New York - Aus Neid und akutem Geldmangel soll der ehemalige TV-Produzent Robert "Joe" Halderman zum Kriminellen geworden sein. Am Dienstag gab er vor Gericht in Manhattan zu, David Letterman erpresst und zwei Millionen US-Dollar von ihm gefordert zu haben. Er bekannte sich des Diebstahls und der Erpressung schuldig und entschuldigte sich bei dem Moderator der "Late Show". "Ich habe große Gewissensbisse deswegen", bekannte der 53-jährige Angeklagte.
Halderman hatte im Herbst vergangenen Jahres gedroht, Lettermans Ruf zu zerstören, indem er seine Liebeleien am Arbeitsplatz öffentlich macht. Den Ermittlungsbehörden zufolge soll er im Besitz von Tagebuchaufzeichnungen einer mutmaßlichen Gespielin des TV-Veteranen gewesen sein.
Das Geständnis kommt nicht unerwartet: Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich im Vorfeld offenbar geeinigt. Ohne den Gerichtsdeal hätte Halderman bei einem Schuldspruch mit einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren rechnen müssen. Jetzt kam der 53-Jährige mit einer sechsmonatigen Haftstrafe und einer Auflage von 1000 Stunden Sozialarbeit davon.
Die Absprache sieht unter anderem vor, dass Halderman der Staatsanwaltschaft sämtliche Unterlagen, Kopien, Fotos und Notizen, die den Fall betreffen, zur Verfügung stellen muss.
"Schlecht verhüllter Versuch, Herrn Letterman zu ruinieren"
Auch Letterman kam der Deal gelegen, wäre doch andernfalls in einem langen Prozess sein Privatleben ausgiebig diskutiert worden. Um unschönen Enthüllungen zuvorzukommen, hatte sich der Late-Night-Talker Anfang Oktober vor laufender Kamera dazu bekannt, Affären mit einigen seiner Angestellten gehabt zu haben. Er bezeichnete sein Verhalten selbst als "gruselig" und entschuldigte sich dafür. Erst im vergangenen Jahr hatte Letterman seine Langzeit-Freundin Regina Lasko geheiratet, mit der er seit 1986 zusammen ist und einen sechsjährigen Sohn hat. Er berichtete im Fernsehen auch von dem Erpressungsversuch.
Halderman arbeitete damals als Produzent für denselben Sender wie Letterman, die CBS. Er war verantwortlich für die Sendung "48 Hours Mystery," in der reale Kriminalgeschichten erzählt werden. Laut eigener Aussage übergab er sein Erpresserschreiben dem Chauffeur von Letterman - geschrieben in Form eines Drehbuchentwurfs.
"Dieses Drehbuch war ein schlecht verhüllter Versuch, Herrn Letterman zu ruinieren, falls er mir nicht sehr viel Geld gibt", sagte Halderman nun vor Gericht. Er habe sich tatsächlich mit einem Anwalt von Letterman getroffen, der ihm einen gefälschten Scheck über zwei Millionen Dollar gegeben habe.
Gerichtsakten zufolge hatte Halderman, der im Jahr 2007 etwa 214.000 Dollar verdient haben soll, finanzielle Probleme, nachdem seine Frau die Scheidung eingereicht hatte. Bis zur Urteilsverkündung im Mai wird Halderman gegen Kaution auf freiem Fuß sein.
ala/AP
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