Seattle - Vier Jahre saß die Amerikanerin Amanda Knox wegen Mordverdachts in einem italienischen Gefängnis. Sie und ihr Ex-Freund sollten laut Anklage 2007 in Perugia die britische Studentin Meredith Kercher bei ausufernden Sexspielen getötet haben. Doch in zweiter Instanz wurden beide freigesprochen.
Ende April erscheinen die Memoiren der 25-Jährigen: "Waiting to Be Heard". Kaum ein Kriminalfall wurde je von solch einem Medienzirkus begleitet, er bot bereits Stoff für Bücher und einen Spielfilm. Und nun legt die Hauptprotagonistin nach, ein programmierter Bestseller. Die Autorin und der Verlag haben die Ouvertüre gestartet, die PR-Maschine läuft auf Hochtouren: Medien veröffentlichen Teile vorab, Knox gibt fleißig Interviews.
Dem US-Magazin "People" sagte sie, sie sei manchmal immer noch gelähmt vor Angst. "Die Dinge beschleichen mich manchmal, und ganz plötzlich bin ich überwältigt von dem Gefühl von Hilflosigkeit und dieser Verzweiflung und der Angst, nur zu hoffen", so Knox zu "People", das Auszüge aus dem Interview auf seiner Webseite veröffentlichte. "Das allein kann mein Herz zum Rasen bringen und macht mich gelähmt, bis ich es wegatmen kann." Amanda Knox lebt seit 2011 wieder in den USA.
Im Falle einer Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe habe sie überlegt, sich umzubringen, schreibt sie in ihrem Buch, von dem der US-Sender ABC Television News Auszüge vorab veröffentlichte. Sie habe sich "sich selbst als Leiche vorgestellt" und angefangen zu verstehen, warum Menschen sich so eingeschlossen in ihrem Leben fühlten, dass sie keinen anderen Ausweg sähen. "Auch wenn das bedeutet, dass man nicht länger existiert." Sie habe aber auch überlegt, nach ihrer Freilassung ein Kind zu adoptieren.
Mit Veröffentlichung des Buches am 30. April wird der Sender ein Interview mit Knox ausstrahlen. Laut "People" bemüht sich Knox, zurück zu kehren zur Realität. Sie gehe auf ein College und sei mit einem Jungen aus ihrer Heimatstadt zusammen.
Doch ihre Vergangenheit könnte sie schon bald wieder einholen: Der Oberste Kassationsgerichtshof in Rom entschied vor kurzem, dass der Fall neu verhandelt werden muss.
gam/Reuters/AP
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