Schutz vor Cyber-Attacken Schweizer Armeechef hortet Notvorräte

300 Liter Mineralwasser und jede Menge Holz: Der Schweizer Armeechef ist auf neue Risiken wie Cyber-Angriffe oder Stromausfälle bestens vorbereitet. Im Interview mit der "Schweiz am Sonntag" rät er der Bevölkerung, ihm nachzueifern.

Schweizer Armeechef André Blattmann: "Wie viele Wasservorräte haben Sie zu Hause?"
DPA

Schweizer Armeechef André Blattmann: "Wie viele Wasservorräte haben Sie zu Hause?"


Bern - Für die "Schweiz am Sonntag" dürfte es geradezu eine Chronistenpflicht gewesen sein: Das Blatt veröffentlichte ein Interview mit einem Experten zur veränderten Sicherheitslage in Europa in Folge der Krim-Krise. In dem Fall handelt es sich bei dem Protagonisten um niemand geringeren als den Armeechef des Landes, André Blattmann.

Das Interview beginnt mit Fragen zum Gripen, jenes Kampfflugzeug aus Schweden, über dessen Kauf das Schweizer Volk abstimmen soll, und mit Fragen zur Krim-Krise. Blattmann gibt sich sicher, das Volk werde sich letztlich für Sicherheit, also für den Gripen, entscheiden. Er erklärt, warum die Schweizer Armee dem Land Sicherheit bietet und warum er angesichts neuer Bedrohungen und mit Blick auf die Ukraine keine Garantie mehr dafür sieht, dass der Schweiz nichts geschehen könnte.

"Erstens weiß niemand, was die Zukunft bringt - es waren alle überrascht", sagt Blattmann. "Und zweitens: Wer sich nicht selber wehren kann, dem diktiert die Geschichte, was er zu tun hat." Dann spricht Blattmann über die Neutralität. Er sagt, sie sei dann glaubwürdig und werde akzeptiert, wenn sie bewaffnet sei.

Ein starkes Zitat, für das sich die "Schweiz am Sonntag" als Überschrift entscheidet - zumindest fast: In der Online-Ausgabe des Interviews geht dem Gespräch eine Zusammenfassung dessen voraus, und der Artikel trägt den Titel: "Der Armeechef rät der Bevölkerung, Notvorräte anzulegen." Blattmann sehe neue Bedrohungen heißt es dort, er selbst habe zu Hause vorgesorgt: 300 Liter Mineralwasser horte er im Lager.

Schweizer Gesellschaft ist nicht ausreichend vorbereitet

Zu dieser bemerkenswerten Aussage Blattmanns kommt es, nachdem ihm die "Schweiz am Sonntag" eine Frage stellt: "Ist diese Subito-Bereitschaft der Armee auch wegen möglicher Cyber-Attacken nötig?"

Darauf antwortet der Armeechef: "Absolut. Das sind heute die größten Bedrohungen. Ein großflächiger Stromausfall etwa kann zu einem Armee-Einsatz führen. Das Buch 'Blackout' von Marc Elsberg scheint mir sehr realistisch zu sein: Es braucht die Armee, um zu verhindern, dass es Plünderungen gibt, wenn Bancomaten ausfallen und es nichts mehr zu kaufen gibt."

Die Schweizer Gesellschaft sei auf neue Risiken nicht wirklich vorbereitet, sagt Blattmann der Zeitung und zählt auf, wie viel Wasser beispielsweise für den täglichen Bedarf nötig sei. "Stellen Sie sich einmal den Bedarf für eine Familie über ein paar Tage hinweg vor", rät der Armeechef. "Ich mache zu Hause regelmäßig Kontrollen: Haben wir genug Wasservorräte für meine Frau und mich?"

Er selbst hortet demnach etwa 30 bis 40 Sechserpackungen Mineralwasser - ohne Kohlensäure. Zudem habe er eine Wasserzisterne und einen Holzvorrat, da bei einem Blackout auch die Heizung nicht mehr funktionieren würde. "Die neuen Risiken und Bedrohungen haben mich etwa vor zwei, drei Jahren sensibler gemacht", sagt Blattman und meint damit potentielle Stromausfälle, AKW-Unfälle im grenznahen Ausland, Gefahren durch Cyber-Attacken.

