Thronwechsel in Amsterdam: Oranje im royalen Rausch

Aus Amsterdam berichtet

Eine Unterschrift, ein Amtseid - und zwischendrin rührende Momente: Der Thronwechsel von Beatrix zu Willem-Alexander war ein Volksfest in Oranje. Doch hier und da trübten Antimonarchisten die Stimmung.

Amsterdam - Der König der Niederlande hat kein Geschenk für seine Mutter. Dabei ist ein "cadeautje" bei Huldigungszeremonien im Hause Oranien-Nassau durchaus üblich. Königin Juliana überreichte ihrer Mutter Wilhelmina den Willemsorden, Beatrix ihrer Mutter 1980 den Koninginnedag, der seither jedes Jahr am 30. April gefeiert wird.

Trotzdem macht Willem-Alexander seiner Mutter das wohl beste Geschenk an diesem Tag: einen denkwürdigen Abschied. "Liebe Mutter", wendet er sich in seiner Rede an sie. "Du warst Königin im vollen Bewusstsein der damit verbundenen Verantwortlichkeiten. Den Pflichten deines Amtes hast du dich mit vollem Einsatz gewidmet. Aber du warst auch Tochter, Ehefrau, Familienoberhaupt und Mutter. Auch jeder dieser Verantwortlichkeiten wolltest du voll und ganz gerecht werden. Das führte manchmal zu inneren Spannungen."

Es ist eine Anspielung auf die schwierigen Zeiten während ihrer Amtszeit. Die Straßenproteste bei ihrer Krönung, die vielen Krisen im Land. Aber es ist auch ein Erinnern an die Probleme zu Hause, als Willem-Alexanders Vater Prinz Claus erkrankte und er selbst mehr durch Trunkenheitseskapaden als Kronprinzenkompetenz auffiel. An seinen Bruder Friso, der nach einem Skiurlaub im Koma liegt. "Aber du hast es verstanden, deine vielen Pflichten beherzt miteinander in Einklang zu bringen", sagt er. "Auf dich war immer Verlass."

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Amsterdam: Die Amtseinführung des neuen Königs
Es folgt ein sehr, sehr langer Applaus, bei dem die 75-Jährige mit den Tränen kämpft. In der Kirche und vor allem auf dem Dam-Platz jubeln die Menschen ihrer Bea zu. Vor 33 Jahren flogen bei ihrer Amtseinführung Rauchbomben. Heute ist die Stimmung vor der Nieuwe Kerk ungebrochen gut. Zigtausende Menschen auf dem Platz, zwischenzeitlich musste die Polizei den Platz schließen. Es ist ein guter Tag zum Abdanken und ein guter Tag, um König der Niederlande zu werden.

"De Koning!" So hat der Zeremonienmeister Willem-Alexander in der Nieuwe Kerk begrüßt. Seit 10.07 Uhr, seit seine Mutter die Abdankungsurkunde unterschrieben hat, ist der 46-Jährige König der Niederlande.

Die Huldigungszeremonie ist prunkvoll: Máxima trägt königsblau und Tiara. Das Kleid ist vom Amsterdamer Designer Jan Taminiau, das Krönchen ein Familienerbstück. König Willem III ließ das mit Saphiren besetzte Schmuckstück für seine Frau Emma anfertigen. Der König im Frack und Hermelinmantel - zum Ärger von Tierschutzorganisationen.

Auch Beatrix trägt blau und endlich Hut. Entspannt wirkt sie, fast erleichtert, sie macht ihrem Spitznamen "Prinzessin Lächeln" alle Ehre. Vergnügt sitzt sie mit ihren drei Enkelinnen Amalia, Alexia und Ariane, in der ersten Reihe.

Bei anderen Monarchen muss der neue König erst vorstellig werden

Dem neuen Königspaar steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Willem-Alexander ist ungewohnt ernst, seine Frau Máxima kämpft gegen die Tränen. Sie halten sich an den Händen und aneinander fest.

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Amtseinführung: Königliche Bootspartie
Prinz Charles und Camilla sind angereist, die Prinzenpaare aus Schweden und Dänemark, Thailand, Katar, sogar die öffentlichkeitsschüchterne Prinzessin Masako aus Japan ist gekommen. Es sind ausschließlich Kronprinzenpaare eingeladen - bei den verschiedenen Monarchen muss das frische Königspaar erst vorstellig werden, so will es das Protokoll.

