Prozess in Florenz Amanda Knox will Familie von Mordopfer Kercher treffen

"Ich will ihr direkt sagen, dass ich nichts mit dem Mord an Meredith zu tun habe." Kurz vor Ende des Verfahrens hat sich die Hauptangeklagte Amanda Knox in einem Zeitungsinterview an die Opferfamilie gewandt. Sie möchte die Angehörigen persönlich treffen.

Amanda Knox: "Ich will ihr direkt sagen, dass ich nichts mit dem Mord an Meredith zu tun habe."
REUTERS

Amanda Knox: "Ich will ihr direkt sagen, dass ich nichts mit dem Mord an Meredith zu tun habe."


Florenz - Der Prozess um den Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher geht in die finale Phase. Ende Januar wird das Urteil des Berufungsgerichts in Florenz erwartet. Die Hauptangeklagte Amanda Knox ist offenbar zuversichtlich, dass das Gericht zu ihren Gunsten entscheiden wird. Nun wünscht sie sich sogar eine Versöhnung mit der Familie des Opfers. "Ich will ihr direkt sagen, dass ich nichts mit dem Mord an Meredith zu tun habe, dass ich sie gern hatte und wir Freundinnen waren", sagte die 26-Jährige der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".

Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito wird vorgeworfen, Kercher 2007 brutal getötet zu haben. Die Studentin war halbnackt und mit durchschnittener Kehle in ihrem WG-Zimmer in Perugia gefunden worden. Beide bestreiten die Tat. Vor dem Berufungsgericht hielten am Donnerstag Sollecitos Anwälte als letzte ihre Plädoyers. "Für manche Ermittler sind die ersten Verdächtigen wie die erste Liebe, man vergisst sie nicht", kritisierte seine Verteidigerin. Die Bevölkerung habe Angst vor einem Monster gehabt und einen Schuldigen gewollt, also seien Knox und Sollecito in Rekordzeit festgenommen worden.

Das Gericht hat jetzt noch zwei weitere Termine anberaumt. Am 20. Januar haben beide Seiten die Möglichkeit, auf die Plädoyers zu reagieren.

Knox selbst war nach einem Freispruch in die USA zurückgekehrt und nimmt nicht am Verfahren teil. "Ich wäre für den Prozess zurückgekommen. Italien fehlt mir sehr", sagte sie nun "La Repubblica". "Aber ich habe Angst, ich war für vier Jahre im Gefängnis, ohne etwas Böses getan zu haben und obwohl ich meine Unschuld herausgeschrien habe, hat mir niemand geglaubt." Daran ändert sich demnach auch nichts, falls sie verurteilt werde. "In diesem Fall wäre ich, wie sagt man, eine Flüchtige", zitiert die Zeitung sie.

Sie sei vor dem Urteil optimistisch, habe aber auch Angst. Sie erwarte, dass nun "ein für alle Mal festgestellt wird, dass ich meine Freundin Meredith nicht ermordet habe". Mit Sollecito habe sie in den vergangenen Wochen oft telefoniert. "Er ist sehr viel optimistischer als ich. Er glaubt an die Gerechtigkeit und ist überzeugt, dass sich alles auflöst", so Knox.

Die Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen von 30 und 26 Jahren für Knox und Sollecito. Das Urteil in zweiter Instanz soll am 30. Januar gesprochen werden. Nach Angaben des Anwalts der Familie Kercher wollen dann auch der Bruder und die Schwester des Opfers nach Florenz reisen. Ob sie einem Treffen mit Knox zustimmen, hat die Familie nicht kommentiert.

Knox und Sollecito waren 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 jedoch freigesprochen worden. Im März hatte Italiens höchstes Gericht den Freispruch kassiert.

gam/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Omes 09.01.2014
1. Staatsanwalt pervers
Der Staatsanwalt übertrug seine perversen Phantasien auf zwei harmlose junge Leute, die nie in irgendeiner Form auffällig waren - weder vor noch nach der Tat. Angeblich haben die beiden zwischendurch mal eben kurz im "Sex-Rausch" unter Cannabis-Einfluß ein Mädchen hingemetzelt, weil dieses "nicht mitmachen wollte bei den Sex-Spielchen". Da offenbart der Ankläger seine kranke Gedankenwelt. Die paßt aber nicht zu den real gelebten Leben der beiden Angeklagten und ebenso passt das nicht zur Wirkung von Haschisch. Dazu noch die Medien mit ihrem "Eisaugen-Engel"-Geschmiere und fertig ist die Justiz-Soße von der es mir speiübel war. Der Fall hat wiedermal die grobe Unfähigkeit heutiger europäischer Institutionen aufzeigt. Man kann nur hoffen, nie in ein derartig perverses Räderwerk zu geraten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.