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29.08.2010
 

Rom-Besuch

Gaddafi gibt Hunderten Models Koran-Lehrstunde

Gaddafi in Rom: Der Zirkus kommt
Fotos
dpa

Er ist exzentrisch, machtbewusst und unberechenbar. Muammar al-Gaddafi hat bei seinem Rom-Besuch mal wieder für Staunen und Aufregung gesorgt. Seinen ersten Auftritt gönnte der libysche Staatschef Hunderten jungen Damen, denen er eine Lektion über den Islam erteilte -in drei Fällen offenbar mit Erfolg.

Rom - Wenn Gaddafi reist, ist das immer ein wie Zirkus: Zelt, Pferde, schöne Frauen hat er im Gepäck. Dazu noch bunte Gewänder und gute Worte. Rom ist ihm nach seinem ersten Besuch im Juni 2009 offenbar ans Herz gewachsen. Zum vierten Mal ist er in der Ewigen Stadt - zu Gast bei seinem Freund, Premier Silvio Berlusconi.

Doch beliebte es Gaddafi zu predigen. Extra dafür hatte eine Model-Agentur zwischen 200 und 500 Frauen rekrutiert, die eine nicht genannte Summe für die Teilnahme erhielten. Mit zehn Bussen wurden die Frauen zur Residenz des libyschen Botschafters gebracht, wo Gaddafi kurz nach seiner Ankunft seine Ansprache hielt.

"Es war ein wirkliches schönes Treffen", sagte eine Teilnehmerin, Michela, der Nachrichtenagentur APTN. "Er war sehr locker und gab uns einen Koran." Andere Frauen erklärten, der Libyer habe in seiner Rede das Christentum als unbedeutend bezeichnet. Zumindest drei Frauen konnte der Staatschef offenbar überzeugen: Sie konvertierten den Angaben zufolge an Ort und Stelle zum Islam.

Bei seinem letzten Besuch in Italien hatte Gaddafi bei einer ähnlichen Veranstaltung vor 200 Models über Religion gesprochen und auch sie zum Übertritt ermutigt. Die Frauen erhielten damals jede 50 Euro für ihre Teilnahme. "Wer an Gott glaubt, ist ein Muslim", wurde er damals aus seinem Vortrag zitiert.

Die Models am Sonntag wollten keine Summe nennen, sondern erklärten lediglich, sie hätten eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten.

Chaos schon bei der Ankunft

Gaddafi sorgte diesmal bereits vor der Ankunft für Chaos. Erst hieß es, die zunächst am Sonntag geplante Ankunft in Rom sei auf Samstag vorgezogen. Dann Kommando zurück: Der Revolutionsführer blieb bei seinem ursprünglichen Zeitplan. Schließlich landete er am Sonntag - wie gewohnt mit über einstündiger Verspätung - auf dem römischen Flughafen Ciampino, wo er vom italienischen Außenminister Franco Frattini in Empfang genommen wurde.

Zum Gefolge des libyschen Staatschefs gehörten 30 reinrassige Berberpferde, die am Montag gemeinsam mit einer Reiterstaffel der Carabinieri eine Parade abhalten sollten. Gefeiert wird der zweite Jahrestag eines Freundschaftsabkommens beider Länder - wegen des Fastenmonats Ramadan aber erst nach Sonnenuntergang. Wie immer brachte der Machthaber aus Tripolis sein eigenes Beduinenzelt mit, das er diesmal im Garten der luxuriösen Residenz seines Botschafters in Rom aufschlagen ließ.

Mit seinem Besuch wollte Gaddafi den zweiten Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags feiern, in dem Italien dem südlichen Nachbarn eine Entschädigung von fünf Milliarden Dollar für die 30 Jahre währende Besatzungszeit zuerkannte. Er hatte Italien erstmals im Juni 2009 besucht und dabei den Beginn einer neuen Ära zwischen beiden Ländern ausgerufen. Die libysch-italienischen Beziehungen haben sich in jüngster Zeit stetig verbessert. Besonders eng sind die Verflechtungen in der Wirtschaft, und hier vor allem im Energiesektor.

