Arantxa Sánchez Vicario Abrechnung mit der Familie

Arantxa Sánchez Vicario war die Nummer eins der Tennis-Welt und besiegte Steffi Graf bei den French Open. Doch die Leidensgeschichte hinter ihrer Bilderbuchkarriere war unbekannt: Nun wirft die 40-Jährige ihrer Familie Ausbeutung vor.

REUTERS

Madrid - Sie galten jahrelang als Tennis-Vorzeigefamilie, auch außerhalb Spaniens: die Sánchez Vicarios. Der Clan war in den achtziger und neunziger Jahren bei vielen großen Turnieren dabei, nach außen hin immer auf Unterstützung von Arantxa Sánchez Vicario, des erfolgreichsten Familienmitglieds, bedacht. Doch dieses Bild hat einen tiefen Riss bekommen. Arantxa, die frühere Weltranglisten-Erste, wirft ihren Eltern in ihrer Autobiografie vor, sie bevormundet, ausgebeutet und um ihr Vermögen gebracht zu haben. Von den 45 Millionen Euro an Preisgeldern und Werbeeinnahmen sei ihr "nichts geblieben".

"Der Mythos der geeinten und glücklichen Familie war eben bloß das: ein Mythos", schreibt die 40-Jährige in dem Buch mit dem Titel "Vamos! Erinnerungen eines Lebens, eines Kampfes und einer Frau". Das Tennis-Wunderkind wird darin zu einem einsamen Mädchen, das sich vor allem nach einem sehnte: Zuneigung.

Besonders hart geht Sánchez Vicario dabei ihre Mutter Marisa, 75, an: "Sie hat einen starken Charakter. Disziplin und Sieg waren ihr wichtiger als jede andere Erwägung - dabei hätte ich vielleicht einige liebevolle Worte nötiger gehabt." Oftmals habe sie sich völlig allein gefühlt, mit einem Plüsch-Hasen als einzigem Zeugen ihres Elends: "Ich schlief mit ihm im Arm auf dem von Tränen durchnässten Kissen ein. Ich suchte in ihm einen gewissen Schutz und vor allem Trost."

"Ich bekam monatlich einen Betrag, über den ich Rechenschaft ablegte"

Die Mutter wies die Vorwürfe zurück. "Wir haben 20 Jahre lang für sie gelebt und alles für sie geopfert." Von Ausbeutung könne keine Rede sein. Vielmehr habe Arantxa sie im Stich gelassen: Vater Emilio, 79, leide seit zwei Jahren an Darmkrebs, sei herzkrank und habe Alzheimer. "Unsere Tochter hat uns in dieser ganzen Zeit nicht einmal besucht und auch keine Sorge gezeigt."

Die vierfache Gewinnerin eines Grand-Slam-Turniers, die 1989 mit 17 Jahren in einem packenden Finale Steffi Graf bei den French Open in Roland Garros besiegte, gibt ihren Eltern aber auch für ihre finanzielle Misere die Schuld. Der Vater habe die alleinige Vollmacht über ihr Vermögen gehabt. "Ich bekam monatlich einen Betrag, über den ich Rechenschaft ablegte, Fragen habe ich ihm nie gestellt." Nun habe sie Schulden beim Finanzamt. Der Fiskus verlange von ihr 3,5 Millionen Euro, heißt es.

Auch zu den Geschwistern habe sie den Kontakt abgebrochen, erzählt Sánchez Vicario, die inzwischen selbst Kinder hat und seit kurzem Chefin des spanischen Fed-Cup-Teams ist. Ihr Bruder Emilio schaffte es bis auf Rang sieben der Weltrangliste; er war Kapitän der Davis-Cup-Mannschaft. Bruder Javier war vor allem als Doppel-Spieler bekannt. Schwester Marisa machte sich bei Universitätsturnieren in den USA einen Namen.