Willem-Alexander legt den Eid auf die Verfassung ab, die Repräsentanten der Generalstaaten huldigen ihm im Gegenzug. Krone und Insignien bleiben unangetastet - ein Brauch aus alten Zeiten, bis 1813 waren die Niederlande eine Republik.

Monarchiegegner kritisieren Willem-Alexanders steuerfreies Einkommen

Nicht alle feiern an diesem Tag das neue Staatsoberhaupt. Rund anderthalb Kilometer entfernt vom Dam-Platz treffen sich die Gegner der Monarchie am Waterlooplein. Einige Dutzend Anti-Royalisten haben sich hier gefunden, allesamt in weiß gekleidet, die Antithese zum allgegenwärtigen Orange. Wie viele in der Stadt protestieren, ist unbekannt. Sechs Orte haben die Behörden für Demonstranten festgelegt, deswegen rufen die Organisatoren zum individuellen Protest auf. Als einzelne Person darf man seine Antipathie kundtun. Einige der Individual-Protestler werden trotzdem von der Polizei vom Dam-Platz gefischt.

12 Millionen Euro kostet der Thronwechsel, 825.000 Euro verdient Willem-Alexander netto im Jahr - steuerfrei. Die Monarchiegegner haben viele solcher Zahlen parat. Das sei nicht demokratisch, sagen sie, vor dem Gesetz solle jeder gleich sein.

Während die Monarchiegegner weiter ihre Weg-mit-der-Monarchie-Sticker verteilen, schreitet die königliche Entourage zu den nächsten Programmpunkten: Am Abend wird der neue König der Niederlande sein Volk vom Schiff aus grüßen. Dann wird in der Stadt bis in die Nacht hinein gefeiert, auch André Rieu wird mit seinem Orchester ein Ständchen spielen.

Königin Máxima, die lebensfrohe Argentinierin, muss sich künftig ein wenig bremsen. "Sie ist sich der persönlichen Zurücknahme bewusst, die ihre Position mitunter von ihr verlangt", sagte der 46-Jährige in seiner Rede. Sie sei bereit, sich in den Dienst des Königreichs zu stellen. Und das sei Máximas Geschenk an den neuen König.

