Angelina Jolies Brustamputation Der Über-Star als Mensch

Angelina Jolie war der Junkie, die Durchgeknallte, das Luder, später Mutter Teresa und immer auch: die Sexbombe. Ausgerechnet diese Überfrau hat sich jetzt vorsorglich den Inbegriff der Weiblichkeit entfernen lassen, ihre Brüste. Ein rationaler Schritt.

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Eine Frau lässt sich vorsorglich ihre Brüste amputieren, weil sie Angst vor Krebs hat. Weil das Risiko einer Erkrankung bei 87 Prozent liegt. Eine sehr persönliche Geschichte. Es sei denn, man ist Angelina Jolie. Dann ist es Nachrichtenagenturen eine Eilmeldung wert.

Mit Jolie hat sich einer der größten, einer der wichtigsten Stars weltweit menschlich gemacht, nahbar. In einem Artikel in der "New York Times" schreibt die 37-Jährige über ihre Entscheidung.

"Meine Mutter hat fast ein Jahrzehnt gegen den Krebs gekämpft und ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Sie hat lange genug durchgehalten, um ihre ersten Enkelkinder kennenzulernen und sie im Arm zu halten. Aber meine anderen Kinder werden nie die Chance haben, sie zu sehen. Sie werden nie wissen, wie liebevoll und großzügig sie war."

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Angelina Jolie: Hollywoods Musterfrau
Angelina Jolie wurde mehrfach zur Sexiest Woman Alive gekürt, sie ist Partnerin von Frauenschwarm Brad Pitt, Mutter von sechs Kindern, kurz: die personifizierte Weiblichkeit, der Superstar einer Industrie, die von Illusionen und dem Schein der Perfektion lebt. Und ausgerechnet Jolie hat sich von ihren Brüsten getrennt, diesem größten Symbol des Frau-Seins.

Drogen, Ritzen, Selbstmord

Jolies Weg hin zur respektierten Persönlichkeit war lang. 1975 kam sie als Kind Hollywoods auf die Welt. Ihr Vater ist der Schauspieler Jon Voight, die Mutter Marcheline Betrand versuchte sich ebenfalls vor der Kamera. Der Vater verließ seine Ehefrau und die beiden Kinder, da war Angelina Jolie ein Jahr alt. Sie wollte nie vor die Kamera treten wie er, hat sie einmal gesagt. Doch in ihrem ersten Film ist sie gerade sieben Jahre alt: "Lookin' to Get out", an der Seite ihres Vaters, ausgerechnet.

Mit 13 schaffte Jolie es ans Lee Strasberg Institute, die berühmteste Schauspielschule der USA. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie als Model, strippte in Musikvideos, drehte für Lenny Kravitz und die Rolling Stones. Sie sei ein Punk-Mädchen gewesen, sagte Jolie über diese Zeit. Sie sammelte Messer, ritzte sich damit die Arme auf - die Narben seien so schön. Sie litt unter Depressionen. Nahm eigenen Angaben zufolge alle Drogen, die vorstellbar sind. Dachte an Suizid. Sie drohte, sich zu verlieren, in Lebensverneinung unterzugehen.

Doch sie ging nicht unter - und setzte sich als Schauspielerin mit ähnlich problematischen Charakteren durch, wie sie selbst es war. In dem Film "Gia" spielte sie 1998 ein heroinsüchtiges, aidskrankes Model und bekam den Golden Globe. Ein Jahr später gab sie in "Girl, Interrupted" eine aggressive, schizophrene Psychiatrie-Patientin - und gewann den Oscar als beste Nebendarstellerin.

Sie nutzte ihr Image als Bad Girl auch abseits der Leinwand. Auf dem roten Teppich knutschte sie mit ihrem Bruder, sie sprach über ihre Bisexualität, über sadomasochistischen Sex mit ihrem 20 Jahre älteren Ehemann Billy Bob Thornton. Um ihren Hals trug sie damals eine Ampulle mit seinem Blut, auf ihrer Haut zahlreiche Tattoos. Angelina Jolie war das durchgeknallte Luder.

2001 mutierte sie zum fleischgewordenen Männertraum. Als muskelgestählte Actionheldin Lara Croft zwängte sie sich in Hot Pants und Tanktop und wurde zur Phantasie pubertierender Jungs weltweit. Zwei Dinge habe sie mit Lara Croft gemein, sagte Jolie dem SPIEGEL. "Ich komme bestens allein zurecht, ohne einen Mann, der mir hilft. Und ich bin eine Kämpferin. Wenn ich etwas will, dann gehe ich los und hole es mir."

Jolie - Mutter und Sexsymbol

Nach zwei gescheiterten Kurzehen holte sie sich den nächsten Mann am Filmset von "Mr. und Mrs. Smith": Brad Pitt. Der war damals noch mit Jennifer Aniston verheiratet. Amerika war gespalten in "Team Aniston" und "Team Jolie", die entsprechenden T-Shirts waren ein Hit. Die einen sahen in Jolie die männerklauende Hexe. Für die anderen war sie die Heldin, die Brad Pitt aus einer langweiligen Ehe rettete.

