New York - Sie verdächtigte ihre Mutter, ihre Schwester und ihren Freund: Immer wieder fanden sich Details aus dem Privatleben von Schauspielerin Sienna Miller in der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung "News of the World". Die Schauspielerin konnte sich die Veröffentlichungen nur noch auf eine Weise erklären - die Personen in ihrem engsten Umfeld mussten Informationen an die Presse verkauft haben.
Miller sah in der Situation nur einen Ausweg: Sie brachte falsche Geschichten über sich in Umlauf, um Vertraute zu testen. Sie sei zunehmend paranoid geworden, erzählte die ehemalige Freundin von Schauspieler Jude Law in der am Donnerstag ausgestrahlten "Today"-Show des amerikanischen Fernsehsenders NBC. "Ich habe meiner besten Freundin Dinge erzählt um zu testen, ob sie herauskommen - das ist nie passiert."
Miller war Stammgast in den Klatschspalten der Blätter von Medienmogul Rupert Murdoch, zu seinem Konzern gehörte auch " News of the World". "Ich wurde gejagt, belästigt - es hat mich körperlich krank gemacht", sagte Miller NBC. "Es hat sich auf Beziehungen, Freundschaften, meine Karriere ausgewirkt."
Die Überzeugung, dass keine Person aus ihrem Umfeld hinter den Veröffentlichungen steckte, kam bei Miller erst allmählich. Sie sei misstrauisch geworden, als ihr Nachrichten auf der Mailbox hinterlassen wurden, die sie nie bekommen habe. Im April gab das Blatt dann zu, Millers Mailbox abgehört zu haben.
Darauf zog die Schauspielerin vor Gericht und bekam von der Zeitung eine Entschädigung von 100.000 Pfund. Zwischen 2005 und 2006 waren laut Berichten des "Guardian" elf Artikel über Miller in der "News of the World" erschienen, die auf Telefonüberwachung schließen ließen. Zeitweise habe sie Angst gehabt, sich mit Murdoch anzulegen, sagte Miller. Aber: "Es war zu abscheulich, es nicht öffentlich zu machen."
Der Abhörskandal hat Murdochs Medienimperium erschüttert und nicht nur in Großbritannien für Empörung gesorgt. "News of the World" soll neben dem Mobiltelefon von Miller unter anderem auch die Geräte von Schauspielerin Gwyneth Paltrow, Londons Bürgermeister Boris Johnson, Paul McCartneys Ex-Frau Heather Mills und des früheren englischen Fußballstars Paul Gascoigne angezapft haben. Insgesamt soll "News of the World" Telefone von bis zu 4000 Prominenten und Privatleuten bespitzelt haben, darunter Soldatenwitwen und Mordopfer.
ulz/dapd
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