60. Thronjubiläum der Queen Die rätselhafte Monarchin

Je länger Elizabeth II. regiert, desto legendärer wird sie. Zum 60. Thronjubiläum ist die Queen in Großbritannien beliebter denn je - wohl auch, weil sie ihren Landsleuten immer noch ein Rätsel ist.

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Ihre säuerliche Miene ist sprichwörtlich, das versteinerte Gesicht kennen Milliarden Menschen rund um die Welt. Die Queen ist "not amused", heißt es dann.

Seit einigen Wochen taucht dieses Gesicht wieder vermehrt in den britischen Zeitungen auf. An diesem Montag ist es 60 Jahre her, dass Elizabeth Windsor Königin von England wurde. Sie war damals 25 Jahre alt, an jenem 6. Februar 1952, an dem ihr Vater starb.

Groß gefeiert wird das diamantene Thronjubiläum erst im Juni, wenn das Wetter besser ist. Vier Tage werden die Festlichkeiten dauern, die in einer gigantischen Flottenparade mit tausend Booten auf der Themse gipfeln. Sie sollen eine ähnliche Royals-Begeisterung auslösen wie die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton im vergangenen Jahr.

Doch schon jetzt mehren sich die Hymnen auf die Frau, die den Thron bestieg, als Großbritannien noch ein Empire war. In den Buchhandlungen stapeln sich die Neuerscheinungen zur "Diamond Queen", die BBC hat ihre umfangreichen Archive durchstöbert, und die Kommentatoren sind sich einig, dass dieses Staatsoberhaupt ein großer Glücksfall für das Land ist.

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60 Jahre Königin: Diamantenes Thronjubiläum der Queen
"Ohne sie wäre Großbritannien grauer und mittelmäßiger gewesen", schreibt BBC-Moderator Andrew Marr in seiner neuen Biografie. Schon mit ihren Hüten hat die Queen stets einen Farbtupfer gesetzt - ganz zu schweigen von dem Pomp der jährlichen Paraden, Hochzeiten - und auch Beerdigungen.

"Aufgestanden. Pflicht erfüllt. Ins Bett gegangen"

Außer Queen Victoria ist Elizabeth II. erst die zweite Monarchin, die diese Jubiläumsmarke erreicht. Doch ist nach ihr kein Zeitalter benannt, sie hat keine besonderen Akzente in der Gesellschaft gesetzt. Elizabeth erfüllt nur stoisch ihr Programm. Tagein, tagaus, 60 Jahre lang. Ihr Alltag lasse sich in drei Sätzen zusammenfassen, bemerkte die königstreue "Daily Mail": "Aufgestanden. Pflicht erfüllt. Ins Bett gegangen."

Im Unterschied zu Ehemann Prinz Philip sind keine denkwürdigen Zitate von ihr überliefert. Und anders als Sohn Prinz Charles mischt sie sich grundsätzlich nicht in aktuelle politische Debatten ein. Darin, glauben Kritiker wie Fans, liege ihr Erfolgsgeheimnis. Ihre Profillosigkeit macht sie zur breitestmöglichen Projektionsfläche für die Wünsche und Vorstellungen der Briten.

Und die Zeit arbeitet für sie. Je länger Elizabeth auf dem Thron sitzt, desto legendärer wird sie. "Die Queen war einfach immer schon da", fasst Marr das Verhältnis der Briten zu ihrem Staatsoberhaupt zusammen. Sie erinnern sich an die junge Frau, die vier Kinder großzog. Die Skandale, als diese Kinder erwachsen wurden. Die schmutzigen Scheidungskriege und Indiskretionen, die die Monarchie in ihre schwerste Krise stürzten.

Ihre Beliebtheitswerte liegen bei über 80 Prozent

Die Queen geriet damals in den neunziger Jahren ernstlich ins Schlittern. Prinzessin Diana forderte eine neue Art von Monarchie - volksnäher, emotionaler, kommunikativer -, und ihre Schwiegermutter schien dieser Herausforderung nicht gewachsen. Doch sie hat die Krise unbeschadet überstanden und genießt heute mehr Respekt als je zuvor. Ihre Beliebtheitswerte liegen bei über 80 Prozent.

Das bemerkenswerte Comeback hat auch mit ihrem Alter zu tun. Ihre schiere Ausdauer ruft Bewunderung hervor. Die 85-Jährige, die 20-stündige Flugreisen unternimmt und scheinbar nicht kürzer tritt, gilt als Vorbild an Pflichterfüllung. Sie ist Staatsoberhaupt von 16 Ländern, von Australien bis Tuvalu, das erfordert anstrengende Reisen.

Ihre robuste Konstitution lässt Beobachter wetten, dass sie den Amtsrekord von Queen Victoria mit Leichtigkeit einstellen wird: Im September 2015 wäre sie die dienstälteste Monarchin aller Zeiten. Dieser Rekord wäre dann wohl für die Ewigkeit.