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1. Monarchie
Klarstellung 30.04.2013
Ich habe erst gedacht ich lese Gala's Hofberichterstattung oder gar die Bunte, aber weit gefehlt es war tatsaechlich der SPON. Traurig, da schiessen sie in Syrien den Menschen foermlich die Koepfe weg, da gibt es wahrlich auf der Welt bedeutenderes zu berichten als so einen Mist, aber nein wir ergehen uns in wahrer Kaisernostalgie. Wer braucht den irrwitzigen kostenverursachenden Anachronismus und dazu noch in der heutigen Zeit? In Schaerpe und mit Krone auf dem Kopf rumstolzieren? Das Geld koennte doch besser den Obdachlosen in Amsterdam gespendet oder fuer die Erhoehung der Deiche investiert werden, denn irgendwann saufen sie dort alle ab, eine einzige fette Nordseewelle reicht schon aus und dann oh Schreck kommen die alle zu uns rueber:) Die repraesentativen Pflichten kann doch auch besser der Premierminister wahrnehmen, ehrlich gesagt braucht keiner mehr die Monarchie. Gleiches gilt fuer UK wo eine alte Tante sich hartnaeckig und verzweifelt an ihr Amt klammert (armer Charles), oder in Spanien die einen schiesswuetigen immer auf Safari weilenden Koenig beschaeftigen und das in einem Land mit 26% Arbeitslosigkeit und das zudem noch kurz vor der kompletten Pleite steht, es ist einfach nur peinlich. Abschaffen und in wohlverdiente Rente schicken und das ganz bitte umgehend und dann von mir aus eine Republik werden. Nur mal so.
2. Wilhelm von Nassau bin ich von deutschem Blut...
rokitansky 30.04.2013
Zitat von sysopEine Unterschrift, ein Amtseid - und zwischendrin rührende Momente: Der Thronwechsel von Beatrix zu Willem-Alexander war ein Volksfest in Oranje. Doch hier und da trübten Antimonarchisten die Stimmung. Amsterdam: Willem-Alexander ist neuer König der Niederlande - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/amsterdam-willem-alexander-ist-neuer-koenig-der-niederlande-a-897470.html)
Oh Du glückliches Völkchen der Niederlande wie beneide ich unsere Nachbarn, die wie ein Niederländer es selbst ironisch formulierte- besseren Deutschen. Sie haben keine Affären mit ihren Präsidenten, nein sie haben ihren König Wilhelm Alexander mit einer bezaubernden Königin Maxima und 3 hübschen Töchtern, wovon Amelie die künftige Königin sein wird. Heute an einem solchen Jubeltag nach 33 Jahren Beatrix wird einem bewußt, dass die Geschichte doch grausam ist und wir irgendetwas falsch gemacht haben. Ich muß meinem Vorforisten widersprechen, SPON darf und soll berichten, denn hier geht es nicht um ein Märchenland sondern um unseren engen Nachbarn, der ein neues Staatsoberhaupt bekommen hat kraft Erbfolge. Glückwunsch Ihr Niederländer zur Eurer Königsfamilie und der erpräsentativen Monarchie!
3. Warum regen sich hier soviele Deutsche darüber auf,
dequincey 30.04.2013
Zitat von KlarstellungIch habe erst gedacht ich lese Gala's Hofberichterstattung oder gar die Bunte, aber weit gefehlt es war tatsaechlich der SPON. Traurig, da schiessen sie in Syrien den Menschen foermlich die Koepfe weg, da gibt es wahrlich auf der Welt bedeutenderes zu berichten als so einen Mist, aber nein wir ergehen uns in wahrer Kaisernostalgie. Wer braucht den irrwitzigen kostenverursachenden Anachronismus und dazu noch in der heutigen Zeit? In Schaerpe und mit Krone auf dem Kopf rumstolzieren? Das Geld koennte doch besser den Obdachlosen in Amsterdam gespendet oder fuer die Erhoehung der Deiche investiert werden, denn irgendwann saufen sie dort alle ab, eine einzige fette Nordseewelle reicht schon aus und dann oh Schreck kommen die alle zu uns rueber:) Die repraesentativen Pflichten kann doch auch besser der Premierminister wahrnehmen, ehrlich gesagt braucht keiner mehr die Monarchie. Gleiches gilt fuer UK wo eine alte Tante sich hartnaeckig und verzweifelt an ihr Amt klammert (armer Charles), oder in Spanien die einen schiesswuetigen immer auf Safari weilenden Koenig beschaeftigen und das in einem Land mit 26% Arbeitslosigkeit und das zudem noch kurz vor der kompletten Pleite steht, es ist einfach nur peinlich. Abschaffen und in wohlverdiente Rente schicken und das ganz bitte umgehend und dann von mir aus eine Republik werden. Nur mal so.
wie die Menschen in anderen Ländern leben? Durch diese arrogante Besserwisserei sind wir Deutsche so schlecht im Ausland angesehen! Wie würden Sie es empfinden, wenn die Niederländer sich über unserer Staatsform in gleicher Weise echauffieren und uns Ratschläge zur Einführung einer Monarchie geben würden? Gut dass SPON Leuten wie Ihnen immer wieder die Möglichkeit gibt sich zu outen, man könnte sonst glauben, dass wir ein tolerantes und aufgeklärtes Volk sind.
