Von Julia Jüttner
SPIEGEL ONLINE: Herr Wöllner, Sie berichten in Ihrem Buch erstmals über den Tod Ihrer Mutter, die starb, weil Sie eine Hockeykugel an den Kopf bekam. Wie haben Sie diesen Schicksalsschlag verarbeitet?
Uwe Wöllner: Mama war eine richtige Miracoli-Mutter. Die hat mir immer Milchreis mit Kirschen gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Vermissen Sie Ihre Mutter denn?
Wöllner: Krass war, dass die Feuerwehr gesagt hat, man soll sie sich nicht mehr angucken. Das war total fies, weil ich mir jetzt nachts im Bett immer verschiedene Dead-Mum-Varianten ausdenke. Von so Zombie-Style bis hin zum Detschschädel von JFK. Das ist abgefahren. Wenn ihr Herz einfach normal gefreezt wäre, bräuchte ich mir diese Gedanken nicht machen.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie deshalb den Beruf des Bestatters gewählt?
Wöllner: Den Job hat mir mein Vater besorgt, weil er wollte, dass es mit meiner Karriere weiter vorangeht. Die Arbeit als Bestatter ist echt aufregend. Gerade die Gespräche mit den Zurückgebliebenen, die plötzlich ohne ihre geliebten Menschen dastehen. Die sehen immer alle aus wie Derrick. Aber die meisten Bestatter gehen gar nicht so sehr auf die Heulsusen ein.
SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?
Wöllner: Die machen immer so auf Rokoko-Sarg und welche Häppchen beim Leichenschmaus gereicht werden sollen, aber die leisten keinen echten Beistand - die nehmen die Leute nicht so in den Arm und so. Aber ich habe das gemacht und den Angehörigen auch gesagt, wie die Leichen riechen. Das ist nämlich der Witz. Die Toten sind gar nicht so gruselig wie bei Akte X. Meistens riechen die echt gut und sehen zufrieden aus.
SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?
Wöllner: Die Leute haben immer voll die Panik geschoben, wenn sie sich von ihren Verwandten persönlich verabschieden sollten. Die dachten immer, die sehen jetzt voll gammelig aus. Dabei sahen die Toten zum Teil besser aus als die Lebenden. Eine Eule zum Beispiel hat vor lauter Heulen gar keine Luft mehr gekriegt, die ganzen Nasenlöcher waren verkrustet, und der hab ich gesagt: "Hey, dein Vater sieht tot voll cool aus, du lebendig gerade voll scheiße!" Da hat sie gleich aufgehört zu weinen.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind gerade einmal 33 Jahre alt. Ist das nicht zu früh, um eine Biografie zu schreiben?
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das Buch überhaupt selbst geschrieben?
Wöllner: Die vom Verlag meinten, ich kann nicht wirklich schreiben, aber das können Boris Becker oder White-Teeth-Naddel auch nicht. Aber ich habe dann eingesehen, dass man meine 300 Seiten, die ich selbst verfasst habe, noch mal überarbeitet. Ich hatte auch mehr so Stichwörter in die Kästchen von meinem Super-XL-Sudokublock geschrieben, aber das musste komplizierter aufgeschrieben werden, so lexikonmäßig, wie bei Goethe und so.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Ihr Buch Erfolg hat, könnte es sein, dass Sie noch berühmter werden. Haben Sie schon eine Strategie entwickelt, wie Sie mit der Popularität umgehen wollen?
Wöllner: Ich bleib auf dem Teppich und werde nicht durchdrehen wie Lotto King Karl. Und ich werde auch niemanden verachten, nur weil ich schlauer bin und jetzt in der U-Bahn erkannt werde wie George Clooney.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind aus ihrer Heimat Hannover-Garbsen in die Hauptstadt Berlin gezogen. War das nicht ein Wagnis für Sie?
