Von Antje Wewer
Groß, größer - Größenwahn.
Unter XXL macht es Tausendsassa Michalsky, der außerdem die Handtaschenmarke MCM berät, Werbung für ein Waschmittel macht und neues Testimonial von "DHL" ist, einfach nicht. Das mag mutig sein und visionär, das passt zu ihm, aber nicht zu "Lala Berlin" und "Kaviar Gauche", den anderen beiden Labels, die an diesem Abend zeigten.
Es tanzte die "menschliche Discokugel"
Das Wohlwollen der Szene war anfangs groß, alle waren sie gekommen, selbst Wolfgang Joop gab sich die Ehre - um in der ersten Pause in den "Grill Royal" zu flüchten. In den ersten Reihen saßen wichtige Einkäufer, fast alle Moderedakteurinnen des Landes, inklusive Christiane Arp von der deutschen "Vogue" - und natürlich war auch die deutsche Schauspielszene von Heike Makatsch bis Andrea Sawatzki vertreten.
Den Anfang machten die mit Strick und Kaschmir groß gewordene Leyla Piedayesh und ihr Label "Lala Berlin" mit der "Viva la Revolucion!"-Kollektion: Abendkleider mit asymmetrischen Schnitten, viel Layertechnik, gedeckte Farben. Durchaus hübsch, aber warum schauten die Models bei der Präsentation so traurig? Wahrscheinlich weil sie sich auf der riesigen Showbühne verloren vorkamen.
Nach der Pause - alle bitte raus ins Foyer, dann wieder rein - eröffneten "Kaviar Gauche" ihre Show mit einer Performance von Inga Königstadt. Die Ex-Managerin der Band "Mia" heißt nun "Bella Berlin", steckte in einem Mosaikspiegel-Suit und tanzte als "menschliche Discokugel" über die Bühne. Kombiniert mit reflektierenden Laserstrahlen hatte das tatsächlich einen irren Showeffekt.
Das "Kaviar Gauche"-Design-Duo Alexandra Fischer-Röhler und Johanna Kühl zeigte anschließend seine erotische "Stripped"-Kollektion. Paillettenverzierte Smoking-Jacketts, mit Strass besetzte Overknee-Boots, viel Schulterfreiheit, wenig Stoff. Eine durchdachte, detailverliebte Kollektion - trotzdem sprang der Funke leider nicht über, da der Catwalk kein klassischer Laufsteg, sondern extrem vom Publikum entfernt installiert war. Vielleicht hätten Operngläser geholfen, vielleicht wäre ein kleiner Rahmen - wie das Fashionzelt, in sie die früher gezeigt haben - für "Kaviar Gauche" vorteilhafter gewesen.
"There is always room for improvement"
Nach einer erneuten Umbaupause dann: Mister Michalsky. Sein Laufsteg sah aus wie eine Mischung aus Modellhaus meets Sprungturm, die Schrägen waren eine echte Herausforderung für die Models in ihren Mega-Highheels. Warum mussten Sie die Mädchen so quälen, Herr Michalsky? "Meine Kollektion ist vom Zille-Milljöh der Zwanziger inspiriert, deshalb wollte ich als Kontrast einen futuristischen Laufsteg", erklärt der Designer.
Sein Entertainment-Konzept überstrahlte wie immer seine Entwürfe, da war von allem ein bisschen was dabei. Ein Schuss Sportswear, hier ein buntes Walle-Walle-Kleid, da ein silbernen Hosenanzug. Am Ende nahm Michalsky in Jeans und Smoking-Jacke mit kecker Morissey-Tolle seinen Applaus entgegen, um sich dann wie ein Popstar - er stahl "Spandau Ballett" komplett die Show - von den Fotografen durch den Friedrichstadtpalast jagen zu lassen.
Was für ein Spektakel, was für ein Event, allerdings eines mit Schützenfestatmospähre. Wie sagen die Engländer so schön: "There is always room for improvement." Und nach der Fashion Week ist ja auch immer vor der Fashion Week.
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