London - Ein knappes Jahr lang regierte sie allein und unangefochten. Ihre Krone war das Pillenbox-Hütchen, dessen modisches Revival allein ihrer Patronage zu verdanken sein dürfte, ihr Zepter die Dior-Handtasche.
Carla Bruni-Sarkozy, Gattin des französischen Staatspräsidenten, untermauerte auf internationalen politischen Konferenzen an der Seite ihres Ehegespons zumindest eine gefühlte Hegemonie Frankreichs: Ihr Chic, ihre Anmut waren ideale Attribute, mit denen sich bei Verhandlungspartnern Eindruck schinden ließ.
Verständlich, dass die fast demonstrative Abwesenheit Brunis beim G-20-Gipfel in London auf der Insel erst für Enttäuschung sorgte - und dann für Häme.
Die wehe Frage "Warum kommt Carla nicht?" beantworten britische Zeitungen mit genüsslichen Bosheiten.
• Präsident Sarkozy fürchtet den Zwergeneffekt. Der nicht eben hoch gewachsene Staatspräsident, so spekuliert die "Daily Mail", sähe auf einem Foto neben Barack Obama, Michelle Obama und seine Frau Carla kleiner aus denn je: "Er muss seine höchsten Fahrstuhlschuhe anziehen, um wenigstens auf Brusthöhe zu sein", lästert das Blatt. Ein optischer Nachteil, den Sarko beim G-20-Gipfel lieber vermeiden möchte.
• Das Damenprogramm ist einfach zu verdammt langweilig! "Warum trotten alle diese versierten Frauen ihren Ehemännern um den ganzen Erdball hinterher, um dann in einer Reihe aufgestellt zu werden und einander anzuschmollen?", fragt der "Guardian". Auch Angelas Merkels Ehemann Joachim Sauer und der Gatte der argentinischen Präsidentin Kirchner (der zugleich ihr Amtsvorgänger ist), blieben deshalb dem "Heititei" fern.
• Bruni wartet auf den Heimvorteil! Das erste Gipfeltreffen Carla/Michelle soll, so spekuliert der "Guardian" weiter, nach dem Willen der Première Dame auf französischem Boden stattfinden, nämlich am Rande des kommenden Nato-Gipfels in Straßburg.
Was auch immer der Grund für Brunis Abwesenheit sein mag: Michele Obama gehört das Feld allein.
Sie kicherte bereits - sehr kameratauglich - mit Premier-Gattin Sarah Brown vorm Kamin in Downing Street No. 10.
Sie wird die Queen beim "Grip and Greet" (Händeschütteln und Grüßen) im Buckingham Palast treffen, wird bei einem Diner, das von Fernsehkoch Jamie Oliver kreiert wurde, neben "Harry Potter"-Schöpferin Joanne K. Rowling sitzen - auch Supermodel Naomi Campbell ist anwesend.
Sie wird bei der Besichtigung eines Hospitals als Heilsbringerin den Kranken Trost spenden und ad nauseam fotografiert werden.
In London regiert Queen Michelle - unangefochten.
pad
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