wit/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gankuhr 08.02.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSArantxa Sánchez Vicario war die Nummer eins der Tennis-Welt und besiegte Steffi Graf bei den French Open. Doch die Leidensgeschichte hinter ihrer Bilderbuch-Karriere war unbekannt: Nun wirft die 40-Jährige ihrer Familie Ausbeutung vor. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,814111,00.html
Dass Eltern ihre Kinder bis zur Volljährigkeit ausbeuten können, mag ich ja noch glaube. Aber wie um alles in der Welt schafft ein Vater es, über das Vermögen einer zum Beispiel 25-jährigen voll zu verfügen und ihr davon nur ein Taschengeld abtreten zu müssen? Kann ich irgendwie nicht so ganz glauben.
santo.inocente 08.02.2012
2. Ja, ja...
...hat schon mächtig Staub aufgewirbelt. Die Eltern halten sich rechtliche Schritte gegen ihre Tochter vor, wenn sie dann mal das Buch gelesen haben werden. Sind natürlich tief betroffen und wissen nicht wie es zur Reaktion ihrer Tochter hat kommen können. Leider hatte sich Frau Sánchez-Vicario nach Andorra ausgebürgert, um Steuern zu sparen. Das spanische Finanzamt hat sich aber nicht davon überzeugen lassen, dass sie nun Andorranerin ist und hat ihr eine Steuernachzahlung von 3,5 Millionen Euro aufgebrummt. Tja, die Eltern als Finanzverwalter, das muss nicht immer gutgehen. M.
person012 08.02.2012
3. .
Zitat von gankuhrDass Eltern ihre Kinder bis zur Volljährigkeit ausbeuten können, mag ich ja noch glaube. Aber wie um alles in der Welt schafft ein Vater es, über das Vermögen einer zum Beispiel 25-jährigen voll zu verfügen und ihr davon nur ein Taschengeld abtreten zu müssen? Kann ich irgendwie nicht so ganz glauben.
Sehe ich ähnlich. Und warum wurde nur sie ausgebeutet, ihre Geschwister aber nicht? Und warum merkt sie das erst jetzt? Und warum muss jemand ein Buch schreiben, um mit seiner Familie abzurechnen? Ist es nicht eher die bekannte Leier von wegen: Braucht ein Altstar Geld, schreibt er halt ein Buch...
sleeperinmetropolis 08.02.2012
4.
Zitat von gankuhrDass Eltern ihre Kinder bis zur Volljährigkeit ausbeuten können, mag ich ja noch glaube. Aber wie um alles in der Welt schafft ein Vater es, über das Vermögen einer zum Beispiel 25-jährigen voll zu verfügen und ihr davon nur ein Taschengeld abtreten zu müssen? Kann ich irgendwie nicht so ganz glauben.
Von Eltern, die ihre Kinder krankhaft emotional abhängig machen können, so dass diese Kinder selbst als Erwachsene alles Mögliche dulden in ihrem Betteln nach der Liebe ihrer Eltern, davon haben sie wohl noch nie gehört, was? Viel Spaß noch in Wolkenkuckucksheim.
mats73 08.02.2012
5. Kein Geld da
Zitat von person012Sehe ich ähnlich. Und warum wurde nur sie ausgebeutet, ihre Geschwister aber nicht? Und warum merkt sie das erst jetzt? Und warum muss jemand ein Buch schreiben, um mit seiner Familie abzurechnen? Ist es nicht eher die bekannte Leier von wegen: Braucht ein Altstar Geld, schreibt er halt ein Buch...
Die Geschwister wurden nicht ausgebeutet, weil sie kein nennenswertes Geld zum ausbeuten verdient haben.... Dass besonders im Damentennis die Eltern-Kind-Beziehungen nicht nur moralisch, sondern auch juristisch mehr als zweifelhaft waren, ist ja kein neues Phänomen. Gemein ist allen Geschichten, dass die Eltern das nötige Spielgeld überhaupt erst durch Preisgelder und Werbeeinnahmen der Töchter zur Verfügung hatten - um z.B. diverse Mio Steuern zu hinterziehen. Wenn ein Kind ab dem 6. Lebensjahr nur Tennis spielt und nur Tennis spielt, keine Schule abschließt und nur Tennis spielt und dafür 3/4 des Jahres in der Welt rumfährt - - also 0,00000 Lebenserfahrung hat, halte ich es für naheliegend, wenn diese acuh mit 25 Jahren ihre finanziellen Angelegenheiten komplett an eine Vertrauensperson abgeben ohne sich damit je zu beschäftigen - sie müssen sich ja auf den Sport konzentrieren...Hauptsache der Kühlschrank ist immer voll. Das machen 95% der Fußballpofis genauso - viele sind deshalb auch völlig ruiniert.... Wenn man die Unerfahrenheit seiner Schutzbefohlenen und hinterher Betreuungsperson zum eigenen Vorteil ausnutzt, ist das nichts anderes als Ausbeutung. Wie es wirklich war - wissen wir allerdings überhaupt nicht. Ein Urteil steht also niemenden zu , weder in die eine noch die andere Richtung!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.