Opposition kritisiert die Berlusconi-Gaddafi-Connection

Ein zentraler Punkt der Gespräche mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi dürfte der wachsende libysche Einfluss auf die italienische Wirtschaft sein, der in Italien umstritten ist. Zuletzt flammte der Streit am libyschen Anteil an der Großbank Unicredit auf, der auf 6,7 Prozent wuchs. Berlusconis Koalitionspartner von der fremdenfeindlichen Liga Nord kritisierten die Beteiligung und forderten eine Untersuchung durch die Aufsichtsbehörden.

Italien ist mittlerweile Libyens wichtigster Handelspartner und bezieht einen Großteil seines Öl- und Erdgasbedarfs von dem energiereichen Staat. Neben Unicredit besitzt Libyen unter anderem auch einen Anteil an dem Ölriesen Eni und dem Stromkonzern Enel. Aber auch die Beteiligung an dem Fußball-Traditionsverein Juventus Turin trifft die Italiener an einer sensiblen Stelle. Der Opposition ist die Nähe zwischen Berlusconi und Gaddafi schon länger ein Dorn im Auge. Sie kritisiert vor allem ein Abkommen zur Rückführung von Flüchtlingen, die illegal aus dem nordafrikanischen Land über das Mittelmeer nach Italien gelangt sind, als Verletzung der Menschenrechte.

Gaddafi und Berlusconi hatten den ersten Jahrestag des Freundschaftsvertrages mit Couscous und Hammelfleisch in Tripolis gefeiert. Das italienische Festmenü diesmal war zunächst "top secret". Das dürften allerdings auch die spannendsten Informationen sein, die zu erwarten sind. Wichtige neue Abkommen der wirtschaftlich bereits eng verbundenen Länder seien noch nicht unterschriftsreif, berichteten Zeitungen.

rüd/AP/dpa/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
14.09.2010 von OlGa: Ist ja unerhört!

Na, übertreiben Sie mal nicht. Sie tun geradezu so, als wenn Europa traditionell 100% christlich ist. Dann gibt es ja wohl keine zweite Weltreligion, die derart aggressiv missioniert hat wie das Christentum, und es bis heute [...] mehr...

31.08.2010 von fragend: Europa schafft sich ab

Was ist denn los in Europa? Sind wir denn alle verrückt, uns so etwas bieten zu lassen? Da erlauben sich Staatschefs moslemischer Länder wie Herr Gaddafi oder Herr Erdogan die Dreistigkeit hier in einer Art und Weise Werbung für [...] mehr...

30.08.2010 von Sveto: ....

Herr Qadafi sieht Helge Schneider nicht nur verdammt ähnlich, er hat auch eine vergleichbare Begabung für das absurd-komische.... mehr...

30.08.2010 von zephyros: Gaddafi und Berlusconi..

..da haben sich doch echt 2 gesucht und gefunden. Showtime wie zu Zeiten von Brot und Spielen, das dumme Volk macht den Zirkus belustigt mit, die Presse kriegt auch ein paar Schlagzeilen (Models!, Beduinenzelt!, Koran! ahaa)...und [...] mehr...

30.08.2010 von QuixX: Eiche, Wildsau, kratzen

Alles keine Demokraten. Hier herrscht Frieden. Wenn man von Provokationen absieht, die uns einen winzigen Bruchteil des Tributes eines Krieges abfordern. mehr...

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Zur Person

DPA
Muammar al-Gaddafi ist der dienstälteste arabische Machthaber. 40 Jahre nach der Revolution herrscht er über ein Land, das mit den klassenkämpferischen Parolen seines "Grünen Buches" nur noch wenig gemein hat.

Lesen Sie hier mehr über Gaddafi, sein Superzelt und seine Drohungen...







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