Feministisches Experiment TV-Moderator trägt ein Jahr lang denselben Anzug

Karl Stefanovic hatte Lust auf ein Experiment: Ein Jahr lang trug der Moderator vor der Kamera denselben Billiganzug - und keinem fiel es auf. Kritisiert wurden stattdessen die Outfits seiner Kolleginnen.

Kämpft für die Gleichbehandlung seiner Kolleginnen: TV-Moderator Karl Stefanovic
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Kämpft für die Gleichbehandlung seiner Kolleginnen: TV-Moderator Karl Stefanovic


Sydney - Karl Stefanovic ist Moderator der "Today"-Show beim australischen Sender "Nine Network". Er ist der perfekte Mann fürs Frühstücksfernsehen: gutaussehend, adrett, bestgelaunt und - zumindest auf den ersten Blick - ausgezeichnet gekleidet.

Doch jetzt enthüllte seine Co-Moderatorin Lisa Wilkinson für viele überraschend: "Karl hat genau denselben Anzug getragen, jeden einzelnen Tag, in dieser Show, an diesem Tisch, auf diesem Stuhl, ein ganzes Jahr lang."

Stefanovic bestätigte, er habe zunächst einen Monat lang dieselbe "billige Burberry-Kopie" getragen, ohne dass irgendjemand Notiz davon genommen hätte. Danach habe er beschlossen, einfach so weiterzumachen, tägliche Hemd- und Krawattenwechsel eingeschlossen.

Ein Jahr lang habe er sein Experiment betrieben und könne nun verkünden: Frauen und Männer werden mit zweierlei Maß gemessen. Während sich Zuschauer mehrfach maßlos über bestimmte Outfits seiner Kolleginnen Lisa Wilkinson und Samantha Armytage aufgeregt hätten, sei seine Klamottenmonotonie noch nicht einmal bemerkt worden, so Stefanovic.

"Frauen werden viel harscher und beißender verurteilt für das, was sie tun, was sie sagen oder was sie tragen", sagte der Fernsehmann dem "Sydney Morning Herald". "Ich werde beurteilt für meine Interviews, meinen fürchterlichen Sinn für Humor - vor allem dafür, wie ich meinen Job mache. Frauen hingegen ziemlich oft dafür, was sie tragen und wie ihr Haar sitzt."

Offenbar wussten lediglich die Produzentin der Sendung und der Moderator von dem Selbstversuch. In den sozialen Netzwerken wurde der TV-Streich im Namen der Gleichberechtigung überwiegend positiv aufgenommen. Auch australische Feministinnen begrüßten Stefanovics witzige Aktion: "Dieser Vorstoß ist keineswegs trivial", schrieb die feministische Autorin und Theaterschaffende Van Badham. "Er ist ein Beispiel für echte menschliche Empathie, die erkennt, wenn Zustände ungerecht sind und darauf reagiert."

ala



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