Anorexie: Magermodel Isabelle Caro ist tot

Sie war magersüchtig und stellte ihren gepeinigten Körper zur Schau, um andere vor der Krankheit zu warnen. Wie jetzt bekannt wurde, ist das französische Model Isabelle Caro in einem Krankenhaus in Japan gestorben - vermutlich an einer Lungenentzündung.

Paris - Sie war 1,64 Meter groß und wog gerade einmal 31 Kilo, als sie sich von Starfotograf Oliviero Toscani nackt für eine Kampagne gegen Anorexie fotografieren ließ. Isabelle Caro wollte der Welt zeigen: Der Magerwahn unter Models und in der Gesellschaft ist lebensgefährlich.

Im Jahr 2007 sorgten die Fotos der ausgemergelten, vom Tode gezeichneten jungen Frau für großes Aufsehen. "Das Ziel ist es, zu schockieren, um zu sensibilisieren", sagte sie damals. Sie habe an der Kampagne teilgenommen, um junge Mädchen zu warnen, "ihnen die Gefahr von Abmagerungskuren vor Augen zu führen, von Modediktaten und den verheerenden Folgen der Anorexie". Man könne ihr nicht vorwerfen, dass sie sich damals inszenieren wollte, sagte sie SPIEGEL ONLINE auf den Tag genau vor einem Jahr. "Für mich war es peinlich und beschämend, mich so zu zeigen."

Jetzt wurde bekannt: Das französische Model ist tot. Sie sei bereits am 17. November nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben, berichteten französische Medien. Nach Informationen von "Paris Match" wurde sie in einem Krankenhaus in Tokio behandelt. Caro wurde 28 Jahre alt.

Diskret hatten Angehörige und Freunde von Caro Abschied genommen. Erst eine Bemerkung auf der Facebook-Seite machte die Nachricht publik. "Sie war zwei Wochen wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus und fühlte sich zuletzt sehr schwach, ich kenne aber die Todesursache nicht", schrieb ein Freund des Models, der Sänger Vincent Bigler, der Website 20minutes.ch zufolge.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die auch als Schauspielerin arbeitende Caro eine Autobiografie mit dem Titel "Das kleine Mädchen, das nicht dick werden wollte". Sie litt seit ihrem 13. Lebensjahr unter Magersucht. Wie "Le Parisien" am Mittwoch berichtet, kämpfte das Model verbissen gegen die Krankheit. Erst im März dieses Jahres habe sie freudig verkündet, endlich 42 Kilogramm zu wiegen. Fünf Jahre zuvor war sie bei einem Gewicht von 25 Kilogramm vorübergehend ins Koma gefallen.

Der Fotograf Oliviero Toscani sagte zum Tod von Caro: "Sie war ein sehr krankes Mädchen, krank mehr im Kopf als in ihrem Körper." Wie alle Menschen, die unter dieser Störung litten, sei sie "magersüchtig im Gehirn" gewesen, erklärte Toscani italienischen Medien.

Über sogenannte Magermodels wird verstärkt auch innerhalb der Branche diskutiert, seit im Februar 2007 eine 21-jährige Brasilianerin an Anorexie starb. Die 1,70 Meter große Frau wog zum Zeitpunkt ihres Todes weniger als 40 Kilo. Nur wenige Monate zuvor hatte ein junges Model aus Uruguay einen tödlichen Herzinfarkt erlitten. Spanien erließ daraufhin als bislang einziges europäisches Land ein Arbeitsverbot für Mannequins unterhalb eines bestimmten "Body-Mass-Index".

Anfang 2008 verpflichtet sich die französische Modebranche freiwillig, keine extrem dünnen Models mehr zu engagieren. Auch in Deutschland gab es Bestrebungen für einen Kodex gegen Schlankheitswahn in der Modebranche.

ala/dpa/AFP

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Modelkult und Magerwahn: Die Körperwelten der 2000er

Essstörungen
Anorexie
Anorexia nervosa, Magersucht

Die Magersucht ist eine krankhafte Essstörung, die durch radikales Hungern und starken Gewichtsverlust gekennzeichnet ist. Experten gehen davon aus, dass 0,5 bis 0,75 Prozent aller jungen Frauen unter der Krankheit leiden. Auch Jungen und junge Männer leiden zunehmend darunter.

Die Ursachen der Magersucht sind vielfältig. Sie basieren auf genetischen Faktoren, psychischen Störungen und generellen gesellschaftlichen Einflüssen. Viele der Betroffenen leiden unter einer Körperschemastörung: Sie fühlen sich auch bei extremem Untergewicht zu dick.

Laut allgemeinen Kriterien gilt jemand ab einem Body-Mass-Index von 17,5 oder weniger als magersüchtig. Ein weiterer Indikator ist ein Körpergewicht, das um mindestens 15 Prozent unter dem für das Alter zu erwarteten Normalgewicht liegt. Folgen der Magersucht sind unter anderem Hormonstörungen, die zum Ausbleiben der Menstruation führen, Durchblutungsstörungen, Muskelschwäche und Mangelerscheinungen, die unter anderem auch an kaputtem Haar erkennbar werden.

In 10 bis 15 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich.
Bulimie
Bulimia nervosa, Bulimie, Ess-Brech-Sucht

Die Erkrankung ist durch wiederholte Ess-Attacken gekennzeichnet, auf die Erbrechen selbst herbeigeführt wird. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, werden auch Abführmittel und Appetitzügler eingesetzt, sowie exzessiv viel Sport getrieben. Das Erbrechen kann auch auf die Einnahme einer ganz normalen Mahlzeit erfolgen.

Zeitdauer und Frequenz der einzelnen Attacken sind variabel. An Bulimie erkrankte Menschen können unter-, normal- oder übergewichtig sein. Die Ursachen der Bulimie sind mit denen der Magersucht vergleichbar. Häufig geht der Bulimie extremes Übergewicht oder eine anorektische Phase voraus. Sie kann auch mit Phasen der Magersucht abwechseln.

Die Bulimie hat deutliche körperliche Konsequenzen: Das wiederholte Erbrechen kann zu Herz-Rhythmus-Störungen und Entzündungen der Speiseröhre führen. Die erhöhte Magensäure im Mund hat häufig Zahnschäden zur Folge.

Binge-Eating
Sogenannte Binge-Eater konsumieren innerhalb von kurzer Zeit ungewöhnlich große Mengen an Nahrung. Dabei können die Betroffenen nicht kontrollieren, wie viel sie essen. Im Gegensatz zur Bulimie wird hier das Gegessene nicht wieder erbrochen, so dass längerfristig Übergewicht eine Folge der Erkrankung ist. Das Binge-Eating gilt als die am häufigsten auftretende Essstörung. Anders als bei der Magersucht oder bei der Bulimie sind von einer Binge-Eating-Störung auch viele Männer betroffen.
Body-Mass-Index (BMI)
Der BMI ist definiert als Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Normalgewichtige haben einen BMI zwischen 18,5 und 24,9. Ab einem BMI von 25 gelten Personen als übergewichtig. Ab einem BMI von mehr als 30 oder weniger als 18,5 gilt der Betroffene als behandlungsbedürftig.