Pastor in der Kritik Aretha Franklins Familie nennt Trauerpredigt "geschmacklos"

Mehr als 50 Minuten sprach Pastor Jasper Williams Jr. auf der Trauerfeier zu Ehren Aretha Franklins. Doch das Urteil in der Familie fiel vernichtend aus: Der Vortrag sei beleidigend gewesen.

AFP

Die Trauerfeierlichkeiten zum Tod von US-Sängerin Aretha Franklin sorgen weiter für Ärger: Am Montag äußerten sich Hinterbliebene der Souldiva zur Predigt des Pastors, der vergangene Woche die Lobrede auf die Verstorbene gehalten hatte - und sie zeigten sich wenig begeistert.

"Beleidigend und geschmacklos" sei die Rede von Reverend Jasper Williams Jr. in der Salem Baptist Church in Atlanta gewesen, hieß es. Williams habe länger als 50 Minuten geredet, aber zu keinem Zeitpunkt die Verstorbene gelobt. Anlass zu der Kritik seien auch mehrere Bemerkungen gewesen, die von der schwarzen Gemeinde als unmöglich empfunden wurden.

Williams habe die Öffentlichkeit benutzt, um seine negative Ansichten zu verbreiten, mit der die Familie "nicht übereinstimmt", hieß es in einer Erklärung der Angehörigen.

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Aretha Franklin: Diva in goldenem Sarg

Unter anderem hatte Williams erklärt, alleinerziehende schwarze Mütter seien nicht in der Lage, männliche Nachkommen zu Männern zu erziehen - dies gleiche einer "Abtreibung nach der Geburt". Ein Affront gegen die Verstorbene, die allein vier Jungen großgezogen hatte. Williams fuhr fort: Das Leben eines Schwarzen würde solange unbeachtet bleiben, "bis die Schwarzen anfangen, schwarzes Leben zu respektieren und damit aufhören, sich gegenseitig umzubringen".

Der Musiker Stevie Wonder meldete lautstark Protest gegen die Ausführungen des Geistlichen an. "Black Lives Matter", schwarze Leben zählen, rief er in Anlehnung an die gleichnamige Bewegung, die Gewalt gegen Schwarze bekämpft.

Auf einer Pressekonferenz am Sonntag verteidigte sich der Pastor gegen Vorwürfe, unangebrachte Kommentare gemacht zu haben. "Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel dafür, dass wir als Schwarze neue Wege beschreiten", sagte Williams. "Es tut mir leid, dass sie (die Angehörigen) so fühlen."

Am Freitag hatten sich die Familie, Freunde und Fans der Souldiva mit einem achtstündigen Gottesdienst von ihrem Idol verabschiedet. Ex-Präsident Bill Clinton und mehrere Bürgerrechtler nahmen daran teil. Außerdem gab es emotionale Auftritte von Ariana Grande, Jennifer Hudson und Gladys Knight.

Ein Neffe der Sängerin, Vaughn Franklin, sagte, seine Tante habe Williams nie damit beauftragt, die Trauerrede zu halten. Sie habe sich nie dazu geäußert, wie sie ihr Begräbnis gestalten wolle.

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Trauerfeier: Grande und die entgleiste Umarmung

Die Familie habe sich für Williams entschieden, weil er bereits in der Vergangenheit für andere verstorbene Angehörige gesprochen habe - unter anderem vor 34 Jahren für Franklins Vater, den Bürgerrechtsaktivisten C.L. Franklin.

Aretha Franklin war am 16. August in Detroit an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Sie war als Künstlerin eine Institution, trat bei der Amtseinführung dreier US-Präsidenten auf - Jimmy Carter, Bill Clinton und Barack Obama. Präsident George W. Bush verlieh ihr 2005 die Medal of Freedom.

Zuvor hatte ein weiterer Skandal die Trauerfeierlichkeiten gestört: Während der Zeremonie hatte sich Bischof Charles H. Ellis III. bei Sängerin Ariana Grande bedankt, seinen Arm um sie gelegt und dabei ihre Brust berührt. Später entschuldigte sich der Geistliche bei Grande.

ala/Reuters/AP

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