Hamburg - Sie erlebt all das nicht zum ersten Mal: Die Kritik der Wohltätigkeitsorganisationen, die ihr Verhalten als unverantwortlich bezeichnen. Die Kritik der Angehörigen, deren Hoffnung auf ein besseres Leben für ihre Kinder nicht so groß ist wie die Furcht, sie an die fremde Frau zu verlieren. Doch Madonna scheint - wieder einmal - aller Kritik zu trotzen und ihr Vorhaben, ein zweites Kind aus Malawi zu adoptieren, weiter voranzutreiben.
Am Sonntag besuchte sie gemeinsam mit ihrer 12-jährigen Tochter Lourdes eine halbe Stunde das Dorf Chinkhota, wo sie eine große Fläche Land gekauft hat, um eine Schule für Mädchen bauen zu lassen. An diesem Montag will die Sängerin nach Aussage ihres Anwalts die Adoption der dreijährigen Mercy bei einem Gericht beantragen. Die Sängerin hatte das Mädchen vor zwei Jahren in einem Waisenhaus zum ersten Mal getroffen.
Die Menschen in Chinkhota reagierten zurückhaltend auf den Besuch der Diva, die gemeinsam mit ihrer Tochter in Jogginghose und mit Sonnenhut durch den Ort spazierte und die Dorfbewohner in der Landessprache fragte, wie es ihnen gehe. Der Dorfvorsteher dankte Madonna für ihre "Großzügigkeit", viele Bewohner hingegen fürchteten, durch den Bau der Schule ihre Felder und in der Folge auch die Ernteeinnahmen zu verlieren.
"Man hat uns gesagt, wir sollten unsere Felder dieses Jahr nach dem Einholen der Ernte verlassen. Man hat uns gesagt, unsere Häuser würden abgerissen - aber bislang hat uns niemand gesagt, wie wir dafür entschädigt werden", sagte Esinati Nkhoma, eine Mutter von vier Kindern, dem Magazin "People". "Wohin sollen wir dann ziehen?"
Ein Regierungsbeauftragter erklärte, für die Entschädigungszahlungen sei Madonnas Wohltätigkeitsorganisation "Raising Malawi" verantwortlich. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie sich um die Sorgen der Menschen um ihr Land kümmere, erwiderte Madonne wortkarg: "Nein."
Am Sonntag war sie auf einem abgeschirmten Teil des Flughafens der malawischen Hauptstadt Lilongwe unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und abgeschirmt von der Öffentlichkeit gelandet.
Die Sängerin hat laut einem Bericht der britischen "Sun" hochrangige Politiker des Landes in ihr Vorhaben eingebunden: Unter anderem konnte sie demnach Außenministerin Joyce Banda für ihr Schulprojekt gewinnen. Außerdem sind ihr malawischer Anwalt und der Staatssekretär im Ministerium für Frauen und Jugend an der Arbeitsgruppe beteiligt. Diese Kreise sollen auch den Wunsch der Sängerin nach einer zweiten Adoption unterstützen.
Nach dem Recht des afrikanischen Landes wäre dies eigentlich nicht zulässig: Es verbietet Adoptionen für Alleinstehende und Geschiedene. Madonna und ihr Ehemann Guy Ritchie haben sich im Oktober 2008 scheiden lassen. Seither kümmert sich die Sängerin allein um ihre drei Kinder. Außerdem sieht das Recht eigentlich vor, dass sich die Adoptiveltern mit dem Kind zunächst für 18 bis 24 Monate in Malawi aufhalten müssen, bevor sie das Land verlassen dürfen.
Bereits nach der Adoption des kleinen David 2006 durften Madonna und ihr damaliger Ehemann den Jungen sofort mit nach London nehmen. Rechtskräftig wurde die Adoption erst zwei Jahre später.
Die Großmutter der kleinen Mercy sprach sich gegen eine Adoption ihrer Enkelin aus: "Warum sucht sich diese Sängerin kein anderes Kind aus? Das ist Diebstahl. Ich werde zum Gericht gehen, ich werde sie nicht gehen lassen."
Der Sprecher der britischen Organisation "Save the Children" kritisierte das Vorhaben der Sängerin als "unangemessen und unnötig". Mit ihrem Verhalten setze sie ein falsches Signal.
han
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