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Anne Sinclairs Wahl zur Frau des Jahres: Gehörnt und gekürt

Von , Paris

Anne Sinclair, Ehefrau des in Sex-Affären verwickelten früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn, ist in Frankreich zur "Frau des Jahres 2011" gekürt worden. Ist das nun Ausdruck des Niedergangs der Emanzipation - oder ein Sieg des Feminismus?

Anne Sinclair: Die Frau an Strauss-Kahns Seite Fotos
AP

Sie ist die Frau an seiner Seite - psychologische Stütze, juristische Beraterin und finanzstarke Gemahlin: Anne Sinclair, dritte Gattin von Dominique Strauss-Kahn ("DSK"), stand zu ihrem Ehemann, als er von den US-Behörden mit Handschellen abgeführt wurde, nachdem ein Zimmermädchen behauptet hatte, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Sinclair hielt zu ihrem Ehemann, als klar war, dass DSK mit dem Zimmermädchen der Luxusherberge Sofitel tatsächlich sexuellen Kontakt gehabt hatte.

Sinclair bürgte gar mit ihrem Privatvermögen, stellte die Kaution und besorgte das teure Mietshaus in Manhattan, in dem sich der ehemalige Chef des Internationalen Weltwährungsfonds (IWF) in den Tagen nach seiner Freilassung aufhalten musste, als er unter Hausarrest stand. Sinclair unterstützte ihren Mann selbst dann, als ihm nach seiner Rückkehr in Frankreich ein Vergewaltigungsverfahren drohte. Und als unlängst häppchenweise ans Tageslicht kam, dass sich Strauss-Kahn in New York ebenso wie in Paris offenbar wiederholt mit Call-Girls eingelassen hatte.

Wer also ist Anne Sinclair? Mutige Emanze oder schlichtes Anhängsel eines testosterongesteuerten Machos?

Für die Web-Seite www.terrafemina.com ist die Antwort klar: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSA wählten 31 Prozent die frühere Fernsehmoderatorin zur weiblichen Persönlichkeit des Jahres. Insgesamt zehn Frauen waren nominiert. Während Strauss-Kahn bei einer Vortragsreise in Shanghai wieder von sich reden machte ("Der Euro ist ein sinkendes Floß") kürten die Befragten Sinclair zur Frau, die "die vergangenen zwölf Monate besonders beeinflusst" habe.

"Eine Heldin? Sie ist kein Modell für die Frauen"

Auf den weiteren Plätzen folgen IWF-Chefin Christine Lagarde und Martine Aubry, die Generalsekretärin der Sozialistischen Partei (PS), sowie die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen.

"Anne Sinclair ist für die Frauen eine Heldin und eine Anti-Heldin", sagt Véronique Morali, von terrafemina.com ("Die Web-Seite, die anders zu Frauen spricht"). "Die Frauen identifizieren sich mit ihr oder fragen sich, was ihre eigene Haltung angesichts solchen Verhaltens wäre." Auch die Meinungsforscher bewerten die Wahl als Auszeichnung: "In einem Jahr, das durch eine ganze Reihe von heftigen juristischen Geschehnissen bestimmt wurde, standen viele Frauen an vorderster Stelle." Einer von vier Befragten bewertete Anne Sinclair als "mutige Frau", die ihrem Mann in stürmischen Zeiten zur Seite stand.

"In schwierigen Epochen wie der derzeitigen spielen Frauen eine Schlüsselrolle", sagt auch terrafemina.com-Chef Bernard Sananès zu der Wahl von Anne Sinclair, die demnächst die französische Ausgabe des US-Internet-Nachrichtendiensts "Huffington-Post" übernehmen soll.

Eva Joly, Spitzenkandidatin von Frankreichs Grünen für die Präsidentenwahl, war von der Popularität der DSK-Gattin überrascht: "Eine Heldin? Sie ist kein Modell für die Frauen", so die ehemalige Untersuchungsrichterin. "Ich finde das bestürzend, unglaublich sogar, dass sie eine politische Frau erster Ordnung wie Währungsfondschefin Christine Lagarde übertrumpft", sagte Joly in einem Interview mit dem Nachrichtensender i-Télé. "Ich finde das traurig, das spricht für eine Vorstellung des Lebens und eines Verhältnisses von Mann und Frau, das sehr, sehr überholt ist."

