Los Angeles - Wären Lady Gaga, Whitney Houston und Jennifer Lopez nicht gewesen - kaum auszudenken, wie öde die Verleihung der American Music Awards (AMA) wohl verlaufen wäre.
"Machen Männer überhaupt noch relevante Pop-Musik?", hieß es spitz in der "Los Angeles Times" - zu auffällig war am Sonntagabend die Dominanz weiblicher Showstars.
Ein Scherbengericht servierte nach guter alter Rock'n'Roll-Sitte Lady Gaga ihrem Publikum: Sie krachte mit ihrem Mikroständer durch eine Glaswand und spielte auf einem brennenden Piano. Whitney Houston, deren frühere stimmliche Brillanz durch jahrelangen Drogenmissbrauch verloren ging, rührte das Publikum mit ihrem biografisch gefärbten und ohne Schnickschnack vorgetragenen Song "I Didn't Know My Own Strength".
Jennifer Lopez gestaltete ihr Comeback unfreiwillig komisch: Sie fiel zunächst durch geradezu britney-eskes Unvermögen auf, ihre Lippenbewegungen dem Playback anzupassen, und ging dann bei der Performance zu Boden. Sender ABC verzichtete darauf, diesen schmachvollen Moment landesweit auszustrahlen - an der US-Westküste zumindest waren die Bilder laut CNN nicht zu sehen.
Allein Sänger Alan Lambert versuchte mit seinem Auftritt den Beweis anzutreten, dass auch Männern das Flair fürs Spektakel nicht völlig abgeht. Er mimte mit einem Tänzer Fellatio und knutschte mit einem Keyboard-Spieler. Der große Sturm sittlicher Empörung, den Lambert wohl zu entfesseln erhofft hatte, blieb jedoch aus.
Der verstorbene Michael Jackson wurde mit vier der Publikumspreise geehrt - doch auch in der Gesamtbilanz dominierte am Ende eine Frau, die erst 19-jährige Taylor Swift. Sie erhielt fünf Awards - und erachtete die Ehrung für so gering, dass sie sich nicht einmal nach Los Angeles hatte einfliegen lassen.
pad
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