Mannheim - Montagmorgen, kurz vor neun Uhr vor dem Landgericht Mannheim. Reporter, Sicherheitsleute, Schaulustige - sie alle warten auf den prominenten Angeklagten, Wettermoderator Jörg Kachelmann.
Und dann kommt er. In einem schwarzen Van, betont lässig, wie man ihn kennt: Dreitagebart, weißes Oberteil, darüber die speckige Lederjacke.
Doch der Mann, der vor laufenden Kameras das Fenster herunterkurbelt, ist nicht der Journalist. Es ist Comedian Oliver Pocher. "Ich bin unschuldig", ruft er den Reportern zu.
Ab in die Tiefgarage
Für seine Sat.1-Show hat er sich als Kachelmann verkleidet, will die versammelten Pressevertreter an der Nase herumführen. Immerhin: Die Security geht ihm auf den Leim, lässt den Wagen mit dem vermeintlichen Angeklagten samt Kamerateam in die Tiefgarage.
Ein paar Minuten, die Kameras der Nachrichtensender berichten live, geht das Spektakel weiter. Pocher, nun unschwer zu erkennen, verliest ein Statement an die Medien, faselt etwas von "Hexenjagd" und einem vermeintlichen "TV-Projekt". Umringt wird er dabei von einer Galerie junger Frauen mit weißen T-Shirts, auf denen das Wort "Lausemädchen" steht. So hat Kachelmann angeblich seine zahlreichen Geliebten tituliert.
Doch was bei Hape Kerkeling und seinem Auftritt als Königin Beatrix einst ein großer Spaß war, gerät bei Pocher bloß zur peinlichen Selbstdarstellung. Auch sein Publikum merkt schnell, dass ein Vergewaltigungsprozess sich nicht unbedingt als Bühne für billigen Klamauk eignet.
Dann hat der Spuk ein Ende. Im Gerichtssaal ist inzwischen der echte Kachelmann eingetroffen. Ganz ohne Medienrummel. Durch den Hintereingang.
kng
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