Ein Kommentar des Magazins "Nouvel Obs" kommt zu demselben Schluss. "Hier hat sich das Klischee - das des Mannes, getrieben von anzüglichen Affären - in der Moment-Aufnahme der Umfrage durchgesetzt."

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Menschliche Größe …
wika 20.12.2011
… denn in dieser Liga dürfte sie Christine Lagarde wohl um Lösungen hinter sich lassen. Bedauerlich finde ich die Auslegung in Richtung alter Klischees, dies zeigt für mich um so mehr die Verkommenheit dieses Systems wo es offenbar genug Leute gibt die sich nur gemainstreamte Mitläufer an der Stelle ausmalen können. Gerade weil sie mit diesem hormongesteuerten Typen ausgehalten hat (den tieferen persönlichen Sinn ihres Verharrens eben nicht zur Schau stellend), gegen alle öffentliche Kritik an ihrem Mann, kann ich diese Entscheidung nur gut heißen. Sie wurde damit für Werte ausgezeichnet die es eigentlich gar nicht mehr gibt in dieser Gesellschaft, die es aber unabhängig von dem zitierten Mann / Frau Verhältnis durchaus geben sollte. Respekt.
2. Bravo Frau Sinclairs
altefrau99 20.12.2011
Zitat von sysopAnne Sinclair, Ehefrau des in Sex-Affären verwickelten früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn,*ist in Frankreich zur "Frau des Jahres 2011" gekürt worden. Ist das*nun Ausdruck des Niedergangs der*Emanzipation - oder ein Sieg des Feminismus? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,804891,00.html
Diese Frau zeigt, wie eine moderne und echte Frau sich benehmen muss. In heutigen Welt, wo die jungen Frauen nicht mehr bereit sind Kompromisse zu schließen und auf die Kosten von Kindern ihre falsche Emanzipation oder "Selbstverwirklichung" leben und ausleben, zeigt eine Frau, was Partnerschaft bedeutet. Sie wird wissen, wie sie sich dafür revanchiert, aber das gehört nicht der großen Öffentlichkeit. Ich hätte wahrscheinlich nach der Beendigung der Affäre meinen Mann in die Wüste geschickt, aber bis die Sachen ausgestanden sind läuft man nicht weg. Die Sache mit der Zimmerh. stank vom Anfang, nur wenn man die technische Seite des angeblichen Vergewaltigung betrachtet hatte. Feige weglaufen ist heute die Mode. Nein, die Frau hat Größe gezeigt und mit Recht hat die Auszeichnung bekommen.
3. ertz
miauwww 20.12.2011
Zitat von altefrau99Diese Frau zeigt, wie eine moderne und echte Frau sich benehmen muss. In heutigen Welt, wo die jungen Frauen nicht mehr bereit sind Kompromisse zu schließen und auf die Kosten von Kindern ihre falsche Emanzipation oder "Selbstverwirklichung" leben und ausleben, zeigt eine Frau, was Partnerschaft bedeutet. Sie wird wissen, wie sie sich dafür revanchiert, aber das gehört nicht der großen Öffentlichkeit. Ich hätte wahrscheinlich nach der Beendigung der Affäre meinen Mann in die Wüste geschickt, aber bis die Sachen ausgestanden sind läuft man nicht weg. Die Sache mit der Zimmerh. stank vom Anfang, nur wenn man die technische Seite des angeblichen Vergewaltigung betrachtet hatte. Feige weglaufen ist heute die Mode. Nein, die Frau hat Größe gezeigt und mit Recht hat die Auszeichnung bekommen.
Finde ich auch, edle Einfalt, stille Größe, nichtmal Mutter Theresa war so stark. Sowas wünscht man sich als emanzipierter Ehemann.
4.
kitty 20.12.2011
Ich halte es für bedenklich, wenn in Frankreich von einer Frau soviel Verständnis für die Kapriolen eines sexbesessenen Ehemanns erwartet wird wie Anne Sinclair es gezeigt hat. Mit Gleichberechtigung hat das nichts zu tun, sondern es zeigt eher ein mittelalterliches Partnerschaftsverständnis.
5. sie ist eben gescheit
albert schulz 20.12.2011