4. Soso
Atomkrafteimer 30.04.2013
Zitat von KlarstellungIch habe erst gedacht ich lese Gala's Hofberichterstattung oder gar die Bunte, aber weit gefehlt es war tatsaechlich der SPON. Traurig, da schiessen sie in Syrien den Menschen foermlich die Koepfe weg, da gibt es wahrlich auf der Welt bedeutenderes zu berichten als so einen Mist, aber nein wir ergehen uns in wahrer Kaisernostalgie. Wer braucht den irrwitzigen kostenverursachenden Anachronismus und dazu noch in der heutigen Zeit? In Schaerpe und mit Krone auf dem Kopf rumstolzieren? Das Geld koennte doch besser den Obdachlosen in Amsterdam gespendet oder fuer die Erhoehung der Deiche investiert werden, denn irgendwann saufen sie dort alle ab, eine einzige fette Nordseewelle reicht schon aus und dann oh Schreck kommen die alle zu uns rueber:) Die repraesentativen Pflichten kann doch auch besser der Premierminister wahrnehmen, ehrlich gesagt braucht keiner mehr die Monarchie. Gleiches gilt fuer UK wo eine alte Tante sich hartnaeckig und verzweifelt an ihr Amt klammert (armer Charles), oder in Spanien die einen schiesswuetigen immer auf Safari weilenden Koenig beschaeftigen und das in einem Land mit 26% Arbeitslosigkeit und das zudem noch kurz vor der kompletten Pleite steht, es ist einfach nur peinlich. Abschaffen und in wohlverdiente Rente schicken und das ganz bitte umgehend und dann von mir aus eine Republik werden. Nur mal so.
Sie übersehen in Ihrer sinnfreien Tirade nur eine Kleinigkeit: Die Niederländer wollen es so. Wenn Sie also schon in bester republikanischer Manier über derartiges herziehen, sollten Sie vielleicht auch das wichtigste Grundprinzip einer modernen, demokratischen Republik beherzigen: Die Mehrheit entscheidet. Es sei denn, Sie gehören auch nur zu jener Gruppe von Pseudo-Demokraten, die Entscheidungen - insbesondere anderer Staaten - nur so lange respektieren, wie sie sich mit dem eigenen Weltbild decken. Es steht uns schlicht nicht zu dies zu be- oder verurteilen. Und P.S.: Wenn es Sie beruhigt, die Niederlange investieren kontinuierlich in die Erhöhung ihrer Deiche bzw. den Küstenschutz. Die wissen schon sehr viel länger und besser als Sie, was sie da tun.
5.
prqc 30.04.2013
Zitat von Klarstellungin wohlverdiente Rente schicken und das ganz bitte umgehend und dann von mir aus eine Republik werden. Nur mal so.
Na ja, wieder mal ein typisch deutscher Kommentar von einem Foristen: Wenn Sie also gegen einen "kostenverursachenden Anachronismus" sind, dann könnten Sie doch vielleicht näher bei uns zuhause anfangen. Wie wäre es das Amt des Bundespräsidenten mit dem des Bundeskanzlers zu fusionieren, anstatt zwei Staatsspitzen zu haben? Wir wissen doch alle, dass der Bundeskanzler alle exekutive Vollmachten in sich vereint: Ergo, was soll das Kasperletheater mit einem zusätzlichen Bundespräsidenten? Jetzt werden die Konstitutionalisten im Forum einwenden: "Aber aber, das hat historische Gründe - von wegen NS-Zeit, als Hitler Führer und Reichskanzler war." Oder auch Gründe wie "Irgendjemand muss doch die moralischen Prinzipien in der Politik abseits des Tagesgeschäfts vertreten" und so weiter. Also, in Deutschland sieht auch niemand die Notwendigkeit einer durchaus folgerichtigen Fusionierung dieser Ämter. Wieso soll also der Rest Europas mal wieder am deutschen Wesen genesen. Ich glaube nicht, dass wir unbedingt mit unseren 3 Bundespräsidenten in ebensovielen Jahren ein Vorbild in puncto Staatsoberhäupter abgeben. Ich glaube auch nicht, dass Sie im UK oder in NL waren. Ich habe lange Zeit in Grossbritannien gelebt - die Queen und die Königsfamilie sind sehr beliebt, und die werten Untertanen nehmen auch die Privilegien sattsam hin, denn die Royals bringen ja auch Glanz ins Land. Ach ja, und Tradition - ein Wort, das in Deutschland dank der militanten und renitenten 68er-Generation ja inzwischen verpönt ist. Ich lebe inzwischen seit nunmehr fast zwei Jahren in den Niederlanden - die Monarchie ist hier weitestgehend akzeptiert, die Anti-Monarchisten werden (trotz liberaler Werte der Niederländer) eher als Störenfriede belächelt. Was die Kosten angeht: Der Bereitschaftsdienst des Bundestages und die Altersversorgung der Abgeordneten in D kostet mehr. Wetten?
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Fläche: 41.528 km²

Bevölkerung: 16,730 Mio.

Hauptstadt: Amsterdam

Regierungssitz: Den Haag

Staatsoberhaupt: König Willem-Alexander

Regierungschef: Mark Rutte

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