Washington - Politik in Washington ist ein knallhartes Geschäft - nur nicht beim alljährlichen Galadinner des Pressekorps des Weißen Hauses. Zum zweiten Mal verulkte US-Präsident Barack Obama am Samstagabend beim Streifzug durch die vergangenen zwölf Monate nicht nur sich selbst - Freund und Feind kamen gleichermaßen an die Reihe. Die launige Rede des ersten Mannes im Staate beim Presseball gehört seit Jahrzehnten zum festen Inventar des politischen Lebens in der Hauptstadt. Die Lacher im Saal zeigten abermals, dass Obama durchaus das Zeug zum Komödianten hat.
Seit seinem ersten Auftritt beim Dinner der Journalisten-Elite vor einem Jahr habe es durchaus Enttäuschungen gegeben, berichtete der Präsident. So sehr habe er auf den Nobelpreis in Physik gehofft, sagte der Friedensnobelpreisträger. "Aber hey - man kann sie nicht alle haben!" Überhaupt sei es immer auf und ab gegangen - mit Ausnahme seiner Umfragewerte. Die seien zuverlässig gesunken.
Wie schon im vergangenen Jahr nahm er Vizepräsident und Vielredner Joe Biden und dessen mitunter loses Mundwerk auf die Schippe ("Ich war mir nicht sicher, ob ich hierher kommen sollte - Biden hat mich bequatscht"). Die Witze des Abends würden diesmal von den Investmentbankern von Goldman Sachs gesponsert, scherzte Obama. "Machen Sie sich keine Sorgen, die machen immer Geld - egal ob man lacht oder nicht."
Viele Hollywoodstars unter den Gästen
Am Schluss wurde der Präsident dann doch noch einmal ernst, angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Man denke an den "unglaublichen Kampf" aller Landsleute dort, die sich entweder der Katastrophe entgegenstemmen oder die um ihre Existenz fürchten, sagte Obama unter dem Beifall der Zuhörer. Am Sonntag will sich der Präsident an der Golfküste selbst ein Bild von der Lage machen.
3000 geladene Gäste waren bei dem Mediendinner dabei, darunter Hollywoodstars wie Alec Baldwin, Michelle Pfeiffer, John Cusack, Scarlett Johansson, Michael Douglas, Steven Spielberg und Jessica Alba und die Musiker Mary J. Blige, Justin Bieber und Jonas Brothers. Aus der Politik kamen neben dem Präsidentenpaar unter anderem Obama-Berater David Axelrod, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Rahm Emmanuel, der Stabschef des Weißen Hauses. Moderiert wurde die Veranstaltung von US-Starmoderator Jay Leno.
Als Obama übrigens das letzte Mal in dessen "Tonight"-Show auftrat, hatte er mit einem geschmacklosen Witz für Furore gesorgt. Er verglich seine mäßigen Bowling-Fähigkeiten mit denen von Teilnehmern des Behinderten-Wettbewerbs Special Olympics. Später hatte er sich unter öffentlichem Druck für die Bemerkung entschuldigt.
sto/dpa
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