Ehe ist eben kein Papperlapapp. Ganz sicher nicht nur Sex, sondern vor allem Vertrauen, Vertraulichkeit, vertraut sein, einander verstehen, zusammen leben können. Ich habe gute Freunde, die ihre Ehefrau betrogen haben und andere, die von ihrer Frau gehörnt wurden. Das scheint sich nicht immer vermeiden zu lassen, wie uns John F. Kennedy oder Willy Brandt auf eine annehmliche wenn auch rücksichtslose Art demonstriert haben, dumme (und verwöhnte) Jungs. Mann zu sein ist nicht immer einfach, und Frau zu sein vermutlich auch nicht, obwohl Frauen in diesen Dingen ein wenig diskreter sind, wie etwa Madame Bovary oder die Geliebten von Zweig oder Musil. Unverstandene edle Gemüter, von denen die Welt- und Literaturgeschichte voll ist. Am Faktum selbst ändert sich daran nichts. Es sind Gefühlswallungen, die man keineswegs immer im Griff hat. Oder wie oft sind solide verheiratete Ehepartner verliebt ohne Vollzug der Beiwohnung ? Was machen sie sich in stillen Stunden nicht alles vor ? Der Mensch ist Illusionist, und ganz sicher kein prüder Purist, zumindest nicht in seiner Phantasie, die arg merkwürdige Blüten zu treiben imstande ist. Davon kann gesichert jeder ein Lied singen, Mann oder Frau gleichwie. Und haben so gar kein Verständnis für die Bedürfnisse des Partners, und seine unausgegorenen Hirnfürze, die sicher nie thematisiert werden. Es ist schlicht albern, daraus ein Drama zu machen. Es gibt Frauen, die ihren Gatten willige Gespielinnen zuführen, und das war bei Abraham schon so. Eine uralte immer wiederkehrende Geschichte, die mit der gegenseitigen Zuneigung nur bedingt zu tun hat. Für viele Frauen sind andere Geschlechtsgenossinnen schlicht Feindinnen, die ihnen den Mann abspenstig machen können, und dabei geht es um Macht über diesen Mann. Eifersucht besteht aus verletzten Machtgelüsten, mehr nicht. Was waren meine Frauen stinkig, wenn mich andere angelächelt haben. Witzigerweise haben die das nur gemacht, wenn meine Frau dabei war. Es waren geplante und genüßlich genossene Angriffe auf meine Frau. Ihr sollten Grenzen aufgezeigt werden, Frauen kämpfen nur gegeneinander, allerdings rabiat und absolut hemmungslos. Nur die Achtung der anderen Frau ist wirklich etwas wert, Männer sind Beiwerk, recht einfach zu verwalten. Man sagt Frauen neben ihrem wahnartigen Illusionismus einen ganz gewaltigen Realitätssinn nach, beides für die banal gestrickten Männer kaum begreifbar. Eine kluge Frau weiß mit „Ungezogenheiten“ ihres Göttergatten umzugehen, und zwar überaus praktisch oder auch einfühlsam. Männliches Fremdgehen ist nun mal kein Angriff auf sie persönlich, sondern einfache Unsicherheit und Verlorenheit des Mannes, subjektiv empfunden, Sehnsucht und Träumerei, aber eben nicht entscheidend, kein Abnabeln. Kein Mann und keine Frau verzichtet so einfach auf ein gegenseitiges Zwieverständnis, das in Jahren gewachsen ist, und in dem man sich wohlfühlt. Es funktioniert, und das ist der wesentliche Punkt. Auch für beide Teile. In den meisten Fällen ist eine Trennung eher unwahrscheinlich, weil die Bindung einen Wert hat, der aus einer flüchtigen Begegnung erst gar nicht entstehen kann. Das riskiert man nicht, weil der Fortgang gar nicht abschätzbar ist, nur Risiko ohne irgendeine Verläßlichkeit. Und an der Stelle entscheidet eine Frau knochenhart für das Solide. Es sei denn, sie wäre mal wieder verliebt. Für alle Beteiligten grausam. Echte Scheidungen werden fast ausschließlich von Frauen beantragt oder verursacht.
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Fotostrecke
Dominique Strauss-Kahn: Die Eskapaden des Ex-IWF-Chefs

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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