Autopsie Natasha Richardson starb an Gehirnblutung

Es war ein tragischer Unfall: Gerichtsmedizinern zufolge starb die Schauspielerin Natasha Richardson an einer Gehirnblutung, die sie sich bei einem "stumpfem Aufprall" zugezogen hatte. Laut "Times" hätte der Tod der Britin verhindert werden können - Notärzte waren zunächst wieder weggeschickt worden.


New York - Das US-Magazin "People" berichtet unter Berufung auf einen Sprecher der Gerichtsmedizin in New York, dass die Experten nach der Autopsie der Leiche am Donnerstag von einem Unfall ausgehen. Ein "stumpfer Aufprall" habe die eine Gehirnblutung hervorgerufen, an der Richardson am Mittwoch starb. Wie genau es zu der Kopfverletzung kam, ist bisher nicht bekannt.

Die 45-Jährige war am Montag im Skigebiet Mont Tremblant bei Québec auf einer Anfängerpiste gestürzt. Sie hatte keine äußerlich sichtbaren Verletzungen und war zunächst noch ohne fremde Hilfe auf ihr Hotelzimmer gegangen. Obwohl ihr Skilehrer ihr zweimal empfahl, einen Arzt aufzusuchen, habe sie dies abgelehnt.

Doch dann hatte sie sich unwohl gefühlt und war ins Sacré-Coeur-Krankenhaus nach Montréal gebracht und dort auf der Intensivstation behandelt worden. Am Dienstag dann hatte Ehemann Liam Neeson die Kranke in einem Privatjet nach New York geflogen. Dort erlag sie im Lenox-Hill-Krankenhaus am Mittwoch ihren schweren Verletzungen. Neben Neeson waren auch die Mutter sowie die beiden Söhne ans Krankenbett geeilt.

Der britischen "Times" zufolge hätte der Tod der Schauspielerin verhindert werden können. Die Zeitung berichtet am Freitag, eine erste Ambulanz, die zum Hotel von Richardson entsandt wurde, sei wieder weggeschickt worden. Diese Entscheidung könnte sie das Leben gekostet haben, hieß es. "Die Notärzte haben die Patientin nicht gesehen", sagte der Leiter der Ambulanz von Mont Tremblant, Yves Coderre der Zeitung "Toronto's Globe and Mail". Diese Zeit hätte Experten zufolge genutzt werden können, um die Hirnblutung zu behandeln.

Eugene Flamm, Neurologe am Montefiore Medical Centre in New York, sagte der "Times": "Wenn man sie innerhalb der ersten Stunde nach dem Unfall untersucht hätte, hätte man vielleicht ein sich bildendes Blutgerinnsel sehen können." Um einen Hirnschaden zu vermeiden, hätten die Chirurgen diesen dann entfernen können. "Das ist keine technisch anspruchsvolle Operation, aber man muss sie rechtzeitig durchführen", so der Professor.

Dem "Hollywood Reporter" zufolge hat der 56-jährige Liam Neeson nach dem plötzlichen Tod seiner Frau eine Drehpause eingelegt. Wie das Filmblatt am Donnerstag berichtete, wurden die Dreharbeiten zu seinem jüngsten Film "Chloe" vorübergehend eingestellt. Die Dreharbeiten hatten im Februar begonnen. Neeson stand an der Seite von Julianne Moore und Amanda Seyfried unter der Regie von Atom Egoyan ("Wahre Lügen") in Toronto vor der Kamera, als ihn am Montag die Nachricht von dem schweren Skiunfall seiner Frau erreichte.

In einer Erklärung zum Tod der Schauspielerin hieß es: "Liam Neeson, seine Söhne und die gesamte Familie sind geschockt und zutiefst erschüttert über den tragischen Tod ihrer geliebten Natasha. Sie sind aus tiefsten Herzen dankbar für die Unterstützung, die Liebe und die Gebete aller und bitten um die Wahrung ihrer Privatsphäre in dieser schweren Zeit." Neeson, die gemeinsamen Söhne Michael, 13, und Daniel, 12, sowie Mutter Vanessa Redgrave, 72, hatten am Mittwoch von Richardson Abschied genommen. Auch ihre Schwester, Schauspielerin Joely Richardson, und Hollywood-Star Lauren Bacall suchten Richardson im Krankenhaus auf.

Obwohl nicht sicher ist, ob Richardson den Unfall überlebt hätte, wenn sie einen Helm getragen hätte, ist jetzt eine Debatte um mehr Sicherheit auf Skipisten entbrannt. Behördenvertreter in Quebec tragen sich nach dem Tod der Schauspielerin mit dem Gedanken, eine Helmpflicht einzuführen. Laut einer Studie des Nationalen Verbandes der Skigebiete in den USA tragen rund die Hälfte der Amerikaner beim Wintersport einen Helm.

Richardson stammte aus einer berühmten britischen Künstlerfamilie: Ihre Mutter ist Schauspielerin Vanessa Redgrave, ihr Vater Regisseur Tony Richardson. Ihr Onkel, der Schauspieler Corin Redgrave sagte am Donnerstag: "Ich bin Tag und Nacht sehr, sehr, traurig. Sie war hinreißend, abgesehen davon, dass sie eine ausgezeichnete Schauspielerin war." Redgrave, der laut "Times" im Jahr 2005 einen Herzinfarkt erlitt, trat trotz des tragischen Verlusts noch am selben Abend im Theater auf. "Das ist die Redgrave-Tradition", sagte seine Frau, Kika Markham. "Arbeit kann in Zeiten wie diesen sehr hilfreich sein."

Die gebürtige Londonerin Richardson war in vielen Theater- und Filmproduktionen aufgetreten, darunter in Volker Schlöndorffs "Die Geschichte der Dienerin", "Nell" und "Manhattan Love Story". In England schaffte sie 1985 mit ihrem Bühnenauftritt in Tschechows "Die Möwe" den Durchbruch, am New Yorker Broadway wurde sie 1993 in der Titelrolle des Dramas "Anna Christie" an der Seite von Liam Neeson gefeiert.

Richardson ließ sich 1993 von dem Produzenten Robert Fox scheiden und heiratete ein Jahr später ihren Kollegen Neeson. 1998 erhielt sie den Tony Award für ihre Darstellung der Sally Bowles in dem Musical "Cabaret". Im vergangenen Januar trat sie gemeinsam mit ihrer berühmten Mutter in einer Benefiz-Aufführung des Musicals "A Little Night Music" auf.

Richardson lebte mit ihrer Familie teils in Manhattan, teils in Millbrook im US-Staat New York. Sie war auch für ihre Gastfreundschaft und Kochkünste bekannt, berichtete die Sendung "Entertainment Tonight". Stars wie Ralph Fiennes, Meryl Streep und Laura Linney seien häufig bei Dinnerpartys zu Gast gewesen. Als Hobbyköchin hatte Richardson in der TV-Koch-Show "Top Chef" die Rolle einer Jurorin übernommen.

ala/dpa/AP



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