Hamburg - Stolz sehen die Feuerwehrmänner aus, in voller Montur laufen sie die Straße entlang. Sie waren während des Sturms "Sandy" im Einsatz, der vor knapp drei Monaten für schwere Verwüstungen in der Karibik und an der Ostküste der USA sorgte - betroffen war auch New York. Doch die Feuerwehrmänner auf dem Bild sind nicht alleine: Sie haben zwei schlanke Models in roten Kleidchen im Arm.
Annie Leibovitz hat diese Aufnahme geschossen, sie ist eine der bekanntesten Fotografinnen der Welt. Doch ihre aktuelle Bilderstrecke in der Februar-Ausgabe der US-"Vogue" hat für Kritik gesorgt. Denn Leibovitz nutzte die "Sandy"-Katastrophe als Kulisse für ihre Modeaufnahmen.
"Als Hurrikan Sandy uns traf, haben die Mutigsten und Klügsten zurückgeschlagen", heißt es im Begleittext zu den Fotos. "Jetzt, wo sich die Gegend langsam aufrappelt, haben wir diese unerschütterlichen Seelen besucht - gekleidet in den besten New Yorker Kollektionen."
Ein Bild zeigt beispielsweise die Models Kasia Struss, Chanel Iman und Karlie Kloss in weißen Kleidern von Ralph Lauren, Vera Wang und Donna Karan. In High Heels posieren die Frauen auf einem Rettungsboot der Küstenwache und fegen über den Hudson hinweg.
Auf dem Cover des Magazins wird die Fotostrecke mit folgenden Worten angekündigt: "Nach dem Sturm: Wir feiern die Seele und den Style von New York." Neben der Küstenwache und der Feuerwehr sind dabei auch Krankenhausmitarbeiter, Polizisten und Mitarbeiter der Stromgesellschaft Con Ed zu sehen. Die Bilder sind im vergangenen Dezember entstanden.
Kritiker bezeichneten die Bilderstrecke wahlweise als "provokativ", "geschmacklos" oder "billig", wie der "Telegraph" berichtet. "Das Magazin konnte nicht anders, als seine Lieblingsmodels in den Mittelpunkt zu stellen und die Menschen - die es angeblich als 'Helden' feiern wollte - als bessere Statisten zu behandeln", heißt es in einem Artikel bei "Fashionspot". Und das "New York"-Magazin fragt: "Ist es nicht schwachsinnig, diese Menschen mit ihren Hubschraubern, Booten und ihrer Ausrüstung zu sehen - wie sie ihre wertvolle Zeit nicht mit ihren Jobs verbringen, sondern stattdessen mit Model Chanel Iman durch Pfützen planschen?"
Andere Medien hoben hervor, dass die "Vogue" bereits zuvor rund 1,7 Millionen Dollar für die Opfer von Wirbelsturm "Sandy" gesammelt habe. "Wir sind stolz, dabei gewesen zu sein", hieß es bei Con Ed. Und die "Vogue" verteidigte sich: "Wir wollten die harte Arbeit dieser Ersthelfer auf eine Art und Weise feiern, die einem Modemagazin angemessen ist", sagte Herausgeberin Corey Seymour.
aar
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