Elizabeth II. ist unverkennbar ein Kind der Weltkriegsgeneration. Gejammert wird nicht, Gefühle behält sie für sich, Protz gilt als unfein. Obwohl sie jedes Jahr Millionen ausgibt und in königlichem Luxus lebt, hat Elizabeth das Kunststück vollbracht, in der Öffentlichkeit als sparsam, ja knauserig zu gelten.

Lächeln, winken, schweigen

Ihr Leben wurde von Geburt an fotografiert, dokumentiert und unablässig beobachtet. Durch Indiskretionen von Palastbediensteten sind im Laufe der Jahre ihre Fernsehgewohnheiten ("Kojak"), Frühstücksvorlieben (Toast) und andere Anekdoten in die Öffentlichkeit gelangt. Doch auch nach all den Jahren ist die Frau aus dem Palast ihren Landsleuten immer noch ein Rätsel, ihre Gedanken ein Geheimnis. In 60 Jahren hat sie nicht ein einziges Interview gegeben. Eisern hält sie sich an die Grundregel: lächeln, winken, schweigen.

Ihre Kritiker mutmaßen, dass sie schlagartig deutlich unbeliebter wäre, wenn sie den Mund aufmachen würde. Ihre Ansichten seien wahrscheinlich stockkonservativ und nicht im Einklang mit großen Teilen der Bevölkerung. Das mag sein, doch erfahren wird man es wohl nie. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass die Queen auf ihre alten Tage geschwätzig werden will.

Wenn es ein Thema gibt, bei dem selbst die Queen so etwas wie den Volkszorn zu spüren bekommt, dann ist es das Geld. Gerade erst sorgte Bildungsminister Michael Gove für einen Proteststurm, als er öffentlich darüber nachdachte, dem Staatsoberhaupt zum Jubiläum eine neue Yacht zu schenken - als Dankeschön für ihre Dienste. Die alte royale Yacht "Britannia" war 1997 von der Labour-Regierung außer Dienst gestellt worden, die Queen soll damals eine Träne vergossen haben. Goves Vorschlag wurde mit Hohn und Spott quittiert. Zwar sollte das Boot privat finanziert werden, doch die Geste schien in Zeiten des Sparkurses unangebracht.

Auch diese Episode zeigt, wie unverrückbar der Ruf der Queen ist - oder wie geschickt ihre Öffentlichkeitsarbeiter agieren. Elizabeth habe von diesem Plan nichts gewusst, wurde sogleich in den Medien kolportiert. Sie selbst hätte dieses Geschenk auch als vollkommen unangemessen gefunden.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
pförtner 06.02.2012
1. Gottschütze die Queen
Zitat von sysopJe länger Elizabeth II. regiert, desto legendärer wird sie. Zum 60. Thronjubiläum ist die Queen in Großbritannien*beliebter denn je - wohl auch, weil sie ihren Landsleuten immer noch ein Rätsel ist. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,813210,00.html
Sie ist eben von allen amtierenden und regierenden die Ehrlichste und Anständigste. Herzlichen Glückwunsch und ein langes Leben. Gott schütze die Queen!!!
theodorheuss 06.02.2012
2. Ehepaar Wulff
Zitat von sysopJe länger Elizabeth II. regiert, desto legendärer wird sie. Zum 60. Thronjubiläum ist die Queen in Großbritannien*beliebter denn je - wohl auch, weil sie ihren Landsleuten immer noch ein Rätsel ist. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,813210,00.html
bitte ein Beispiel nehmen -lächeln, winken, und vor allem SCHWEIGEN!- Auch die andere Maxime dürfen sie gern beherzigen -aufstehen, pflichterfüllen, schlafen gehen-
own_brain_user 06.02.2012
3. Was das wieder kostet ...
Andererseits: Wir haben es billiger mit unserem Grüßaugust. Dagegen dürften die Briten sich sagen: Billig können wir uns nicht leisten ...
felisconcolor 06.02.2012
4. Einen herzlichen
Zitat von sysopJe länger Elizabeth II. regiert, desto legendärer wird sie. Zum 60. Thronjubiläum ist die Queen in Großbritannien*beliebter denn je - wohl auch, weil sie ihren Landsleuten immer noch ein Rätsel ist. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,813210,00.html
Glückwunsch. Eine bemerkenswerte Frau. Stetig present, aber nie Aufdringlich. Sie erinnert mich ein wenig an meine Großmutter. Eine Frau die mit einer Ruhe ihre Familie führte, die schon als überirdisch zu bezeichnen war. Ich gönne der Queen noch viele Jahre in ihrem Amt. Prinze Charles wird wohl nie König werden, aber ich denke mittlerweile ist er wohl ganz froh drüber. God bless the Queen
r.horn 06.02.2012
5. "Preis"frage
Zitat von own_brain_userAndererseits: Wir haben es billiger mit unserem Grüßaugust. Dagegen dürften die Briten sich sagen: Billig können wir uns nicht leisten ...
Außerdem : Billig wirkt eben auch nur billig.
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