber als ich neulich als Ranga Yogeshwar durch die Originalkulisse seiner Sendung "Wissen vor 8" gegangen bin, mussten einige am Set zweimal hinschauen. In der "Wochenshow" kaufte ich mal in einem Supermarkt als Alfred Biolek ein. Auch das hat funktioniert.
SPIEGEL ONLINE: Wen würden Sie gern parodieren - können es aber wegen Ihrer Statur oder Physiognomie nicht?
Kessler: Ach, eigentlich geht heute mit unseren tollen Masken fast alles. Ich habe mir etliche neue Charaktere vorgenommen. Wen, werden Sie sehen.
SPIEGEL ONLINE: Ist es einfacher, jemanden zu parodieren, den man selbst lächerlich findet?
Kessler: Das hilft sehr. Frank Plasberg schätze ich als Journalisten sehr - diese Rolle war schwieriger als Florian Silbereisen, dessen Jodel-Leidenschaft ich nicht teile. Aber wir finden bei jedem Menschen etwas zum Parodieren. Sympathien halten uns von nichts ab, wir nehmen auf niemanden Rücksicht.
SPIEGEL ONLINE: Soll "Switch Reloaded" die Zuschauer zu Medienkritikern machen?
Kessler: Der Zuschauer hat längst gemerkt, wie die Medien heute funktionieren. Um so mehr genießt er die Abrechnung mit den Medien, die wir bei "Switch" für ihn erledigen. "Switch" ist Medienkritik - böse, bissig, scharf.
SPIEGEL ONLINE: Warum lechzt das Publikum nach Parodie?
Kessler: Weil die Qualität des Fernsehens in den vergangenen zwei Jahrzehnten so gelitten hat. Fernsehen ist nicht mehr ehrlich. Fast alles ist Fake. Die Medien entwickeln sich zu wertelosen und gewinnorientierten Gelddruckmaschinen.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben in Ihrer Heimatstadt Wiesbaden, in Zürich, Frankfurt, Bochum und Mannheim als Schauspieler am Theater gearbeitet. War das besser?
Kessler: Nein. Theater ist mir oft zu krank, depressiv, elitär - humorlos. Ich musste mich Regiekonzepten unterwerfen, die ich nicht mittragen wollte. Ich stand drei Stunden mit einer Glatze und einem Fetzen am Leib auf einer schrägen Bühne. Theater muss verzaubern, unterhalten und berühren. Das tut es kaum noch.
SPIEGEL ONLINE: Mit Ihren Kollegen Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka spielen Sie "Männerhort". Ist solches Boulevardtheater nicht zu trivial?
Kessler: Wir spielen modernes Boulevard. Entstaubt und intelligent. Alle Vorstellungen waren ausverkauft, mit viel jungem Publikum. Darüber schreibt das Feuilleton natürlich nicht. Ich spiele für das Publikum. Das ist der Beruf. Darüber sollten viele Theater-"Künstler" mal wieder nachdenken.
SPIEGEL ONLINE: Bastian Pastewka zieht Sie in seiner Sitcom auf, weil sie in "Manta Manta" der Klausi waren. Empfinden Sie diese Kinorolle selbst als Makel?
Kessler: Überhaupt nicht. Das ist ein echter Kultfilm, der noch immer unzähligen Zuschauern Freude bereitet. Das ist doch wunderbar! Ich bin dankbar für die Rolle des Klausi.
SPIEGEL ONLINE: Außerdem verspottet Pastewka Ihre große Nase. Ganz ehrlich: Hätten Sie gern eine andere?
Kessler: Never ever. Ein Kollege hat mich mal gefragt, ob ich mir die so habe machen lassen. Quatsch! Diese Nase gehört zu mir. Über die Sprüche kann ich nur lachen, das kratzt mich nicht.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Privatleben riegeln Sie ab. Es ist nur bekannt, dass Sie mal mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka in einem Haus lebten ...
Kessler: Ich habe mich dafür entschieden, die Menschen durch mein Können zu unterhalten und nicht durch Skandale und Geschichten aus meinem Privatleben.
SPIEGEL ONLINE: Sie fahren für den RBB TV-Taxi und hatten schon mehr als 700 Gäste auf der Rückbank. Worüber sprechen Sie selbst, wenn Sie in ein Taxi steigen?
Kessler: Ich gucke erst, wer am Lenkrad sitzt. Oft kommen die Fahrer aus der Türkei oder dem Iran. Mich interessiert ihre Herkunft, wie und warum sie nach Deutschland kamen, die politischen Hintergründe. Ich sehe mich aber auch als Kollege - mit dem man auch mal bespricht, wo und wann eine gute Tour zu holen ist.
Das Interview führte Julia Jüttner
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Sie haben natuerlich inhaltlich recht mit allem, was Sie ausgefuehren. Allerdings waere Ihre Kritik sicher eindrucksvoller, wenn Sie "intellektuell" geschrieben haetten statt des erfundenen Begriffes oben, den ich mir [...] mehr...
Kessler: Ich gucke erst, wer am Lenkrad sitzt. Oft kommen die Fahrer aus der Türkei oder dem Iran. Mich interessiert ihre Herkunft, wie und warum sie nach Deutschland kamen Meisten kommen diese Menschen aus: Köln Porz [...] mehr...
Was ist eigentlich mit Leuten, die kein TV sehen ? Gibt es die nicht mehr ? mehr...
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