Inzwischen existieren Brad Pitt und Angelina Jolie nur noch als Brangelina. Als Einheit. Die beiden haben sechs Kinder, drei leibliche, drei adoptierte.

"Ich bin froh, einen so liebevollen Partner wie Brad Pitt zu haben. [...] Brad war während meiner Operationen mit mir im Pink Lotus Breast Center. Wir haben es geschafft, auch dort Momente zum Lachen zu finden. Wir wussten, es war die richtige Entscheidung für unsere Familie."

Mit ihrer Familie lebt Jolie abwechselnd in Los Angeles, der Provence, London und Kambodscha. Klar, da stehen Dutzende Helfer im Hintergrund, Nannys, Fahrer, Köche, Bodyguards. Doch auf den Bildern sieht man meist nur Brangelina und die Kinder. Es ist eine gelungene Inszenierung.

Wo andere Frauen mit ihrem Muttersein den Status als Sexsymbol verlieren, schafft Angelina Jolie es, beides zu vereinen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist sie diejenige, die aus dem Sexiest Man Alive Brad Pitt einen Hausmann gemacht hat. Die immer noch als CIA-Agentin oder Profikillerin besetzt wird; die ihren ersten Film über eine Liebesgeschichte während des Bürgerkriegs in Bosnien-Herzegowina dreht - und die noch immer als Männerphantasie gilt.

Partnerin, Mutter, Hollywood-Star, Uno-Botschafterin: zu viele Rollen für eine Person? Es ist vielleicht das Faszinierendste an Angelina Jolie: Man nimmt ihr alle Rollen ab. Jolie, die Überfrau. Und jetzt, nach der Operation, nach dem Artikel, eben auch: Jolie, der Mensch.

Es beruhige sie, dass ihre Kinder dank der Implantate von der Operation kaum etwas sehen würden, schreibt Jolie.

"Sie sehen meine kleinen Narben, sonst nichts. Alles andere ist einfach Mommy, die selbe, die sie immer war. Sie wissen, dass ich sie liebe und dass ich alles tun werde, um so lang wie möglich bei ihnen zu sein."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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rkinfo 14.05.2013
1. Auch erblicher Brustkrebs erkenn- und heilbar
Bei bestimmten Genfehlern sind Anfälligkeiten von 60%-70% aber auch Heilungsquoten um 90% gegeben. Ergibt ein Gesamtrisiko von 0,65*0,1also 6%-7%. Das allgemeine Todesrisiko der Altersgruppe 35-50 liegt bei etwa 0,1%/a oder 1%-2% innerhalb von 15 Jahren. So eine OO verbessert die Lage - aber nicht wirklich epoachal.
_micka_ 14.05.2013
2. Ist das etwas so besonderes?
Wenn mein Arzt rät, eine Herz-Op durchführen zu lassen um einen Stent zu setzten, tue ich das. Wenn er sogar rät, am offenen Herzen einen Bypass legen zu lassen, tut man das. Wenn jemand aufgrund von Diabetes einen Fuß oder gar das ganze Bein amputiert bekommen muss, ist das auch leidvoll. Bei dieser Prominenten Dame sind es nun zwei Brüste, die durch Silikon-Implantate wieder aufgebaut werden können und wohl danach noch mehr sexy aussehen wie vorher... Wo ist die Leistung...?
proteo13 14.05.2013
3. optional
A.J. kann mit ihren Körperteilen machen was sie will. Geht keinen was an. Haben schon mehr Frauen gemacht. Dazu! Seh ich anders - A.J. ein Star? Na ja! Nein danke! Ihre Filme unteres Mittelmaß und prof. vom Ruf ihres Mann.
Llares 14.05.2013
4. Leistung
Die Leistung liegt darin, dass sich eine Frau, die in der Öffentlichkeit steht und als eine der schönsten Frauen der Welt gilt sich die Brüste, die wirklich schön waren, amputieren lässt. Auch wenn sie sie wieder hat aufbauen lassen, so ist sie für viele Männer als "Sexsymbol" gestorben (wie man an vielen Kommentaren zu dem Thema im Laufe des Tages lesen konnte). trotzdem geht sie damit an die Öffentlichkeit. Klar kann man unterstellen, dass sie es wegen des Medienrummels tut, aber das glaube ich nicht. Sie hat ihre Mutter an den Krebs verloren und jeder, der so etwas durchgemacht hat, wird ihren Versuch, andere (andere Frauen und vor allem ihre Kinder) vor dem selben Leid zu schützen, verstehen.
hermes69 14.05.2013
5. Könnte Signalwirkung
für andere Frauen haben. Meine allergrößte Hochachtung vor dieser Frau die ich bislang wohl doch verkannt habe.
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