Ashley Judd über Harvey Weinstein "Ich wusste, es ist widerlich"

Ashley Judd war eine der ersten Frauen, die Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung beschuldigten. Nun hat sie in einem Interview über ihre Erlebnisse gesprochen. An den Produzenten hat sie eine klare Botschaft.

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Sie war eine der Schauspielerinnen, die den Skandal um Harvey Weinstein ins Rollen brachten - jetzt hat Ashley Judd in einem Fernsehinterview über ihre erschreckenden Erfahrungen mit dem Hollywoodproduzenten gesprochen. Die Tatsache, dass mittlerweile mehr als 60 Frauen Vorwürfe gegen Weinstein vorgebracht hätten, haben die vergangenen zweieinhalb Wochen für sie "ungemein bewegend gemacht".

Sie berichtete auch über eine Art Deal, den sie vor rund 20 Jahren mit Weinstein ausgehandelt habe, um ihm zu entkommen. Damals habe sie sich als junge Schauspielerin mit Weinstein getroffen - im Glauben, dass es sich um einen Geschäftstermin handele. "Ich war nicht gewarnt worden", sagte sie in der ABC-Sendung "Good Morning America". Es war Judds erstes Interview seit Bekanntwerden der Vorwürfe. Der Produzent habe sie in sein Hotelzimmer gelockt, sie gedrängt, sich von ihm massieren zu lassen und dann eine Massage für sich eingefordert. Außerdem habe er gefordert, sie solle ihm beim Duschen zusehen. Ihre "Salve von Neins" habe er einfach ignoriert.

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Sie habe ihm schließlich gesagt, sie werde sich ihm fügen, wenn sie einen Oscar für eine Rolle in einem seiner Filme gewinne. Bei einer Nominierung, habe Weinstein entgegnet. Sie habe gesagt: "Nein, wenn ich den Oscar gewinne" und sei dann geflohen. Einerseits schäme sie sich dafür, andererseits sage sie sich "Es war absolut brillant", schließlich sei sie so der Situation entkommen. "Ich wusste, es ist widerlich".

Sie habe ihren Eltern und Schauspielern und Agenten in Hollywood von Weinsteins Übergriffen erzählt, sei jedoch nicht an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie befürchtete, dass ihr niemand glauben würde. Doch nun, mehr als 20 Jahre später, sei die Zeit mehr als reif dafür gewesen. Die 49-Jährige sagte, sie bedauere, das nicht früher getan zu haben.

Wenn sie mit Weinstein sprechen würde, sagte Judd, würde sie ihm sagen: "Ich vergebe dir. Ich verstehe, dass du krank bist und leidest, und es gibt Hilfe, auch für einen Mann wie dich." Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Taten keine Folgen haben sollten. Wenn er tatsächlich ein Vergewaltiger sei, dann müsse er unbedingt ins Gefängnis kommen, sagte Judd.

bbr/AP

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