"Vielleicht müsste man den Leuten sagen: Es ist gut, wenn ihr ein paar Vorräte für den Notfall zu Hause habt", sagt Blattmann. "Auch Konservenbüchsen. Das hilft, ein paar Tage zu überbrücken."

cib



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
steelseries 13.04.2014
1. optional
Diese Tips werden die Bewohner der 2-Zimmer-Miniappartments z.B. Zürich Ost natürlich sofort befolgen und genügend Holz und min. 300 L Wasser einlagern.
Der Emigrant 13.04.2014
2. Binsenwahrheit
Das gilt ja nicht nur für die Schweiz, und dazu braucht es auch keinen Aufruf eines hochrangigen Militärs. Wer die letzten 60 Jahre nicht in einer Höhle verbracht hat, weiß, wie komplex und anfällig unsere gesamte extrem vernetzte Infrastruktur ist, und dass eine Störung an entscheidender Stelle ein kaskadierendes Systemversagen nach sich ziehen kann und wohl ziemlich sicher nach sich ziehen wird. Allein der Zeitpunkt ist unbekannt. Wer ob dieser Tatsachen davon ausgeht, dass sein Wasser und seine Nahrung für die nächsten paar Monate immer aus der Leitung und dem Supermarkt kommen, der kann nur in der obengenannten Höhle gewesen sein. Wäre der Armeechef der einzige, der entsprechende Vorräte hält, wäre es sehr dumm, das auszuplaudern. Man kann aber davon ausgehen, das ein Großteil der Bevölkerung ebenfalls ausreichend Vorräte hat. Oder?
michael545 13.04.2014
3. Immerhin...
Als (wohl) einziges Land auf diesem Planeten gibts gesetzliche Vorgaben zu: - jeder Einwohner hat einen fix zugeteilten atombombensicheren Schutzplatz - jeder Häuslebauer ist verpflichtet in seinem Haus einen Bunker zu erstellen - Hauptverkehrsachsen sind mit (immer noch im 2014) mit Sprengfallen und Panzerhindernissen zu versehen - Jeder Einwohner ist verpflichtet einen Notvorrat anzulegen Somit sind wir gerüstet. Uff schwein gehabt. Feind Rot bzw Blau darf kommen...
dingodog 13.04.2014
4. komisch
gerade gestern auch solche Gedanken mit meiner Partnerin ausgetauscht. Langsam verstehe ich die "Verrückten", die ihre Lebensmittelvorräte mit Armbrüsten verteidigen wollen. Die Welt hat in den letzten Jahren und Monaten immer mehr etwas Irreales, Instabiles an sich. Wir gewöhnen uns jedesmal schnell dran - Geheimdienste, die alle Kommunikation überwachen, sind schon normal, europäische Länder, die Teile ihrer Nachbarländer mal so eben annektieren, werden von Spiegel-Bloggern verteidigt, die Kreditberge sind seit der "großen" Krise nur noch höher geworden, und alles ist ganz normal. "The New Normal", wie die Amerikaner sagen... Ich weiss nicht, wo der Punkt liegt, an dem das ganze direkt greifbare Auswirkungen auf uns hat, wo das "Normale" plötzlich ins Chaos umkippt, aber mein Bauch sagt mir, dass der Punkt kommen wird. Und dann wenigstens Wasser, Mehl, Holz und ein paar andere Grundstoffe im Keller zu haben, ist nicht ganz dumm.
quark@mailinator.com 13.04.2014
5. Tja
Die Schweiz wird mir mit jedem einzelnen Bericht (mit Ausnahme jener über Schwarzgeld :-)) ständig sympatischer. Schade, daß die Bundesrepublik sich nicht zu einer neutralen, wahrhaft demokratischen und vor allem auf sich selbst fokusierten Politik finden kann, sondern immer auf der großen Bühne stehen will. Die Schweiz zeigt seit langem, was besser funktioniert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.