Wöllner: Ich hab schon einen Fingerbreit Schiss gehabt. Aber mein Vater hat mir nicht nur den Job als Bestatter, sondern auch eine eigene Wohnung besorgt. Im Fahrstuhl vom Haus habe ich dann auch gleich einen Freund gefunden. Er heißt Thorsten. Ich liebe es, mit ihm abzuhängen. Er schmeißt krasse Nusslikör-Partys und kennt tolle Frauen. Er wird in zwei Wochen 13, und ich schenk ihm wahrscheinlich das Spiel "The Conduit" für die Wii.
Wöllner: Wir interessieren uns für dieselben Dinge. Zocken, Party-Snacks und Frauen, die so aussehen wie auf der TV Movie. Außerdem kann er voll gut Wodka mit Orangensaft mischen.
SPIEGEL ONLINE: Mit den Frauen hatten Sie bisher wenig Glück.
Wöllner: Doch, eigentlich schon. Ich wusste immer, was ich wollte. Nur die meisten Eulen wissen das nicht. Aber dann habe ich Malina kennengelernt. Im Puff "Jasmin". In den geht Thorsten immer wegen der Freigetränke. Malina wollte mich sofort heiraten. Jetzt hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Eigentlich kommt sie aus Rumänien.
SPIEGEL ONLINE: Wie bekommt Ihnen die Ehe?
Wöllner: Das ist voll die coole Ehe, nicht so oberflächlich. Wir wohnen nicht so spießig zusammen, sondern getrennt, sehen uns einmal die Woche, und ich muss für den Sex nicht mehr bezahlen. Gerade jetzt, wo wegen der Finanzkrise eh alles so teuer ist. Dann kann ich lieber mal zu Saturn.
SPIEGEL ONLINE: Ähnelt Sie denn optisch Ihrer Traumfrau Pamela Anderson?
Wöllner: Sie sieht aus wie Mónica Cruz, also wie Pamela Anderson mit dunklen Haaren. Ihre Eltern in Rumänien glauben, sie sei Behindertenpflegerin. Und als sie sie in Deutschland besuchten, musste ich so tun, als sei ich behindert. Ich habe ihnen das dann vorgespielt. Ganz ohne Verkleidung. So wie Bruce Willis. Der sieht immer gleich aus, aber mal ist er Actionheld und dann wieder Ehemann. Die Eltern von Malina haben mir alles voll abgekauft.
SPIEGEL ONLINE: Sie wollten ursprünglich mal Dressman werden, haben Sie sich um diesen Berufsweg je ernsthaft bemüht?
Wöllner: Ich habe mir Anzüge gekauft, aber vier Nummern größer, weil die billiger waren. Aber mit Gürtel und Hochkrempeln sah das echt cool aus. Dann habe ich selbst Fotos gemacht und bin zu einer Agentur. Aber die haben gesagt, sie seien leider voll mit Models. Und ehrlich gesagt, will ich auch nicht nur auf mein Äußeres reduziert werden.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Ihre Angst vor Hunden bezwingen können?
Wöllner: Die finde ich noch immer fies. Vor allem Dackel sind wie Würste mit Haaren, die Gremlin-Geräusche machen. Manchmal beißen die Kinder in den Kopf. Obwohl das auch wieder gerecht ist, weil Kinder sind selber fies. So Schmuddelkinder haben mich immer "Spasti" genannt und mit Erdschollen beworfen. Einmal bin ich dann zur Polizei, aber die waren auf der Seite von den Fieslingen. Das ist nur, weil Kinder immer wie Bambis gucken.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben bereits viele Dinge unternommen: Speed-Dating, IQ-Test, Typ-Beratung - was war das Aufregendste?
Wöllner: Am spannendsten fand ich das Panzerfahren, das war fast so gut wie am Computer. Was ich mir noch wünsche, wäre mal eine Schulklasse zu unterrichten oder ein Kreuzfahrtschiff zu lenken. So richtig mit Schaukeln und große Wellen machen. Am besten gleich ein eigenes Schiff, die MS Uwe Wöllner.
Das Interview führte Julia Jüttner
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